Dieser Spaltpilz ist giftig

Die Polarisierung unserer Gesellschaft spiegelt sich in Regensburg wie in einem Brennglas wider. Während an den vergangenen Wochenenden vor der Wahl zigtausend Menschen auf Demos gegen „Rechts“ gegangen sind – die Differenzierung in Rechts und Rechtsextrem spielte dabei kaum eine Rolle –, hat in manchen Wahlbezirken wie etwa im Stadtnorden fast jeder Zweite AfD gewählt.
Das Stadt-Land-Gefälle ist ohnehin eklatant: Im Landkreis kommen die Parteien rechts der Mitte, bezieht man die Freien Wähler noch mit ein, auf 60 Prozent der Stimmen. Allein jeder fünfte Landkreis-Bürger hat mit seiner Erststimme die AfD gewählt.
Wie soll es gelingen, in diesen Gemengelagen überhaupt Politik zu machen, die eint, statt zu spalten? Natürlich, politische Schwergewichte wie einst der legendäre Landrat Rupert Schmid (CSU) oder der SPD-Politiker Rudolf Schlichtinger im Regensburger Stadtrat gibt es heute nicht mehr. Die Zeiten sind andere geworden. Die Pluralität der Gesellschaft spiegelt sich in Kreis- und Stadträten wider bis hin zum Berliner Parlament, das diesmal durch die Wahlrechtsreform und die Fünf-Prozent-Hürde allerdings einigermaßen überschaubar geblieben ist. Doch in einer Region wie Regensburg stellt sich zunehmend die Frage, wie man diese unterschiedlichen Lebenswelten wieder miteinander vereinen kann. Sicher geht eines nicht: Wer all dies ignoriert und dafür sorgt, dass die Menschen immer weniger Identität auch in der eigenen Stadt finden, der wird die extremen Ränder weiter stärken.