Wohngeld-Bedarf im Landkreis Neumarkt explodiert: Das sind die Gründe

Von Petra Schlierf · 28. Februar 2025 um 13:00

Immer mehr Menschen im Landkreis Neumarkt können ihre Wohnungen nicht mehr aus eigener Kraft finanzieren. Das geht aus Daten des Statistischen Landesamts hervor. Demnach hat sich die Zahl der Empfänger von Wohngeld zum Jahreswechsel innerhalb eines Jahres fast verdoppelt, die ausgezahlte Summe fast verdreifacht. Das hat nicht nur negative Gründe.

Laut den Daten der bayerischen Statistikbehörde bezogen noch zum Jahresende 2022 485 Haushalte Wohngeld, Ende 2023 waren es bereits 830. Wurde 2022 nur gut eine Million Euro ausgezahlt, waren es im Jahr darauf bereits fast 2,8 Millionen Euro. Und dabei blieb es nicht, blickt Michael Gottschalk, Sprecher des Landratsamts Neumarkt, voraus. Zum Jahresende 2024 gab es im Landkreis sogar bereits 1107 Wohngeld-Empfänger.

Heizkosten fließen inzwischen in Berechnung mit einbezogen

Wohngeld erhalten Menschen, die Arbeiten oder eine Rente beziehen, die sich ihre Miete aber dennoch nicht leisten können, um einen angemessenen Wohnraum zu finanzieren. Laut Verbraucherzentrale ist das Wohngeld als erste Hilfsmaßnahme gedacht. Es soll die Bezieher davor schützen, andere Sozialleistungen in Anspruch nehmen zu müssen und etwa Bürgergeld in Anspruch nehmen müssen. 65 Haushalte bekamen 2023 einen so genannten Lastenzuschuss. Das heißt, sie bewohnen eine Eigentumsimmobilie.

Gesetzesänderung billigt mehr Menschen Anspruch zu

Warum es im Landkreis Neumarkt plötzlich so viel mehr Menschen gibt, die Wohngeld beziehen, hat verschiedene Gründe. Zum einen haben seit der großen Wohngeld-Reform mehr Haushalte Anspruch. Die Änderung trat zu Jahresbeginn 2023 in Kraft und sorgte nicht nur dafür, dass die Höhe des Wohngeld erheblich angestiegen ist, sondern seitdem auch die Heizkosten in die Berechnung mit einbezogen werden. Zuvor war Berechnungsgrundlage lediglich die Kaltmiete gewesen.

Das hatte zur Folge, dass sich Sozialleistungen verschoben, erklärt Landkreis-Sprecher Gottschalk: „Durch die extreme Erhöhung des Wohngelds haben natürlich auch mehr Bürger Anspruch darauf, zusätzlich sind einige Bürgergeldempfänger vom Jobcenter zum Landratsamt ,gewandert’, da Wohngeld eine vorrangige Leistung ist und die Bürger teilweise durch die Wohngelderhöhung mehr Wohngeld als Bürgergeld erhalten.“

Mietpreise im Landkreis Neumarkt steigen weiter

Die Erhöhung war also grundsätzlich keine Überraschung. Bundesweit sei vor der Einführung der Wohngeldreform mit einer Verdreifachung der Empfänger gerechnet worden. Und berücksichtige man die noch unbearbeiteten Anträge, sei man im Landkreis Neumarkt auch in etwa bei diesem Wert, schätzt Gottschalk.

Immerhin: Die zusätzlich nötigen Millionen, die in das Wohngeld fließen, belasten die Finanzen des Landkreises nicht direkt. Die Finanzierung übernehmen Land und Bund. Der Landkreis muss sich lediglich um die Logistik und die Anträge kümmern. Weil es dafür wegen der Flut der Anträge mehr Personal braucht, wirkt sich die höhere Nachfrage indirekt doch finanziell auf den Landkreis aus.

Eine Entspannung der Situation ist erst einmal nicht in Sicht. Bleiben die gesetzlichen Vorgaben wie sie sind, könnte diese nur „durch eine erhebliche Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung und des Wohnungsmarktes eintreten“, vermutet Gottschalk.

Zwar werden in der Stadt und im Landkreis Wohnungen gebaut, aber nicht genug, um der gleichzeitig steigenden Nachfrage begegnen zu können. Die Mietpreise in Neumarkt haben sich im Schnitt in den vergangenen zwölf Jahren fast verdoppelt und liegen aktuell bei etwa 11,70 Euro je Quadratmeter.