Kommentar zur umstrittenen Bestattungsentscheidung in Burglengenfeld – Was wäre der nächste Schritt?

Pfarrer Michael Hirmer möchte also wachrütteln: Wer sich mit dem Gedanken, aus der Kirche auszutreten, befasst, möge die Folgen zur Kenntnis nehmen. Er verliere damit auch Rechte. MZ-Reporter Thomas Rieke versteht das, hält das Verhalten des Seelsorgers trotzdem für fragwürdig. Hier sein Kommentar.
Im Prinzip kann man die Argumentation von Stadtpfarrer Michael Hirmer nachvollziehen: Wer sich von der Kirche, aus welchen Gründen auch immer, abwendet, sollte nicht darauf spekulieren, trotzdem weiter die Vorteile zu genießen, die ein Verbleib in der Religionsgemeinschaft garantierte.
Und dennoch: Den Autor irritiert die von der Logik eines Geschäftsmanns geprägte Denkweise des Seelsorgers. Im Kern lautet sie: „Bist du mir nicht treu, bleiben dir meine Türen künftig verschlossen.“ Was aber bedeutete dies, wenn dieser Grundsatz auch für andere Bereiche des täglichen Lebens angewandt würde? Eine Familie, die ihre Kinder nicht taufen lässt, kann sich einen Betreuungsplatz in einer katholischen Kita abschminken. Ein Muslim, der sich einer OP unterziehen muss, wird an der Pforte einer Klinik unter kirchlicher Trägerschaft abgewiesen.
Auch das hätte seine Logik und wäre dennoch falsch. Gerade die Kirche sollte sich nämlich anders verhalten und nicht diskriminieren. Heißt es nicht, dass alle Menschen vor Gott gleich sind? Außerdem: Nicht jeder, der aus der Kirche austritt, ist ein Ungläubiger. Manch einer kann es nur nicht mehr ertragen, was die Amtskirche sich in der Vergangenheit geleistet hat – und wie sie bis heute mit Fehlern der Vergangenheit umgeht.
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