Unternehmenschef Elon Musk spaltet die Tesla-Gemeinde auch in Regensburg

Das Auftreten des prominenten Amerikaners Elon Musk belastet den Verkauf von Tesla – aber viele Regensburger schwören auf die Technik der E-Autos.
Markus Heitzer hat seinen Tesla zum Service gebracht. Die Wartezeit nutzt der 40-Jährige zum Arbeiten. Er sitzt im Tesla Zentrum Regensburg und tippt auf seinem Notebook. Leise Loungemusik plätschert aus den Lautsprechern des Autohauses in Obertraubling. In der Ausstellungshalle sind ein Tesla-Fahrgestell und einige der Modelle, vor allem in Weiß, zu sehen.
Markus Heitzer nimmt sich die Zeit für ein Gespräch. Seit zwei Jahren fährt der IT-Spezialist ein Model Y als Dienstwagen. Rund 60.000 Kilometer hat er zurückgelegt. „Ich hatte noch kein einziges Problem“, sagt Heitzer (Name geändert). „Das ist ein sehr hochwertiges Auto.“ Er lobt das Ladenetz von Tesla als ideal. Auch im Familienurlaub an der Adria sei immer ein Supercharger erreichbar gewesen.
Marke kann nichts für CEO
Privat fährt die Familie andere E-Autos. Markus Heitzer würde sich jedoch durchaus einen Tesla zulegen, auch wenn er manche Aussagen von Unternehmenschef Elon Musk fragwürdig findet. „Da verfolgt er eigene Interessen. Doch die Marke Tesla kann nichts für ihren Vorstandsvorsitzenden.“
Der E-Auto-Hersteller hat deutschlandweit im Januar 2025 einen starken Absatzeinbruch erlebt: Mit 1277 Fahrzeugen hat er knapp 60 Prozent weniger verkauft als im Vorjahresmonat. Liegt das an der fehlenden Förderung für Batterie-Autos? Oder an rechtspopulistischen Aussagen und umstrittenen politischen Vorstößen von Musk als Regierungsberater für Ausgabenkürzungen von US-Präsident Donald Trump? Die Verkaufsleitung im Tesla Zentrum will sich dazu nicht äußern. Sie verweist auf eine EU-weite Mailadresse für Anfragen. Eine Antwort sei jedoch erst in einigen Wochen zu erwarten.
„Man wird zum Buhmann“
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat tiefen Einblick. Der Direktor des Center Automotive Research (CAR) in Bochum und Professor für Automobilwirtschaft verweist zwar darauf, dass im Dezember zum Jahresabschluss mehr Fahrzeuge ausgeliefert worden seien. „Wegen der Börse.“ Dudenhöffer sagt aber: „Die Teslas sind gealtert.“ Das einige Jahre alte Model 3 sei nicht mehr so innovativ. „Außerdem zerstört Elon Musk die eigene Marke.“ Damit raube er auch seinen Mitarbeitern in Berlin-Grünheide die Jobs. „Viele Menschen wollen sich nicht mehr mit Tesla sehen lassen“, beobachtet Dudenhöffer. „Wenn man immer nur negativ und aggressiv spricht, zum Beispiel den deutschen Bundeskanzler beschimpft, wird man zum Buhmann.“ Das schrecke Käufer ab. Die Automarke und Musk seien untrennbar verbunden. Mit der fehlenden Förderung hänge der Umsatzeinbruch nicht zusammen, urteilt der Experte.
„Zum Auto würde ich ja sagen.“
Die bundesweite Zahl der Neuzulassungen von E-Autos ist im Januar um 53,5 Prozent auf rund 34 500 gestiegen.
In Regensburg gehen die Meinung weit auseinander. Sachbearbeiterin Petra Filbeck aus dem Landkreis, die begeistert ist von ihrem E-Volkswagen, findet die US-Marke sehr energieeffizient. „Zum Auto würde ich ja sagen.“ Über die politischen Vorstöße von Musk schüttelt die 56-Jährige nur den Kopf. Deshalb wird sie sich nicht für einen Tesla entscheiden. Ein 35-jähriger Kunde des Tesla Zentrums kehrt von einer Probefahrt zurück. Seit sechs Jahren fährt der Selbstständige die US-Marke. Am Dienstag lässt er seinen Wagen, ein Model 3 Performance, dort inspizieren. „Die Technik und das moderne, schlichte Design begeistern mich“, sagt er. „Das Auto ist noch nicht einmal stehengeblieben.“ Zu Elon Musk äußert er sich nicht.
Ein tschechischer Geschäftsmann hat seinen Wagen ebenfalls zum Kundendienst vorbeigebracht. Zuhause müsste er ein Vierteljahr auf einen Termin warten. „Ich mag meinen Tesla. Er ist einfach, schnell und billig“, meint der 37-Jährige. Was Musk macht, interessiert ihn nicht. Der Tscheche leitet eine Firma für Immobilien- und Autofotografie. Er habe keine Zeit für Nachrichten, stellt er noch fest und verabschiedet sich ins Autohaus.
Der Elektromeister und frühere Manager Wolfgang Wegmann (59) steuert seit 2012 Batterie-Autos, zurzeit einen Hyundai Ioniq. Technisch schätzt er die Teslas sehr. Musks Auftritte würden ihn von einem Kauf nicht abschrecken. Auch für Markus Heitzer zählen am Ende die Technik und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Tesla habe einen deutlichen Vorsprung, etwa bei Software und Ladenetz.