Nach Zementlaster-Unfall in Pottenstetten: Spedition wehrt sich gegen Raser-Vorwürfe

Von Nils Mayer · 26. Februar 2025 um 19:00

Am Tag nach dem Lastwagenunfall in Pottenstetten (Landkreis Schwandorf) hat sich der Staub der 26 Tonnen Zement weitestgehend verzogen. Trotzdem bleiben noch viele Fragen zu dem Unglück ungeklärt. Es stehen Vorwürfe von Anwohnern im Raum, die das involvierte Transportunternehmen so nicht unkommentiert lassen will.

Am Dienstagvormittag war der Lastwagen in der Ortsdurchfahrt Pottenstetten umgekippt und hatte rund 26 Tonnen Zement auf der Fahrbahn verteilt. Der Fahrer des Lastwagens wurde laut Polizei bei dem Unfall leicht verletzt und in ein umliegendes Krankenhaus gebracht. „Die aufwendige Reinigung der Straße übernahm dann ein Spezialsauger“, erklärte Florian Beck, Vizechef der Polizei Burglengenfeld. Seit Dienstagabend um 19.30 Uhr sei die Ortsdurchfahrt nun wieder freigegeben und die Fahrbahn gesäubert.

Wie berichtet, war wohl ein Schwächeanfall des Lastwagenfahrers Schuld an dem Unfall. Trotzdem werde laut Beck weiter in alle möglichen Richtungen ermittelt: „Noch steht die genaue Unfallursache nicht final fest, wir gehen noch verschiedensten Hinweisen nach.“

Vorwürfe stehen im Raum

Auch ein Zeugenaufruf sei gestartet worden, von dem sich die Polizei noch mehr Anhaltspunkte erhoffe.

Besonders brisant sind dabei auch die Aussagen von Passanten vor Ort an der Unglücksstelle. Einige erhoben nach MZ-Informationen explizite Vorwürfe gegenüber dem beteiligten Transportunternehmen: Oftmals seien die Lastwagen zu schnell unterwegs und würden sich nicht an die innerörtliche Geschwindigkeitsbeschränkung in Pottenstetten halten. Auch bei dem verunglückten Betonmischer hätte manch einer genau diese Beobachtung gemacht.

Die Spedition aus dem Landkreis Cham, die sich nur anonym äußern wollte, wehrt sich gegen derartige Vorwürfe: „Meine Fahrer sind keine Raser und halten sich an alle Tempo-Limits“, sagt der Chef des Unternehmens. Nach eigener Aussage würde den Einwohnern die Geschwindigkeit der Lastwägen aufgrund der lauten Rollgeräusche und der engen Durchfahrt schneller vorkommen, als sie in Wahrheit sei. „Es gibt von unserer Seite aus auch überhaupt keinen Zeitdruck für die Fahrer“, erklärt er. Sicherheit stehe für das Transportunternehmen immer an erster Stelle. „Wir sind sehr froh, dass es dem Fahrer den Umständen entsprechend gut geht und sonst keiner zu Schaden gekommen ist“, sagt der Speditionschef und ergänzt: „Das Krankenhaus hat uns den Schwächeanfall des Fahrers auch eindeutig bestätigt und ich verbitte mir alle anderen Spekulationen.“

Ganz aus der Luft gegriffen sind die Probleme mit der Geschwindigkeitsbegrenzung in Pottenstetten allerdings nicht, wie Stadtrat Thomas Hofmann (CSU) auf Nachfrage bestätigt. „Seit Jahren will ich schon einen stationären Blitzer in der Ortsdurchfahrt aufstellen lassen“, erzählt Hofmann. Bei den Anwohnern gebe es diesen Wunsch schon lange, weil viele der Autos und Lastwagen zu schnell unterwegs seien. „Natürlich weiß ich nicht, ob der Lastwagenunfall irgendwas mit erhöhter Geschwindigkeit zu tun hatte, aber trotzdem ist spätestens jetzt die Zeit reif für eine Veränderung“, so der Stadtrat.

Dass der Zement-Unfall direkt neben einem Kindergarten passiert sei, ist laut Hofmann nur noch ein Grund mehr endlich zu handeln. „Das Wichtigste ist jetzt aber erst einmal, dass der Fahrer wieder gesund wird und keiner sonst zu Schaden gekommen ist.“ Auch Hofmann wolle sich nicht an Spekulationen über die Unfallursache beteiligen, wollte gleichzeitig aber entsprechende Stimmen und Sorgen unter den Anwohnern nicht dementieren.

4000 Euro und Totalschaden

Wichtig ist dem Chef des Transportunternehmens noch zu betonen, dass alle bei den Anwohnern entstandenen Schäden durch die Versicherung des Unternehmens übernommen werden. „Die einzigen, die von dem Unfall einen finanziellen Nachteil haben werden sind wir, wegen dem verlorenen Zement und dem Laster“, verspricht er. Die 26 Tonnen hätten laut dem Transportunternehmen einen geschätzten Wert von rund 4000 Euro. Außerdem habe der Lastwagen einen kompletten Totalschaden erlitten. „Das lässt sich aber alles ausgleichen, ein Menschenleben nicht“, sagt der Chef der Spedition.