785 Millionen Euro Verlust: Osram baut 133 Arbeitsplätze in Regensburg ab

Von Christian Eckl · 11. Februar 2025 um 14:17

785 Millionen Euro Verlust im abgelaufenen Jahr 2024 – dennoch sind die Verantwortlichen zufrieden mit dem Ergebnis. Der Turnaround sei geschafft, sagte ams-Osram-Vorstandschef Aldo Kamper. Der Verlust eines Auftrags im Bereich Micro-LED, wohl vom Kunden Apple, hatte zu dem Rekordverlust geführt. Jetzt wurden die Mitarbeiter in München und Regensburg informiert, wie der Stellenabbau vonstatten gehen wird.

Der Licht- und Sensorik-Konzern ams Osram hat im vierten Quartal 2024 seine eigenen Erwartungen übertroffen. Das Unternehmen meldete einen Umsatz von 882 Millionen Euro und eine bereinigte Ergebnis-Marge (Ebita) von 17 Prozent – beide Werte lagen über der Mitte der prognostizierten Spanne. Doch das Ergebnis dürfte das Schlechteste in der Firmengeschichte sein: 785 Millionen Euro Verlust machte das Unternehmen. Hintergrund war der Absprung eines Premium-Kunden, wohl von Apple, bei einem Micro-LED-Auftrag. Und doch zeigten sich Vorstandschef Aldo Kamper und Finanzvorstand Rainer Irle positiv gestimmt. Am Vortag informierte man die Belegschaft, wie man den Abbau von insgesamt 500 Stellen, die meisten davon in München und Regensburg, umsetzen wird.

„Unser Turnaround ist in vollem Gange“, sagte Kamper jedenfalls bei der Vorstellung der Geschäftszahlen am Dienstag. Die Konzentration auf das Halbleiter-Kerngeschäft und konsequente Kostensenkungen hätten sich bewährt.

225 Millionen Euro sparen

Ein wesentlicher Faktor für die Verbesserung der Profitabilität waren die Einsparungen im Rahmen des Programms „Re-establish the Base“. Hier konnte das Unternehmen 2024 insgesamt 110 Millionen Euro an laufenden Kosten einsparen – deutlich mehr als die ursprünglich gesetzten 75 Millionen Euro. Bis Ende 2026 soll das Einsparziel auf 225 Millionen Euro steigen.

Betroffen war davon auch der Standort Regensburg. Mit dem Betriebsrat wurde ein Stellenabbau vereinbart. „Wir haben die Zahl der weggefallenen Stellen von 142 auf 133 runterverhandelt“, sagte Olga Redda von der IG Metall auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Dieser Stellenabbau werde sich auch bis ins Jahr 2026 ziehen. „Zufrieden ist man mit einem Stellenabbau nie“, sagte Redda. Und doch habe man herausgeholt, was ging.

Der Gesamtumsatz für 2024 betrug 3,43 Milliarden Euro und lag damit rund fünf Prozent unter dem Vorjahr. Während das Geschäft mit Lampen und Systemen rückläufig war, verzeichnete das Halbleiter-Kerngeschäft ein Wachstum von sieben Prozent. Besonders gefragt waren Sensoren für mobile Endgeräte sowie Halbleiterlösungen für die Automobilbranche. Auch das Neugeschäft entwickelte sich erfreulich: Osram konnte im Laufe des Jahres Design-Wins mit einem Gesamtpotenzial von bis zu fünf Milliarden Euro über den gesamten Produktlebenszyklus verbuchen. Design-Wins sind Zusagen von Kunden, bestimmte Produkte abzukaufen. Finanzvorstand Irle sagte, wenn man den Verlust des LED-Auftrags herausrechnen würde, dann beliefe sich das Ergebnis von ams Osram im vergangenen Jahr auf Minus 100 Millionen Euro. „Das sind natürlich 100 Millionen Euro zu viel“, sagte Irle. Aber er erwarte, dass bereits 2026 wieder Geld verdient wird bei Osram.

Durch den Verlust des Auftrags im Micro-LED-Bereich stellte sich auch eine Investition in eine Fabrikhalle in Malaysia als Fehler heraus: Das Gebäude steht bis heute leer. Laut Irle stünde der Verkauf des Werks aber ganz oben auf der Tagesordnung. „Wir haben auch diese Woche wieder ein großes Halbleiter-Unternehmen da, das sich das anschauen und sie finden das auch gut“, sagte Irler. Kamper schob nach, dass der Standort Malaysia durch die geopolitische Lage bestens zur Investition geeignet sei. Wann man aber verkaufen kann, ist unklar.

Vor allem von zwei Bereichen profitiert Osram derzeit und kann auf absehbare Zeit wieder in die Gewinnzone kommen. Die weltweite Nachfrage nach Osram-Produkten in Autos steigt. „Auch wenn wir in Deutschland das Gefühl haben, die Welt geht unter, weltweit werden ebenso viele Autos gebaut wie im Vorjahr“, sagte Aldo Kamper. Schon heute ist jedes zweite Auto in China elektrisch betrieben. „Wir haben uns eine gute Position beim Auto-Neuausstattungsgeschäft erarbeitet“, so Kamper. Ebenfalls angezogen hat die Nachfrage im Bereich von Smartphones. Auch hier sei Osram gut aufgestellt. Allerdings ließ im ersten Quartal 2025 die Nachfrage nach. Das sei normal: Das dritte Quartal ist traditionell das Stärkste auf dem Smartphone-Markt. Marken wie Apple aktualisieren dann meistens ihre Produktpalette.

Finanzen sind geordnet

„Wir sind stolz“, sagte Finanzvorstand Irler dann auch in Bezug auf 1,1 Milliarden Euro liquider Mittel. Man werde eine Wandelanleihe im Wert von 450 Millionen Euro zurückzahlen können. „Wir haben in einem schwierigen Umfeld im letzten Jahr geliefert“, so Kamper. „Nun gilt es, am Ball zu bleiben.“