Immer weniger Anbauer stemmen die Spargelzeit

Von Wolfgang Abeltshauser · 23. Februar 2025 um 11:00

Rund um Abensberg sind große Teile der Spargelfelder unter Folien verschwunden. Weitere Spargelbifänge werden im März folgen. Die Vorarbeiten für die Spargelsaison laufen. Die stemmen aber immer weniger Anbauer auf immer weniger Fläche.

Spargelfreunde müssen sich wohl oder übel darauf einstellen, dass Preise zumindest nicht sinken. Denn das Angebot wird im Vergleich zum Vorjahr wohl nicht höher. Darauf weisen Zahlen hin, die auf Nachfrage vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten aus Abensberg zu erfahren sind.

So ist die Zahl der Anbauer seit 2019 im Landkreis um fünf zurückgegangen – von 37 auf 32. Das klingt gar nicht nach so viel. Allerdings schrumpfte damit die Anbaufläche um 30 Hektar (von 351 auf 322 Hektar). Allein von 2023 auf 2024 sank die Hektarzahl um drei.

Das schlägt auch auf die Erzeugergemeinschaft durch. So gebe es zwar noch 50 Mitglieder, ist vom stellvertretenden Vorsitzenden der Erzeugergemeinschaft Abensberger Qualitätsspargel Andreas Prücklmayer aus Siegenburg zu erfahren. Aktive Pflanzer seien es aber nur noch 13.

Prücklmayer hat bereits im vorigen Herbst damit begonnen, Folien auszuleben. Teilweise kommen sie laut Julia Fröhlich-Kügel, Anbauerin aus Sandharlanden sogar doppelt auf die Bifänge.

Die Hoffnung sei, dass dadurch die ersten Stangen relativ früh gestochen werden können. „Für den Spargel, den wir schon Anfang April ernten wollen, legen wir bereits im Herbst des Vorjahres Folien aus“, berichtet Prücklmayer auf Nachfrage dieser Zeitung.

Er erklärt, was alles gemacht werden muss, bevor die Folien ausgelegt werden. Die mittlerweile ausgewachsenen Spargelpflanzen werden gemulcht. Das bedeutet, die oberirdischen Teile der Pflanzen werden zerkleinert und auf den Feldern verteilt. Spargeldämme wurden wieder aufgebaut. Bei den Feldern, auf denen noch keine Folien liegen, steht das noch an.

Ist der Frost in wenigen Tagen erst einmal aus den Böden, geht die Arbeit auf den Feldern der Familie Handschuh aus Sandharlanden so richtig los. Sieglinde Handschuh berichtet dieser Zeitung, dass über den Winter auf ihren Feldern keine Folien lagen. Man sei ein kleiner Familienbetrieb, da sei das einfach ein zu großer Aufwand, auch für diese Zeit Arbeitskräfte anzuheuern. Ohne die sei es nicht möglich, das hinzubekommen.

Viele Tage im Büro

Auf den Höfen gab es auch über den Winter Arbeit. So ist von Fröhlich-Kügel zu erfahren, dass in den vergangenen Wochen Maschinen, etwa zum Waschen und Sortieren der Spargelstangen, gewartet wurden. Ihr Verkaufsladen sei derzeit noch im Winterschlaf, der werde erst in einigen Tagen hergerichtet.

Handarbeit auf dem Feld und dem Hof ist körperlich anstrengend – aber davor haben die Anbauer in der Region laut Prücklmayer und Handschuh keine Angst. Lästig hingegen ist die Bürokratie, die immer weiter zunehme. Immer öfter sitze man im Büro, um etwa notwendige Dokumentantionspflichten zu erfüllen. „Ich war jüngst erst drei Tage bei einer Schulung wegen Arbeitssicherheit“, berichtet Prücklmayer. Ähnliches Leid beklagt auch Fröhlich-Kügel. Sie sagt: „Man hört ja immer wieder, dass die Bürokratie weniger werden soll, ich habe aber den Eindruck, es wird immer mehr.“

Lesen Sie doch auch diesen Artikel: Erste Bilanz der Abensberg Card

Hier könne man das Rad laut Prücklmayer wohl oder übel nicht mehr zurückdrehen. Damit müsse man sich schlichtweg abfinden. Beim Thema Mindestlohn habe er zumindest noch Hoffnung. Als dieser auf zwölf Euro festgesetzt worden ist, habe das eine Lohnerhöhung von 20 Prozent bedeutet.

Grundsätzlich seien die Lohnkosten mittlerweile laut Prücklmayer der größte Kostenfaktor. Dazu kommen dann noch stetig steigende Energiepreise. Und so sieht er etwas mit Unbehagen auf die Bundespolitik. Forderungen, den Mindestlohn noch einmal, dann auf 15 Euro, zu erhöhen, sieht er problematisch.

Dabei gehe es nicht darum, dass man den Arbeitskräften keinen guten und fairen Lohn bieten will. Handschuh geht schlichtweg davon aus, dass die Kunden nicht bereit sein werden, den Preis für den Spargel dann noch zu zahlen, sofern weiter steigende Kosten eins zu eins auf den Preis umgelegt werden. Allerdings befürchten sie und Prücklmayer, dass dies ohnehin nicht möglich ist. Wichtige Abnehmer seien mehr und mehr Handelsketten.

Auf dem Rücken der Betriebe

Die würden Preise vorgeben und seien nicht bereit, höhere Summen zu bezahlen. Fröhlich-Kügel weißt darauf hin, dass sie befürchtet, dass dann Kunden zu billigerem Spargel aus dem Ausland greifen.

„Letztendlich wird das auf dem Rücken der Betriebe landen“, stellt Fröhlich-Kügel fest. Prücklmayer hofft nach wie vor auf Ausnahmeregeln für die Landwirte, sollte der Mindestlohn weiter steigen.

Die geringere Mitgliederzahl im Verband schwäche auch die Finanzkraft, weil nicht mehr so viel Mitgliedsbeiträge fließen. Deshalb könne man beim Marketing nicht mehr so viel machen, als das noch vor einigen Jahren war. Die einzelnen Pflanzer sind da also mehr und mehr auf Eigeninitiative angewiesen. Fröhlich-Kügel versucht beispielsweise, das ganze Jahr über die verschiedenen Online-Plattformen nicht zuletzt junge Kunden anzusprechen. Aber klassische Zeitungswerbung gebe es nach wie vor.

Der offizielle Start der Saison ist am 12. April

Eine Einschätzung, wie denn das Spargeljahr werden wird, vermag keiner der Gesprächspartner zum jetzigen Zeitpunkt abzugeben. „Die kommenden vier Wochen werden da entscheidend sein“, betont Fröhlich-Kügel. Ob Wärme oder Kälte, Trockenheit oder Nässe – alles sei ja noch drin. Fürs reine Wachstum benötigt die Spargelpflanze mindestens acht Grad Celsius im Damm.

Alle hoffen aber, dass es Anfang April dann doch losgeht. Und so ist laut Prücklmayer die offizielle Saisoneröffnung mit Spargelstich am 12. April vorgesehen. Als Ehrengast komme diesmal Bayerns Finanzminister Albert Füracker nach Abensberg. Auf einem Feld der Familie Waltl soll er offiziell die erste Stange stechen.

Die reine Erntearbeit hat sich seit hundert Jahren nicht geändert. Das Foto wurde 1930 auf einem Feld von Michael Salleck (l.) aufgenommen, der als Erster in Abensberg Spargel gewerbsmäßig anbaute.
Teilweise mehrere Schichten Folien befinden heutzutage oft auf den Spargeldämmen, damit so früh wie möglich Spargel gestochen werden kann.