Siegenburger Altbürgermeister wurde 80: Franz Kiermaier zieht es täglich in die Natur

Von Wolfgang Abeltshauser · 13. Februar 2025 um 11:00

Viele Jahrzehnte prägte er das Geschehen in Siegenburg an vorderster Stelle mit. 26 Jahre war Franz Kiermaier (bis 2014) Bürgermeister in der Marktgemeinde, jetzt feierte er 80. Geburtstag. Aus der Politik hält er sich mittlerweile heraus – die Freude an der Natur bestimmt jetzt sein Leben.

Der rüstige Altbürgermeister öffnet die Terrassentüre in seinem Anwesen in Kipfelsberg. In der Hand hat er einen Behälter voll mit Sonnenblumenkernen. Er schüttet sie ins Vogelhaus. Das sei für die Spatzen. Er verteile auch Weizen für andere Arten. „So haben wir mittlerweile sehr viele Vögel in unserem Garten“, freut er sich.

Aus seiner Freude an der Natur macht er kein Hehl. Wenn es wieder Richtung Frühling und Sommer geht, warten seine Bienen auf ihn – und auf der Streuobstwiese wird es ebenso Arbeit geben. Diese Tätigkeiten, nach wie vor auch Arbeit im Wald, der von seiner Landwirtschaft übriggeblieben ist, bezeichnet er als sein Hobby. „Ich bin da täglich beschäftigt.“

Schwarz mit grüner Seele

Es sei eben so: Wer einen grünen Beruf hat, den lasse das nicht mehr los. Er zitiert einen Satz, den er von Siegenburgern während seiner Zeit als Bürgermeister immer wieder gehört habe: „Außen ist er pechschwarz, innen aber grün.“

Schon als junger Mensch habe er auf dem elterlichen Hof, auf dem der Vater Milchvieh- und Schweinmast sowie Maisanbau betrieb, mitgeholfen. Die logische Folge war eine landwirtschaftliche Ausbildung. Als der Vater und er sich uneins wurden über die Ausrichtung des Hofes, habe er aber einen anderen Weg eingeschlagen.

Die Liebe zur Natur blieb – zeigte sich nach seinen Worten auch darin, dass er als Gemeindechef durch Städtebauförderung versucht habe, Grün in den Ort zu bringen. In der Ingolstädter Straße sehe man das genau so wie in der Bürgermeister-Mayr-Straße. Und auch auf der alten Bundesstraße 299 Richtung Wildenberg habe er angeregt, wieder Bäume zu pflanzen, nachdem diese früher abgeholzt wurden.

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Nach einigen Jahren als Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister stellte er sich für die CSU als Gemeindeoberhaupt zur Wahl – und gewann diese. Das Interesse an der Politik habe sich im Laufe der Jahre in ihm entwickelt. „Mein Großvater, der in Tollbach Bürgermeister war, wurde da mein Vorbild.“1

Aufgegeben hatte er dafür den Lehrerberuf, den er eingeschlagen hatte, nachdem er entschieden hatte, auf dem Hof nicht mehr weiterzumachen. Über eine Abendrealschule und das Bayern-Kolleg in Augsburg hatte er die Hochschulreife nachgeholt.

In den folgenden Studienjahren lernte er seine Ehefrau kennen, die er 1979 heiratete. Die studierte ebenso auf Lehramt. Man habe sich aber nicht im Seminar, sondern in der Volkstanzgruppe kennengelernt.

Nach seinem Studium unterrichtete er 20 Jahre lang an mehreren Schulen in der Region – in den Jahren vor seiner Wahl war er an der Grundschule in Neustadt a. d. Donau eingesetzt.

Eine der schwierigsten Entscheidungen bahnte sich gleich in den ersten Jahren seiner Amtszeit an, als sich herausgestellt hatte, dass der gerade mal zehn Jahre alte Schulbau mit PCB verseucht war. Schnell sei eigentlich klar gewesen, dass dort nicht mehr unterrichtet werden konnte.

Schnell hatte man Ausweichquartiere aufgetan – im Wittmannsaal, dem Kolpinghaus und im Pfarrsaal. Doch dann hätten vor allem die Eltern der Viertklässler befürchtet, unter diesen Umständen wäre der Übertritt in weiterführende Schulen nicht sinnvoll vorzubereiten.

Schule immer wieder im Blick

Schließlich habe sich auch der Elternbeirat der Forderung angeschlossen, dass die Kinder in den bestehenden Räumen bleiben sollten. So sei es dann auch gekommen. Man habe den Unterricht bei ständigem Lüften und gleichzeitiger Sanierung im Bestandsgebäude organisiert. Letztendlich sei das alles gelungen.

Die Schule sei in seiner gesamten Amtszeit immer wieder im Blick gewesen. Das Dach hatte repariert werden müssen, nachdem es undicht geworden war und Wasser eindrang. Zweimal galt es schon während seiner Amtszeit, das Gebäude zu erweitern.

Die erfolgreiche Suche nach gesundem Trinkwasser nennt er im Rückblick als weiteres wichtiges Projekt während seiner Zeit als Bürgermeister. Grundsätzlich habe es das Problem gegeben, dass wegen der nahen Hopfengärten rund um Siegenburg oft Nitrat im Grundwasser war. Letztendlich sei man im Dürnbucher Forst fündig geworden. Dort seien drei Brunnen in Betrieb.

Zur aktuellen Politik in Siegenburg indes will sich Kiermaier nicht äußern. Er habe da eine klare Prämisse: „Es ist nicht gut, wenn sich ein früherer Amtsinhaber über seinen Nachfolger äußert.“

Dabei hält er nicht hinter dem Berg, dass er politisch mit dem jetzigen Bürgermeister Johann Bergermeier nicht immer einer Meinung war. Man habe sich aber längst ausgesprochen.