BSW sorgt bei Regensburger Abgeordnetem für grünes Wunder

Von Juliana Ried · 24. Februar 2025 um 16:31

Überraschung für den Grünen Stefan Schmidt am frühen Montagmorgen: Der Regensburger kann seine Arbeit in Berlin doch fortsetzen. Schmidt erzählte der MZ, wie er das „Wechselbad der Gefühle“ erlebte – und wie er auf den neuen Deutschen Bundestag blickt.

Als Stefan Schmidt am Wahlabend um 22 Uhr heimradelte von der grünen Wahlparty im Kosmonaut, war er hörbar fertig mit der Welt. „Jetzt ist die Party für mich vorbei“, sagte der Bundestagsabgeordnete der MZ, er sei raus. Doch nach Mitternacht wendete sich das Blatt, um 4.10 Uhr kam dann die Bestätigung der Bundeswahlleiterin: Schmidt (43) gehört als 14. von 14 grünen bayerischen Abgeordneten und als einer von vier Abgeordneten aus dem Wahlkreis Regensburg dem neuen Deutschen Bundestag an, so das vorläufige amtliche Endergebnis.

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Von einem „Wechselbad der Gefühle“ hatte Schmidt auf seinem Heimweg am Wahlabend gesprochen. Doch da wusste er noch nicht, dass am Montagmorgen die Glücksgefühle kommen sollten und er als wiedergewählter Abgeordneter in den Zug nach Berlin steigen konnte. Die erste Prognose von 18 Uhr am Sonntagabend sah die Grünen bei 13,5 Prozent – und Schmidt konnte hoffen. In den Stunden bis Mitternacht, als die Hochrechnungen immer genauer wurden und die Grünen schließlich auch die Zwölf-Prozent-Marke nach unten rissen, während sich das BSW im Bundestag wähnen konnte, zerschlug sich die Hoffnung. Schmidt erzählt: „Das war’s jetzt“, mit diesem Gefühl habe er zuhause seinen Absacker-Whisky getrunken.

Nach knappen zwei Stunden Schlaf geht es nach Berlin

„Als ich nachts um halb eins im Bett lag, war alles wieder anders.“ Da kristallisierte sich heraus, dass es das BSW doch nicht in den Bundestag schafft. „Das BSW war entscheidend, dass wir noch einmal vier oder fünf Mandate bekommen haben.“ Zu seinem Glück habe wohl auch beigetragen, dass die Grünen in Bayern wider Erwarten ein besseres Ergebnis einfuhren als im Bundesschnitt. Die ersten Gratulationen gingen ein, doch Schmidt wollte das vorläufige Ergebnis abwarten und dann die benachrichtigen, die er zuvor über sein vermeintliches Ausscheiden aus dem Bundestag informiert hatte. „Zwischen 5.15 Uhr und 7 Uhr habe ich dann geschlafen.“ „Nervenzerfetzend“ nennen Schmidts Mitarbeiter die Wahlnacht auf seiner Internetseite.

Seine SPD-Kollegin Carolin Wagner gratulierte Schmidt frühmorgens am Bahnsteig, sie nahmen denselben Zug nach Berlin. „Da freue ich mich natürlich als Demokratin darüber, dass er weiterhin Regensburg vertritt“, so lautete ihr Kommentar zum grünen Wunder. „Wir sind in vielen Dingen ähnlich ausgerichtet. Da ist es immer gut, wenn man Partner vor Ort hat.“ In Regensburg schnitt Schmidt mit 19,7 Prozent der Erststimmen deutlich besser ab als im Landkreis, wo er 8,4 Prozent bekam. An die Partei gingen in Regensburg 19,5 Prozent der Stimmen, im Landkreis neun Prozent. Da die Grünen in der Stadt mehr verloren als im Land (4,4 Prozent beziehungsweise 1,8 Prozent bei den Zweitstimmen), war die Kluft zwischen Stadt und Land sogar kleiner als 2021.

Schmidt, der nach seinem Hauptschullehramts-Studium zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Regensburg war und dann für bayerische Grünen-Abgeordnete tätig war, sitzt seit 2017 selbst im Bundestag. Bisher fungierte er als tourismuspolitischer Sprecher seiner Fraktion und kümmerte sich als Mitglied im Ausschuss für Finanzen um finanziellen Verbraucherschutz, private Altersvorsorge, Kommunalfinanzen und Versicherungen. In diesen Funktionen würde er auch gerne bleiben, sagt er.

Endergebnis in drei Wochen

Prinzipiell habe er die Hoffnung, dass es in der Bundespolitik nun auch wieder um Themen wie die Rente oder die Kindergrundsicherung gehe, die in dem thematisch auf Migration und Wirtschaft eingeengten Wahlkampf kaum eine Rolle gespielt hätten. Die Angriffe von vielen Seiten – zuletzt attackierte Friedrich Merz (CDU) „grüne und linke Spinner“ – haben bei Schmidt Wunden hinterlassen, das ist nicht zu überhören. „Wir sind nicht als Erste gefordert, Brücken zu demokratischen Parteien wieder aufzubauen. Eingerissen haben die andere.“ Was seine persönliche Zukunft im Bundestag angeht, so werde er sich erst nach dem amtlichen Endergebnis, das in drei Wochen kommen soll, ganz sicher fühlen. „Ich hoffe, dass jetzt nichts mehr passiert.“