Hubert Ettl hütet einen Briefwechsel mit Glücks-Botschaften

Von Peter Geiger · 25. Februar 2025 um 15:30

Der WAA-kritische Gründer des Lichtung-Verlags stand über Jahre in intensivem Austausch mit dem CSU-Politiker Alois Glück. Und wer weiß, vielleicht wird aus der Korrespondenz sogar ein Buch.

Je näher die Bundestagswahlen am 23. Februar rückten, umso öfter musste Hubert Ettl an den langjährigen CSU-Spitzenpolitiker Alois Glück denken. Denn die beiden Männer verband eine freundschaftliche Beziehung, die sie intensiv auslebten, im Austausch von Briefen, von Postkarten und Emails. Und vielleicht, wer weiß, wird aus der Korrespondenz sogar noch ein Buch.

Hubert Ettl, Gründer und langjähriger Verleger des Lichtung-Verlags in Viechtach, wurde während des von etlichen Turbulenzen und gleichzeitigen thematischen Aussparungen geprägten Wahlkampfs 2025 immer mehr bewusst, welche Lücke der Tod von Alois Glück gerissen hat. Der langjährige CSU-Fraktionschef und Landtagspräsident, der nachdem Ausscheiden aus der aktiven Politik bis 2015 das Zentralkomitee der deutschen Katholiken leitete, ist vor genau einem Jahr, am 26. Februar 2024, mit 84 Jahren gestorben.

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Dass der Verleger und der Politiker überhaupt Kontakt zueinander fanden, ist für Hubert Ettl heute noch fast ein Wunder – denn der studierte Lehrer, 1948 in Nittenau geboren, zählt sich zur Gründungsgeneration der Grünen. Deshalb waren es immer wieder CSU-Mitglieder, die ihm und seiner publizistischen Arbeit – die hatte mit der kritischen Auseinandersetzung um die Pläne für die atomare Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf begonnen – mit Skepsis und Zwiespältigkeit begegneten.

2016 erschien Ettls langer Essay „Zweifelnd glauben“. Der Autor, der sich lange als Agnostiker begriffen hatte, offenbarte in dem Buch, dass er auf der Suche nach etwas sei, woran zu glauben sich lohnte. 2017, ein Jahr nach der Veröffentlichung, erhielt er plötzlich Post von Alois Glück: Der teilte ihm mit, dass er die gut 200 Seiten nicht nur gelesen, sondern sogar intensiv „durchgearbeitet“ hatte. Glück dankte Ettl für dieses „wertvolle Buch“, und gestand, dass er es auch vielfach schon weiterverschenkt hatte, unter anderem an den ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.

So begann also ein schriftlicher Dialog, der Ettl und Glück von religiösen zu kirchlichen Fragen führte – und bald auch aufs Feld des Politischen. Denn beide vereinte die Sorge um den Planeten. Darum, dass der „homo oeconomicus“ sich gewandelt hat, zum „homo destructor“. Zum Menschen, der seine eigenen Lebensgrundlagen zerstört, indem er den Ast, auf dem er sitzt, absägt. Ein Jahr später sollten sich die beiden Männer sogar persönlich begegnen. Hubert Ettl urlaubte mit seiner Frau am Chiemsee. Und während die CSU in jenem Sommer drohte, das Bündnis mit der Schwesterpartei CDU aufzukündigen, trafen sich die Brieffreunde zum Mittagessen. „Wir redeten über die ökologische, ja, die zivilisatorische Krise,“ erzählt Hubert Ettl. „Und als ich sagte, eigentlich müsste angesichts der bedrohlichen Lage die CSU doch mit den Grünen regieren, da schaute er mich nachdenklich an. Und gab mir schließlich recht.“

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Ettl schließt mit dem Gedanken: „Für mich war Alois Glück ein ganz wichtiger Brückenbauer!“ Das alles ist zwar erst sieben Jahre her, klingt aber heute, obwohl die Durchschnittstemperaturen des Planeten auf neue Rekordwerte hochschnellen, wie aus einer anderen politischen Ära.

Die letzte Karte kam wenige Wochen vor Glücks Tod

Als der frühere Verleger dieser Tage sein Archiv ordnete, fielen ihm wieder Zeilen in die Hände, die Alois Glück in einem Essay im CSU-Parteiorgan „Bayernkurier“ geschrieben hatte: „Verantwortungslos ist es, die Ängste politisch zu vermarkten. Wenig überzeugend ist, sich nur ‚verständnisvoll‘ anzubiedern. Die wirksamste Hilfe zur Überwindung der Angst ist vertrauenswürdiges Erhalten und Gestalten.“

Die letzte Postkarte vom 15. Januar 2024, wenige Wochen, bevor Alois Glück den Folgen eines Schlaganfalls erlag, ist Hubert Ettl besonders wertvoll. Schon beim Erhalt der Karte war ihm klar, dass sie eine Art von Vermächtnis beinhaltet: „Sie haben mir wichtige und wertvolle Impulse und Orientierungen vermittelt!“, schrieb Glück damals. Wer, fragt Hubert Ettl, wäre aus dem konservativen Lager heute in der Lage, über die politischen Grenzen hinweg ein solches Gespräch zu führen und Vertrauen aufzubauen?

Die Briefschreiber

Alois Glück, ab 1970 Abgeordneter, bis 2008 Landtagspräsident, philosophisch geprägt, galt als einer der profiliertesten Köpfe der CSU.

Hubert Ettl, Gründer des Lichtung-Verlags, schrieb zwei Bücher: „Zweifelnd glauben“ (2016, Lichtung-Verlag) und „Abenteuer des Glaubens“ (2020, Pustet Verlag).

Alois Glück, Landwirt, gläubig, ab 1970 im Landtag, galt als einer der profiliertesten Köpfe der CSU. Foto: Balk, dpa