Bernhard Setzwein hat Franz Kafka literarisch wiederbelebt und stellt seinen Roman vor

Bernhard Setzwein ist freischaffender Autor, schreibt Romane, Theaterstücke, arbeitet für den Rundfunk – und er liebt Franz Kafka, beinahe sein ganzes bisher 65 Jahre andauerndes Leben lang. Seinen aktuellen Roman stellt er jetzt in Furth im Wald (Landkreis Cham) vor.
Setzwein hat darin einen der größten deutschsprachigen Literaten seiner Zeit literarisch wieder zum Leben erweckt. Das Werk, das daraus entstanden ist, stellt Setzwein am 13. Februar im Georgssaal vor.
Schon die Stiefel vor der Wohnungstür lassen es erahnen: Bernhard Setzwein wandert gern. In München geboren, hat er dort auch Germanistik studiert. Seit vielen Jahren lebt er im Bayerischen Wald und hat seinen Rückzugsort in Heinzlgrün gefunden, einem Ortsteil von Waldmünchen.
Flussläufe ziehen ihn an
„Hier gefällt es mir unheimlich gut“, sagt er und blickt von seinem Schreibtisch durch ein Fenster in ein malerisches Tal. Der Ausblick gibt ihm Kraft, so wie die ausgedehnten Wanderungen in der, wie er sagt, „nächsten und allernächsten Umgebung“.
Auch Flussläufe ziehen ihn magisch an. Einmal ist er die Goldene Straße von Nürnberg nach Prag mit Freunden in drei Etappen gewandert. In die weite Ferne zieht es ihn dagegen nicht: „Ich war noch nie außerhalb von Europa.“ Draußen sein ist für ihn ein Quell der Inspiration.
Das scheint zu funktionieren: Außer Drehbücher zu schreiben, hat Setzwein in den zurückliegenden 40 Jahren so ziemlich alles gemacht. Auch Hörspiele und Lyrik. Doch so schwierig wie im Moment war die Lage für Kunstschaffende noch nie. „Nach Corona merkt man das noch ganz brutal“, sagt er und ergänzt: „Das dicke Ende kommt erst noch.“ Was er damit meint, ist die „Einsparwut“ der öffentlichen Hand. Kultur habe nicht mehr den gebührenden Stellenwert, Mittel werden gestrichen. Das habe unter anderem zur Folge, dass Theater schließen müssen. Auch der Buchmarkt habe zunehmend ein Problem. Es tue schon weh, wenn man viel Energie und Herzblut in ein Projekt legt und dann die Halbwertszeit des Buches auf dem Markt immer kürzer werde. Früher habe sich der Erfolg langsam entwickelt, heute werde ein Buch im besten Fall medial gepusht. Nach zwei bis drei Wochen ist der Hype dann auch schon wieder vorbei.
Um so mehr freut er sich, dass sein Roman über Franz Kafka zu einem großen Erfolg geworden ist. Im Kafkajahr 2024, in dem sich dessen Tod zum hundertsten Mal jährte, war Setzwein auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt, aber auch im Rahmen von Lesungen landauf, landab ein gefragter Mann.
Worum geht‘s? In Setzweins Roman stirbt Franz Kafka im Jahr 1924 nicht, sondern taucht unter und schließlich unerkannt in Meran wieder auf. Er verdingt sich in den Nachkriegsjahren als Kartenabreißer in einem Kino und beschließt, sein literarisches Werk zu beenden, wenn es ihm gelingt, unerkannt zu bleiben. Was dann noch folgt, steht im Titel des Romans: Zusammen mit einer neuen Bekanntschaft startet er einen Roadtrip durch eine bucklige Welt.
Was natürlich vordergründig eine rein fiktive Geschichte ist, hat trotzdem Anlehnungen an den realen Kafka. Mal ganz abgesehen davon, dass Kafka ein großer Kinofan war, das Versteckspiel der literarischen Figur beispielsweise, zusammen mit dem Versprechen, das Schreiben aufzugeben, wenn es gelänge, sieht er als Parallele zum wirklichen Franz Kafka, der Bekanntschaften zu anderen Menschen zwar mochte, intensive Kontakte letztlich aber nicht mit dem Schreiben zusammenbringen konnte. „Kafka hatte Angst vor Bindungen.“ Und das, obwohl er das Familienideal seiner Elter n mit Kindern und einem Geschäft vor Augen hatte und schätzte. „Ich bestehe aus Literatur und aus nichts anderem“, soll er einmal gesagt haben.
Schon seit seiner frühesten Jugend beschäftigt sich Setzwein mit Franz Kafka. „Man kann sage, er ist so etwas wie mein Hausheiliger.“ Die Sprache fasziniert ihn an dem weltweit meistgelesenen und meist erforschten deutschsprachigen Autor. Auch in Japan genießen seine Werke große Beliebtheit. Klare Sprache und Botschaft machen das Werk aus. Deutlich zu erkennen beispielsweise in der Erzählung „die Verwandlung“, in der sich der Protagonist langsam in ein Ungeziefer verwandelt. „Hier findet sich jemand im Leben nicht mehr zurecht und kann es in der eigenen Haut nicht mehr aushalten.“
Szenische Lesungen geplant
Am Donnerstag 13. Februar, 19.30 Uhr, stellt Setzwein seinen Roman „Kafkas Reise durch eine bucklige Welt“ im Georgssaal im Landestormuseum vor. Der Eintrittspreis beträgt acht Euro (Schüler und Studenten: fünf Euro). Musikalisch begleitet die Lesung Erwin Hierstetter an der Gitarre.
„Ich freue mich wirklich, dass mir Kulturamtsleiterin Karin Stelzer über das Europe Direct Büro und das städtische Kulturamt die Möglichkeit dazu gibt, das Buch noch einmal zu präsentieren“, sagt der Autor, der auch weiterhin die Werbetrommel dafür rühren will. Was sonst noch in nächster Zeit ansteht, verrät er auch: „Der späte Besuch“ ist eines seiner Bücher, in dem zwei NS-Widerstandskämpfer, Dietrich Bonhoeffer und Josef Müller, genannt Ochsensepp, eine spätes Gespräch über Schuld und Empathie führen. Daraus hat Setzwein eine szenische Lesung mit einem Kollegen gemacht. Damit wollen beide auf Tour gehen.
