Geldanlage: So geht’s vernünftig, langfristig und rentabel – Finanzexperte Tenhagen im Gespräch

Von Sarah Woipich · 1. März 2025 um 05:00

Krisenzeiten, Inflation und sinkende Zinsen: Viele Deutsche plagen derzeit finanzielle Ängste. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen weiß, wie man sein Geld aktuell anlegen sollte.

Tulpenmanie – sie gilt als die erste Finanzkrise der Wirtschaftsgeschichte. Die steigende Nachfrage nach Tulpenzwiebeln und damit einhergehende Spekulationen führten Ende des 17. Jahrhunderts zu einem Boom und schließlich zu einem Absturz der Preise. Börsencrashs blieben auch in den folgenden 200 Jahren nicht aus. Aktuell befindet sich die deutsche Wirtschaft erneut in der Krise. Höchste Zeit, sich mit dem Thema Finanzen zu befassen. Wer sein Geld geschickt anlegt, kann es trotz Inflation und Niedrigzinsen vermehren.

Wichtige Fragen, die man sich vorher stellen sollte

Festgeld, ETFs, Gold, Tagesgeld – wer ein paar Euro auf der Seite hat, hat die Qual der Wahl. „Grundsätzlich ist die Sache mit dem Geldanlegen aber gar nicht so kompliziert“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Wirtschaftsjournalist und Chefredakteur des gemeinnützigen Geldratgebers Finanztip. Doch bevor es überhaupt um die Frage geht, wie man sein Erspartes gewinnbringend anlegen kann, sollten laut dem Finanzexperten zwei wichtige Dinge geklärt sein. „Zunächst gilt es, seine Schulden, vor allem seine teuren Disposchulden, loszuwerden. Im zweiten Schritt ist es ratsam, sich drei Monatsgehälter auf ein Tagesgeldkonto zu legen. Damit braucht man den Dispo erst gar nicht und kann gleichzeitig bei unvorhergesehenen Ausgaben schnell reagieren“, empfiehlt der Finanzexperte.

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Sind diese Punkte erledigt, könne man sich laut Hermann-Josef Tenhagen im nächsten Schritt um das Thema Anlage kümmern. „Wichtig ist es dabei, sich zuerst die Frage zu stellen, wozu und wann man das Geld, das man anlegt, braucht.“ Will man zum Beispiel für einen Kühlschrank Geld auf die Seite legen, der in ein paar Jahren erneuert werden soll, empfiehlt Tenhagen, das dafür bereits Angesparte auf ein Tagesgeldkonto zu legen. „Schwankungen und damit das Risiko sind sehr gering und man kann schnell über sein Geld verfügen. Auch wenn die Zinsen gerade nicht sehr hoch sind, drei Prozent sind meist möglich“, weiß der Finanzexperte.

Die Vorteile von langfristigen, breit gestreuten Indexfonds

Wer sich mehr Rendite erhofft und sein Geld auch erst mal nicht braucht, sondern für später anlegen möchte, der sei mit den sogenannten ETFs gut beraten. Denn die Wertpapiere seien ein einfacher und günstiger Weg, um an der Börse zu investieren. Die Abkürzung steht dabei für Exchange Traded Funds, übersetzt also börsengehandelter Indexfonds.

„Die von uns empfohlenen ETFs werden langfristig angelegt, sind breit gestreut und bilden den Weltmarkt ab. Man investiert also in eine Vielzahl an Unternehmen, Branchen und Länder gleichzeitig. Damit sind sie risikoärmer, unterliegen geringeren Schwankungen als einzelne Aktien und können so dabei helfen, langfristig Vermögen aufzubauen. Ausgehen kann man jedenfalls von einer jährlichen Rendite von rund sechs Prozent“, erklärt der Finanztip-Chefredakteur.

Ein weiterer Vorteil der ETFs: Die Depots kosten entweder gar nichts oder deutlich weniger als bei aktiv gemanagten Fonds, bei denen ein Fondsmanager die Wertpapiere einzeln aussucht. „Die Tatsache, dass man nicht in eine einzelne Aktie investiert, hat zudem den Vorteil, dass man sich nicht selbst um die Auswahl der einzelnen Unternehmen und ihrer Aktien kümmern muss. Auch muss man sich dann nicht so genau über einzelne Branchen und Unternehmen informieren, was vor allem Einsteigern Zeit spart“, sagt Tenhagen.

Und: Mit einer langfristigen Anlage könne man auch Krisenzeiten getrost ausblenden. Bei einer Laufzeit von rund 15 Jahren würden temporäre Schwankungen nämlich wieder ausgeglichen.

Neben der nach der richtigen Anlage selbst stellen sich viele auch die Frage nach dem besten Zeitpunkt fürs Investment. Grundsätzlich könne man laut Tenhagen auch noch mit 60 oder 70 Jahren in Wertpapiere investieren, um zum Beispiel seine Rente aufzubessern. „Das lohnt sich vor allem dann, wenn es sich um langfristig angelegte Aktienfonds wie den ETFs handelt. Man lässt das Geld ja zwischen zehn und 15 Jahre liegen. Mit der gestiegenen Lebenserwartung kann man also auch noch später einsteigen.“ Daneben empfiehlt der Wirtschaftsjournalist jungen Leuten für die Altersvorsorge in breitgestreute und langfristig angelegte Aktienfonds zu investieren.

Wie man sein Geld neben Aktien noch anlegen kann

Doch trotz aller Vorteile: Aktien sind nach wie vor nicht allen Menschen geheuer. Was ist also mit Investitionen in Immobilien, Kunst und Gold?

Beim Eigenheim jedenfalls komme es auf die persönlichen Umstände an: „Lebe ich zum Beispiel auf dem Land, habe Zugang zu günstigem Bauland und vielleicht noch gute Kontakte zu Handwerkern, kann sich das Investment ins Eigenheim lohnen. Man sollte aber einen vernünftigen Immobilienkredit aushandeln und sich für eine bessere Verhandlungsposition bei der Hausbank vorher Angebote bei einem Kreditvermittler machen lassen“, empfiehlt der Finanzexperte.

Auch wenn Gold langfristig nicht so viel Rendite bringe wie eine Investition in weltweit gestreute Aktien – als Teil der Anlagestrategie könne man laut Tenhagen zehn Prozent seines Geldes durchaus darin anlegen. „Gold wird nie wertlos sein, allerdings schwankt der Goldpreis stärker“, gibt der Experte zu bedenken. Und wer das nötige Kleingeld über habe, um in Kunst zu investieren, der könne auch das tun. „Allerdings ist das Sammeln von Autos und Gemälde keine Geldanlage, sondern eher ein schönes Hobby“, betont Hermann-Josef Tenhagen.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur von „Finanztip“. Der gemeinnützige Online-Verbraucher-Ratgeber informiert zu Verbraucher- und Finanzthemen.