Kampf um Dunnland: Regensburger Archäologe schreibt Science-Fiction Roman

Von Peter Pavlas · 16. Februar 2025 um 13:10

Der Regensburger Archäologe Thomas Fischer legt einen Science-Fiction Roman vor, der vom „Herr der Ringe“ inspiriert ist, aber um die Donau und ihre Städte kreist.

Archäologieprofessor Thomas Fischer, Regensburger und emeritierter Lehrstuhlinhaber der Universität zu Köln, hat einen Science-Fiction-Roman geschrieben, der an „Der Herr der Ringe“ denken lässt und in dem nach einem Nahezu-Weltuntergang die Donau und ihre Städte von Bedeutung sind. Es ist der erste Ausflug des Gelehrten in die Belletristik.

Mission durch Zeit und Raum

Im Roman macht Gardeoffizier Tassilo in Dunnland (der Dungau, vulgo Gäuboden lässt grüßen) nach der großen Katastrophe gerade sein Feld nahe Eisenstadt (Kelheim) urbar. Menschenknochen findet er dort zuhauf – und eine Armbanduhr. Das nächste Kapitel berichtet von Alfons, der im heutigen München ein beschauliches Gelehrtenleben führt, bis ihn in einer Imbissbude ein Fremder anspricht und ihn auf eine Mission durch Zeit und Raum schickt.

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Schon zu Beginn erstaunen den Leser die ungestümen Sprünge in der Handlung und die Bezüge zu Historie und real existierenden Orten. So taucht auf geheimnisvolle Weise die Familie des geschichtlich verbürgten Geschlechts der Agilolfinger auf. Der bayerische Herzog Tassilo III. war deren letzter und mächtigster. Er gründete unter anderem die Klöster Niedermünster in Regensburg und Frauenchiemsee. Karl der Große zog den Rivalen aus dem Verkehr.

Widersacher aus Wien

Analog dazu ist im Roman der Schwarze Karl in Wien sein Widersacher. Wird es gelingen, die böse Macht zu besiegen, die die zaghaft entstehende neue Zivilisation zwischen Regensburg, Passau und Enns bedroht? Schafft der Abt von Weltenburg schließlich das Unerwartete?

Herr Fischer, was bewog Sie dazu, den Roman zu verfassen?

Thomas Fischer: Nach einem Fest auf einer archäologischen Grabung am Rhein-Main-Donau-Kanal vor 40 Jahren hatten mein Freund und Kollege Bernd Engelhardt und ich die Idee, ein Buch zu schreiben, inspiriert von „Der Herr der Ringe“. Ich machte mich dann daran, eines zu verfassen, aber ohne Drachen, Zauberer und Zwerge, und zwar im Altmühl- und Donautal. Ich dachte, jetzt ist unsere Gegend dran!

Gibt es in den 800 Seiten eine Haupthandlung, die sich kurz zusammenfassen lässt?

Fischer: Ganz kurz? Na gut: Geheimnisvolles Böses bedroht Welt der Guten. Diese schicken Helden, die die Sache bereinigen. Aber ist ihnen dies wirklich ganz gelungen?

Können sich Leser mit einer Ihrer Figuren identifizieren?

Fischer: Das geht immer. Nur müsste der heutige Leser vielleicht seine Kenntnisse im Schwertkampf etwas optimieren.

Hatten Sie beim Schreiben bereits das Ende der Handlung im Sinn, oder entwickelte sich der Plot allmählich?

Fischer: Ich wusste lange nicht, wie es ausgehen sollte. So ein Roman entwickelt irgendwann eine Eigendynamik und schreibt sich quasi von selbst. Man muss natürlich viel einschlägige Literatur, ab Homer, gelesen haben.

Hat sich schon eine Produktionsfirma aus Hollywood bei Ihnen gemeldet? Welcher Regisseur sollte das Buch verfilmen?

Fischer: Unverständlicherweise noch nicht. Ich denke da vor allem an George Lucas.

Planen Sie eine Fortsetzung?

Fischer: Ich spiele mit dem Gedanken, der Schluss ist ja so angelegt. Weitere 40 Jahre darf das Schreiben allerdings nicht mehr dauern.

Welche Zeitreise würden Sie gern selbst unternehmen?

Fischer: Die meisten Zeitreisegeschichten spielen ja unter der Prämisse, dass man in der Vergangenheit und der Zukunft nichts verändern darf. In meinem Buch ist das Gegenteil der Fall. Etwas anderes fände ich fad. Lieber würde ich kräftig in der Geschichte herumpfuschen. Aber Gottseidank ist mir das ja nicht möglich

Könnten wir derzeit Lebenden einen drohenden Weltuntergang abwenden?

Fischer: Der Laden fliegt angeblich in ein paar Millionen Jahren sowieso in die Luft. Da können wir in der Zwischenzeit noch in aller Ruhe ein paar Biere und Stimulanzien trinken oder rauchen. Und ein gutes Buch lesen, zum Beispiel meines.

Infostück: Archäologie als Berufung und Leidenschaft

Der Autor: Thomas Fischer, Jahrgang 1949, studierte Geschichte und Archäologie der römischen Provinzen in Regensburg, München und Tübingen. Er war bei Grabungen in Deutschland, am Balkan und im Nahen Osten tätig, arbeitete beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (Außenstelle Regensburg) und an der Prähistorischen Staatssammlung München. 1992 erhielt er einen Ruf der Universität Köln und wurde Professor im neu installierten Fach „Archäologie der römischen Provinzen“.

Das Buch: „Dunnland – Das Vermächtnis des Europäischen Reiches. Eine Archäologie der Zukunft “ von Thomas Fischer ist im Verlag Dr. Faustus erschienen. Der Roman hat 796 Seiten und kostet 21,90 Euro. ISBN 978-3-946387-57-2