Die kommunale Wärmeplanung von Bad Kötzting geht in die „heiße Phase“

Von Stefan Weber · 11. Februar 2025 um 15:00

Wie kann der Wärmebedarf in Bad Kötzting in Zukunft aus erneuerbaren Energien gedeckt werden? Das soll die Kommunale Wärmeplanung aufzeigen. Die Stadt hat damit die Bayernwerk Netz und das Institut für nachhaltige Energieversorgung in Rosenheim beauftragt. „Wir wollen für die Zukunft gut aufgestellt sein“, sagte Bürgermeister Markus Hofmann nun bei der Auftaktveranstaltung im Rathaus.

„Es ist ein Thema, das die Bürger bewegt“, macht Bürgermeister Hofmann deutlich, wie aus einer Mitteilung nach der Veranstaltung hervorgeht. Dabei verwies er auch darauf, dass die Stadt schon zwei Jahrzehnte an Erfahrung mit Fernwärme mitbringe. Drei Hackschnitzel-Heizwerke der Bayerwaldwärme versorgten schon jetzt 25 Gebäude und öffentliche Einrichtungen mit Wärme, darunter die AQACUR-Badewelt, die Kindergärten, Schulen und Wohngebäude. „Wir sind hier schon gut aufgestellt, aber noch nicht am Ende des Weges“, so der Bürgermeister.

Lösung nur für Stadtteile

Wie der Weg in eine klimaneutrale Wärmezukunft aussehen kann, das soll die Kommunale Wärmeplanung (KWP) beschreiben. Städte wie Bad Kötzting mit weniger als 100 000 Einwohnern müssen sie laut der gesetzlichen Vorgaben bis zum 30. Juni 2028 vorlegen. Christina Albrecht, Projektleiterin der Bayernwerk Netz, betonte beim Gespräch im Rathaus, die KWP liefere einen „Fahrplan für konkrete Maßnahmen“ und setze Prioritäten für die Zukunft. Es müsse nicht in jedem Teil des Stadtgebiets zwangsläufig auf ein Wärmenetz hinauslaufen. Dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen würden auch eine Rolle spielen.

Aufgabe des Instituts für nachhaltige Energieversorgung (INEV) sei es, mit Unterstützung der Verwaltung Daten etwa zu Gebäudetypen, Baualtersklassen, Verbrauchern, Erzeugern und Energiequellen zu erheben und auszuwerten. „Wir wollen alle relevanten Akteure in Bad Kötzting zusammenbringen“, sagte INEV-Teamleiter Nils Schild. Kommunalbetreuer Johann Seebauer von der Bayernwerk Netz sagte, eine kontinuierliche Beteiligung der Öffentlichkeit sei von zentraler Bedeutung. Daher gehöre auch die Organisation einer Bürgerinformations-Veranstaltung zu den Aufgaben, die auf der Agenda der KWP stehe.

Unabhängig von der Wärmeplanung gelte mit dem Gebäudeenergiegesetzes (GEG) für Städte in der Größenordnung von Bad Kötzting, dass neue Gas- oder Ölheizungen für den Gebäudebestand ab dem 1. Juli 2028 nur zulässig seien, wenn sie zu 65 Prozent mit Erneuerbaren Energien betrieben würden. Bei Neubauten gelte die 65-Prozent-Regelung sofort. „Auch darüber werden wir im Rahmen der Bürgerbeteiligung noch gesondert informieren“, kündigte Bürgermeister Markus Hofmann an.

Im Gespräch mit unserer Mediengruppe erklärt der Bürgermeister, dass ein fertiges Konzept bis Ende des Jahres vorliegen solle. Rund 43 000 Euro habe der Stadtrat für die Erstellung bereits bewilligt.

Macht die Planung Sinn?

Er betont, dass das Ergebnis im Moment natürlich völlig offen sei. So bestünde ein Fernwärme-Netz im Innenstadtbereich bereits, Biomasse-Anlagen würden derzeit fast ausschließlich von den Betreibern zur Eigenversorgung genutzt. Im nun zu erstellenden Konzept würden wahrscheinlich drei Gebiete in der Stadt definiert, in der eine zentrale Wärmelieferung möglich sein könnte. Dazu könnten auch Gewerbe- und Industriegebiete zählen. Theoretisch seien auch Lösungen vorstellbar, die eine zentrale nachhaltige Wärmelösung etwa für Rathaus und das gegenüberliegende Hotel zur Post vorsehen könnten.

„Wenn die drei Gebiete definiert, alle Beteiligten an einen Tisch gebracht und die Bürger informiert worden sind, wird die Machbarkeit untersucht“, sagt der Bürgermeister. Dabei könne immer noch herauskommen, dass die Lösungen in der ländlich geprägten Stadt nicht wirtschaftlich und deshalb auch nicht sinnvoll sein könnten. Auch damit könne er gut leben: „Denn Sinn macht es auf jeden Fall, sich Gedanken darüber zu machen“, zeigt sich Markus Hofmann überzeugt. Selbst wenn das GEG nach der Bundestagswahl wieder gekippt werden sollte.

Der „Energie-Hunger“ der Stadt

Strombezug: Private Haushalte: 8113 Megawattstunden pro Jahr (19 Prozent); Kommunale Liegenschaften: 3331 MWh/Jahr (acht Prozent); Wirtschaft: 30 653 MWh/a (73 Prozent)

Energieträger: Erneuerbar: 13 706 MWh/Jahr (33 Prozent); Photovoltaik Aufdach: 7745 MWh/a (18 Prozent); Wasserkraft: 1867 MWh/a (vier Prozent); Biomasse: 3380 MWh/a (acht Prozent); Windkraft: 0 MWh/a (0 Prozent); Stromeinspeisung durch Kraftwerke fossil: 713 MWh/a (zwei Prozent; Übriger Strommix: 28 392 Megawattstunden (67 Prozent)

Wärmeverbrauch: Haushalte: 65 142 MWh pro Jahr (45 Prozent); Kommunale Liegenschaften: 4500 MWh/a (drei Prozent); Wirtschaft: 76 483 MWh/a (52 Prozent); Gesamt: 146 125 MWh/a

Verbrauch erneuerbare Energie: Biomasse aus Holz: 26 067 MWh/a (18 Prozent); Biogasanlagen: 0 MWh/a; Solarthermie: 1226 MWh/a (ein Prozent); Gesamt: 27 293 MWh/a (19 Prozent)

Verbrauch fossile Energie: 20 900 MWh/a (14 Prozent); Heizöl: 95 757 MWh/a (66 Prozent); Sonstige: 1461 MWh/a (ein Prozent); Gesamt: 118 119 MWh/a (Quelle: Angaben der Stadt für das Jahr 2019)

Auftakt zur Kommunalen Wärmeplanung im Rathaus: (vorne v. li.): Markus Hofmann mit Christina Albrecht und Johann Seebauer, dahinter (v.li.) Nils Schild, Maya Joachimstaller und Geschäftsleitender Beamter Karl-Heinz Lummer Foto: Christiane Allinger