Auf dem Reiserbesen durch den Markt – Der Hexenfreitag hat in Schmidmühlen Tradition

Eine besondere Tradition pflegt man in Schmidmühlen mit dem Hexenfreitag. An diesem Tag zieht die Damenwelt als Hexen verkleidet durch den Ort.
Seit 1969 ist das Hexentreiben in Schmidmühlen auch ein fester Bestandteil des Faschingsgeschehens in Schmidmühlen und der Zuspruch war auch heuer wieder ungebrochen. Ins Leben gerufen wurde der Zug der Hexen wohl auch als Gegenstück zum Fischzug der Männer.
86 als Hexen verkleidete Damen haben sich um „Oans“, also um 13 Uhr, vom Zöllist in der Langbruck – so lautet der Name der unteren Hauptstraße im Urkataster – aus auf den Weg durch den Markt gemacht, um diesem 1969 eingeführten Brauchtum zu frönen.
Antwort auf den Fischzug
Viele sagen auch, es sei eine Antwort auf den Fischzug gewesen, der dann am Aschermittwoch in Schmidmühlen alljährlich zelebriert wird. Der Treffpunkt braucht nicht groß angekündigt zu werden. Aus allen Himmelsrichtungen kommend finden sich die Hexendamen zusammen, um gemeinsam zu feiern.
Seit weit mehr als einem Jahrzehnt ist Florian Gröninger, der als Tuba-Spieler der Brettl-Spitzen bekannt ist, der einzige Mann, der im Hexen-Zug durch den Markt mit seiner Diatonischen Harmonie dabei ist.
Fantasievoll und auch ein wenig extravagant waren auch in diesem Jahr die Kostümierungen gewesen: Spitzhut und weiter Rock, darunter drei Pullover – weil man nicht weiß, wie das Wetter sich entwickeln wird. Die Frauen waren grell bis giftgrün geschminkt. Viele zogen auch mit schwarzen Zähnen durch den Markt. Einige hatten einen Reiserbesen dabei und das reichte schon, um sich bei den Männern den nötigen Respekt zu verschaffen.
Pflaster wurde zur Tanzfläche
Die Verhaltensregeln brauchte Ober-Hexe Martina Wiesner nicht mehr groß erläutern. Zu Fuß machte sich der Hexenpulk auf den Weg durch den Markt. Für die Hexen war es aber auch ein leichtes Spiel, auf dem doch recht holprigen Katzbuckelpflaster elegant zu tanzen, so als ob man beim Espach übers Tanzparkett schweben würde. Nur ab und zu zeigten sie aber auch einem widerspenstigen Mannsbild, wo der Bartl den Most holt.
So alt wie der Fischzug ist der Hexenzug nicht, aber doch genau so schön, erzählte Ober-Hexe Martina Wiesner lachend. „Bei uns darf man immer fröhlich sein, es wird gesungen und getanzt, was natürlich bei den Männern verboten ist.“ Die Hexenroute sei schon seit Jahrzehnten gleichgeblieben, nur die Einkehrstationen hätten sich verändert, weil das eine oder andere Wirtshaus nicht mehr existiert. Ersatz-Einkehrstationen habe man aber auch heuer leicht gefunden, weil die Schmidmühlener hinter diesem Brauch stünden.
Spät am Abend loderten dann noch am Hammerplatz nahe beim Kirwabaum-Loch ein paar Strohballen zum Zeichen der Winterverbrennung und der Hoffnung. Man sang „Wahre Freundschaft“ und andere Heimatlieder und hoffte, dass bald das Frühjahr kommen möge.
Der „gschmalzne Freitag“
Ursprung: Vom „gschmalznen“ Freitag spricht man deswegen, weil in früheren Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts in den Dörfern an diesem Tag zum letzten Mal vor der Fastenzeit das traditionelle Schmalzgebäck aufgetischt worden ist. Kücheln, Quarkringe, Hasenohren, Baunzerl, Zwetschgenbavesen, Kipfala, Krapfen und dergleichen wurden in diesen letzten Faschingstagen gebacken, weiß Schmidmühlens Ober-Hexe Martina Wiesner.
Parallelen: Damit kann man auch den Bogen zum Fischzug spannen, weil damals auch das Bier zusammengetrunken werden musste, um für einen neuen Sud Platz zu machen. Dieser wurde damals noch im Kommun-Brauhaus in der Mulz gebraut, wie der Bezirksheimatpfleger Adolf Eichenseer in seinen Erinnerungen schreibt.
