Tote Bestatterin in Regensburger Tiefgarage: Staatsanwaltschaft klagt Ex-Freund wegen Mordes an

In und um Regensburg wurde die 19-Jährige Marie G. wegen ihrer Berufswahl häufig interviewt. Ihre Arbeit mit dem Tod weckte Aufmerksamkeit, ihr eigener Tod machte bundesweit Schlagzeilen. Im Mai 2024 starb sie gewaltsam, nachdem sie sich on ihrem deutlich älteren Lebensgefährten getrennt hatte. Jetzt liegt der Fall bei der Justiz.
Mit ihren 19 Jahren war Marie G. bereits eine lokale Berühmtheit. Als weibliche Auszubildende im Bestatterhandwerk gehörte sie zu den Exotinnen in der Branche. Das erweckte Aufmerksamkeit, die die junge Frau zu nutzen wusste. Wie sehr sie ihren Beruf liebte, diesen letzten Dienst am Menschen, erzählte sie in Videos und im Gespräch mit Journalisten. Dann machte die 19-Jährige mit ihrem eigenen Tod bundesweit Schlagzeilen. Sie starb gewaltsam am 3. Mai vergangenen Jahres. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Amberg den ehemaligen Lebensgefährten von Marie G. wegen Mordes angeklagt. Den Eingang bestätigte am Montag Uli Hübner, Pressesprecher am Landgericht Amberg, gegenüber der Mediengruppe Bayern.
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Noch ist nicht viel über die Ermittlungsergebnisse nach außen gedrungen. Die Ermittler sehen aber einen hinreichenden Tatverdacht gegen den 55-Jährigen, der wie auch Marie G. als Bestatter tätig war. Bis zu seiner Inhaftierung arbeitete er am Krematorium in Regensburg. Die Ermittlungen, die zunächst wegen Totschlags geführt wurden, wurden später als Mord eingestuft. Die Beteiligten des Verfahrens sehen die Mordmerkmal Heimtücke oder niedere Beweggründe erfüllt.
Fundort war nicht Tatort
Aufgefunden wurde die Leiche der jungen Frau am 4. Mai 2024, einem Samstag, in Regensburg. Einem Zeugen war am Vormittag der dunkelblaue Opel Corsa mit eingeschlagener Seitenscheibe in der Tiefgarage eines Baumarktes an der Frankenstraße aufgefallen und er meldete den Schaden bei der Polizei. In dem Gebäude ist auch ein Fitnessstudio in dem die 19-Jährige trainierte. Doch von ihr fehlte jede Spur. Nur ihr Geldbeutel lag im Fahrzeuginneren.
Routinemäßig wurde der Wagen, der auf ein Elternteil von Marie G. zugelassen war, durchsucht. Auch die Fahrzeughalter wurden über den Schaden informiert. Zu diesem Zeitpunkt herrschte bei allen bereits ein ungutes Gefühl. Denn die junge Frau, war seit Freitagabend nicht mehr erreichbar. Und Angehörige wussten, dass sie zu einer Aussprache mit ihrem Ex-Partner fuhr und dabei auch letzte persönliche Sachen mitnehmen wollte. Danach gab es keinen Kontakt mehr. Im Kofferraum stießen die Streifenbeamten auf die Leiche der 19-Jährigen. Besonders tragisch: Ein Familienmitglied wurde Augenzeuge dieses traumatischen Moments in der Tiefgarage. Der Anwalt der Familie, Robert Hankowetz, bat die Medien bereits am Beginn der Ermittlungen, „ganz dringend darum, die Privatsphäre der Familie zu akzeptieren“. Für die Familie zähle „einzig und allein, die Tat aufzuklären“. Öffentlich äußern will sich die Familie bis heute nicht.
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Warum der mutmaßliche Täter, der bislang zu allen Vorwürfen schweigt, die Trennungsabsichten der mehr als 30 Jahre jüngeren Marie nicht akzeptieren konnte, wird wohl in einigen Monaten das Landgericht Amberg beschäftigen, sofern die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird. Als Tatort wird das Wohnhaus des Mannes im Landkreis Schwandorf angenommen. In Maxhütte-Haidhof, wo er mit Marie G. bis zur Trennung zusammenlebte. Dort wurden entsprechende Blutspuren gesichert, die der jungen Frau zugeordnet werden konnten. Recherchen unseres Medienhauses zufolge war sie von dem 55-Jährigen erwürgt worden.
Gerüchte in Bestatterkreisen
In Bestatterkreisen kursierten Gerüchte, dass die 19-Jährige ihrem ehemaligen Lebensgefährten sehr vertraut hatte und sie deshalb auch eine Begleitung zur letzten Aussprache ablehnte. Sie sei überzeugt gewesen, so wird kolportiert, dass von dem 55-Jährigen keine Gefahr für sie ausgehe. Ein weiteres Gerücht scheint sich unterdessen bei den Ermittlungen als nicht haltbar erwiesen zu haben. Der Tatverdächtige, der Zugang zum Krematorium hatte, stoppte wohl auf dem Weg zur Baumarkt-Tiefgarage mit der Leiche am Regensburger Dreifaltigkeitsberg. Dass er womöglich in Erwägung zog, die 19-Jährige einzuäschern, so geschehen beim Mord unter Kollegen 2010 in Franken, bestätigte sich nicht. In Franken hatten zwei Bestatter einen Kollegen erschlagen und kremiert. Der Fall machte am Landgericht Nürnberg als „Mord ohne Leiche“ Schlagzeilen.
Marie G., die aus dem Landkreis Cham stammte, wurde nicht eingeäschert. In einem weißen Sarg und in einem Meer aus blauen und weißen Blumen wurde sie in ihrer Heimatgemeinde beigesetzt. So, wie sie es sich auf die Frage nach ihrer eigenen Beerdigung in einem Interview gewünscht hatte.