Lastwagen verlor 26 Tonnen Zement in Pottenstetten – Polizei und Anwohner schildern Unfallhergang

Ein Dorf in Grau: Am Dienstagvormittag verunglückte ein Silozug mitten im Burglengenfelder Ortsteil Pottenstetten (Landkreis Schwandorf). 26 Tonnen Zement lagen auf der Fahrbahn. Nun gibt es Details zum Unfallhergang, auch Augenzeugen äußern sich.
Wie die Einsatzkräfte vor Ort schilderten, hatte die Integrierte Leitstelle (ILS) Oberpfalz-Nord gegen 10.30 Uhr Alarm ausgelöst. Als die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehren Pottenstetten und Burglengenfeld am Unglücksort eintrafen, lag der Zementlaster bereits auf der Seite.
Um das Fahrzeug herum war die Straße grau gefärbt, auch der Vorplatz des angrenzenden Gemeindehauses sowie der Zugang zum Spielplatz waren in einen Grauschleier gehüllt. Wie Einsatzleiter der Feuerwehr Pottenstetten, Roland Flauger, berichtete, waren etwa 26 Tonnen trockener Zement auf die Fahrbahn geflossen.
Eine Spezialfirma rückte an
Schnell war klar, ohne eine Spezialfirma komme man nicht weiter. Das Unternehmen Herrmann aus Wackersdorf rückte an, um den Silozug wieder auf die Räder zu stellen. Das Problem: Das Zugfahrzeug und der Sattelauflieger hingen auch nach dem Unfall noch zusammen. Deshalb waren gleich zwei Kräne nötig. Sie hoben das Gefährt von zwei Seiten an und setzten es am Fahrbahnrand wieder ab. Dann wurde der Silozug aufgestellt und abgeschleppt. Der zuständige Kranführer nahm es gelassen. „Nerven behalten und langsam arbeiten“, lautete seine Devise.
Die Bergung des Silozugs ist inzwischen abgeschlossen. Und auch die Fahrbahn war gegen 19.30 Uhr gereinigt. Dafür war ein Spezialsauger im Einsatz. Auch eine Kehrmaschine wurde eingesetzt, die den aufgewirbelten Staub auch einsaugen kann. Die Feuerwehr band außerdem auslaufende Betriebsstoffe. Die Fahrbahn musste über mehrere Stunden gesperrt werden, auf umliegenden Straßen kam es zu Verkehrsbehinderungen.
Ein Mitarbeiter der Stadtwerke Burglengenfeld gab am späten Dienstagnachmittag Entwarnung. Das Wasser-Kanalsystem sei durch den Unfall wohl nicht zu Schaden gekommen, sagte er an der Unfallstelle. Für eine abschließende Beurteilung wollte er aber noch die Reinigungsarbeiten abwarten.
Fahrer erlitt wohl Schwächeanfall
Auch die Polizeiinspektion Burglengenfeld hat den Unglücksort zwischenzeitlich in Augenschein genommen. Anhand der Spuren erklären die Ermittler den Unfallhergang so: Gegen 10.30 Uhr sei der Silozug aus südlicher Richtung (Kreisverkehr in der Schmidmühlener Straße bei Burglengenfeld) in die Ortschaft Pottenstetten eingefahren. Wohl wegen eines plötzlichen Schwächeanfalls sei der Fahrer in der Ortschaft rechts gegen den Randstreifen gekommen. Dafür spreche laut dem stellvertretenden Leiter der Polizeiinspektion Burglengenfeld, Florian Beck, der schwarze Abrieb am Randstreifen auf einer Länge von etwa 20 Metern.
Der Sattelzug sei in der Folge mit einem Werbeschild, das rechts der Straße stand kollidiert. Anschließend hätte der Lastwagen zwei Stützmauern am rechten Fahrbahnrand beschädigt und das Bushäuschen aus der Verankerung gerissen. Schließlich kippte der Silozug auf Höhe des Gemeindehauses um. Der Sattelauflieger riss daraufhin auf.
Am Silozug entstand Totalschaden
Der 58 Jahre alte Fahrer wurde bei dem Unfall leicht verletzt und zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Die Schäden am Unglücksort waren beträchtlich. Laut Beck entstand an Schildern, Mauern, Bushäuschen und Silozug ein Gesamtschaden in Höhe von etwa 200.000 Euro.
Die spektakulären Szenen blieben natürlich nicht unbemerkt. Eine Anwohnerin schilderte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass sie gegen 10.30 Uhr plötzlich von einem lauten Schlag aufgeschreckt worden war. Beim Blick aus dem Fenster habe sie eine große Staubwolke gesehen. Der Silozug sei nur wenige Meter neben ihrem Haus quer über der Straße gelegen. Der Fahrer sei selbständig zum Rettungswagen gegangen. „Er hatte eine blutende Wunde am Kopf“, sagte die Frau.
Auch eine besorgte Mutter äußerte sich zum Unfall. Sie habe bereits im vergangenen Jahr einen Brief an das Landratsamt geschrieben und beantragt, eine 30er-Zone im Bereich der Haltestelle und des Kinderspielplatzes zu realisieren. Denn ihrer Ansicht nach würde der Verkehr viel zu schnell durch die Ortsmitte von Pottenstetten brettern. Trotz angeblicher Ortsbesichtigung vor etwa einem halben Jahr sei bisher keine Tempo-30-Zone geschaffen worden.
Polizei sucht Zeugen
Hergang: Die Polizei ist noch auf der Suche nach möglichen Zeugen, die Hinweise zum Unfall und/oder zum Fahrverhalten des Lastwagens kurz vor dem Unfall geben können.
Kontakt: Hinweise nimmt die PI Burglengenfeld unter (0 94 71) 7 01 50 entgegen.



