Voller Süße und Glut: Asya Fateyeva und Quartett begeistern im Aurelium

Die ursprüngliche Intention und die spätere Karriere des Saxophons brachte der Abend im Aurelium nahe, im Mittelpunkt: die vielfach preisgekrönte Saxophonistin Asya Fateyeva. Der Applaus wollte kaum enden.
In der tiefen Lage gut klingende Holzblasinstrumente wollte der belgische Instrumentenbauer Adolphe Sax um 1840 zur Ergänzung des Sinfonieorchesters schaffen. Dass die Familie der nach ihm benannten Saxophone ihren eigentlichen Siegeszug erst im Jazz antreten würde, konnte ihr Erfinder nicht ahnen.
Ursprüngliche Intention und spätere Karriere des Instruments: beides war beim Musikverein im Aurelium vertreten, in dessen Mittelpunkt die vielfach preisgekrönte Saxophonistin Asya Fateyeva stand. An ihrer Seite in unterschiedlichen Kombinationen Partner, die das Publikum gleichermaßen begeisterten und abschließend zu schier nicht enden wollendem Applaus inspirierten: Florian Donderer und Carole Petitdemange (Violinen), Yuko Hara (Viola), Tanja Tetzlaff (Cello) sowie Stepan Simonian (Klavier).
Traditionell kammermusikalisch begann der Abend mit Adolf Buschs Quintett für Saxophon und Streichinstrumente, das sich deutlich hörbar in den Bahnen von Johannes Brahms und Max Reger bewegt. Das Blasinstrument findet sich hier noch eng in den Dialog der anderen Instrumente eingebunden und darf in Buschs mal schwelgerischer, mal kapriziöser Musik nur selten einmal melodieführend heraustreten.
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Ganz anders geht es in den beiden kleinen Suiten zu, die nach Ernst Kreneks Erfolgsoper „Jonny spielt auf“ und nach Kurt Weills „Dreigroschenoper“ raffiniert arrangiert wurden. Hier lebt der Geist der 1920er Jahre auf, ein U-Musik-Tonfall der von amerikanischen Vorbildern geprägt ist: mit Tango und Shimmy bei Krenek und der unvergesslichen Mackie-Messer-Moritat bei Weill. Die Streichquartett-Begleitung wird zeitweilig fast zur Schlagzeuggruppe, die Rhythmen gehen ins Blut, animieren zum Mitwippen der Füße, und unüberhörbar hält nun das Jazzidiom seinen Einzug in Asya Fateyevas Saxophon-Spiel. Den Höhepunkt der „hot intonation“ bietet ihr schließlich Erwin Schulhoffs passgenau so bezeichnete „Hot-Sonate“ mit ihrem bluesigen, hochemotional klagenden dritten Satz.
Kurios mutet Paul Hindemiths Trio op. 47 an. Da scheint Stepan Simonian am Klavier erst einmal ganz auf Egotrip, bevor sich Asya Fateyevas Saxophon und, reichlich verspätet, Yuko Haras Bratsche hinzugesellen dürfen. Aufgekratzt spielerisch geht es dann im zweiten Satz des Werks zu, bevor Hindemith sich an seine einstige Bürgerschreck-Attitüde erinnert und seine Musik mit allerhand Klaviergetöse quasi an die Wand fährt.
Absoluten Kontrast dazu bietet der folgende langsame Satz für Streichquartett von Anton Webern, ein noch ganz im spätromantischen Geist komponiertes Gesellenstück. Die hier nicht beteiligte Saxophonistin möge nicht böse sein, wenn dessen Aufführung, gemessen am Applaus, zum eigentlichen Höhepunkt des Abends wurde. Als schönheitsgesättigte Liebesmusik in zärtlichen, oft nur noch flüsternden Tönen präsentierte sich Weberns Komposition, voll Süße, Schmelz und verhaltener Glut, die nur einmal in jähem Unisono hochloderte.