Bedeutender Bau in Gefahr: Das Schottenportal in Regensburg wartet weiter auf Rettung

Laster, Tugenden, Majestäten, Heilige: Es dauert, bis sich Betrachter am Figurenreichtum des Schottenportals in Regensburg sattgesehen haben. Dass dieses Tor einer Sanierung bedarf, ist dagegen schon auf den ersten Blick klar: An mehreren Stellen platzt der Stein ab.
Dabei hat das Portal im Eigentum der Besonderen Klerikalseminarstiftung St. Jakob einige Bedeutung: Prof. Achim Hubel und Prof. Peter Morsbach bezeichnen es in einem Flyer als eines der Hauptwerke der deutschen Romanik, als das größte und figurenreichste romanische Portal in Deutschland sowie als eine der bekanntesten Schöpfungen seiner Zeit. Beim Bistum wird es als ikonographisches Unikum behandelt, weil es sowohl das jüngste Gericht als auch den Kampf gegen Mächte des Bösen in der Gestalt von Ungeheuern thematisiert.
Eine Kruste auf dem Stein
Die Bedeutung des Schottenportals schaffte es zuletzt allerdings weniger in die Schlagzeilen als die Schäden, die dem Bau zusetzen: Hubel und Morsbach beschreiben in ihrem Flyer eine gipsartige Kruste an der Oberfläche des Steins, die wie eine mit Feuchtigkeit und Schadstoffen gefüllte Kompresse zu Abplatzungen führt.
Deswegen steht die Sanierung der bedeutenden Pforte seit vielen Jahren im Raum. Die Leitung dieses Projekts hat der Bischöfliche Baudirektor Paul Höschl inne. Das Bistum plane derzeit ein mehrstufiges Vorprojekt. Untersuchungen sollen Aufschluss über Zustand des Tors, seine Schäden und den Umfang des Konservierungskonzeptes geben. Dafür zuständig sind ein Team aus Restauratoren und ein Fachlabor, erklärt Höschl. Auch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege helfe mit, den Zustand des Portals zu bewerten.
„Dazu wird anhand einer Schadenskartierung der Verfallsfortschritt im Lauf der letzten 20 Jahre lokalisiert und dokumentiert“, kündigt der Bischöfliche Baudirektor an. Weiter sollen die verkrusteten Oberflächen und die Tiefe des Schadens untersucht sowie Materialproben entnommen werden. Gegebenenfalls könnten daraus notwendige Maßnahmen abgeleitet werden, erklärt Höschl.
Zwei Jahre Daten erhoben
In den vergangenen zwei Jahren wurden bereits das Raumklima und die Daten unmittelbar an den Steinoberflächen im Tages- und Jahresdurchlauf erfasst, zählt er auf. Die Daten dieses inzwischen beendeten Klimamonitorings werden laut Auskunft des Bistums unter der Federführung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege ausgewertet. Wenn die Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen, sollen mögliche Konservierungskonzepte anhand von Arbeitsproben und Musterflächen erarbeitet werden. Die Fragen nach dem Zeitpunkt der Umsetzung dieser Konzepte und nach ihren Kosten lässt das Bistum unbeantwortet.
Es verweist noch auf den im Jahr 1999 erfolgten Schutzbau aus Glas, Stahl und Beton, der konservatorische Probleme des in seinem Erhaltungszustand gefährdeten Portals reduzieren sollte. Weiterhin betont das Bistum, dass der Eigentümer seine Betreiberpflichten wahrgenommen, Betrieb und Unterhalt sichergestellt, die raumklimatischen Bedingungen überwacht und den Erhalt des Schottenportals im Rahmen seiner Möglichkeiten sichergestellt habe.