20.000 Teilnehmer bei der Regensburger Demo gegen Rechts – „Wir sind die Brandmauer“

Mit diesem Echo hatten die Organisatoren nicht gerechnet. Die Regensburger Demo gegen Rechts war am Sonntag die größte ihrer Art in Bayern.
Die Demo gegen Rechts war am Sonntagnachmittag genau eine Stunde alt, als Dennis Forster vom Organisationsteam der Initiative gegen Rechts die aktualisierte Schätzung der Teilnehmerzahl verkündete. Seine Meldung „Es sind 20.000“ sorgte für riesigen Jubel auf dem Domplatz, denn mit diesem Wert holte sich Regensburg den bayernweiten Rekord unter den vergleichbaren Veranstaltungen dieses Wochenendes. „Da gehen wir mit“, bestätigte wenig später der Einsatzleiter der Polizei diese Zahl und verwies darauf, dass nicht nur der Domplatz voll war. Ob in Richtung Kornmarkt, zum Neupfarrplatz oder hinunter bis zur Goliathstraße: Überall war der Andrang weit größer als erwartet.
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Zweifellos hatten die Geschehnisse unter der Woche im Bundestag das Interesse an der Demo nochmals enorm gesteigert. Für die Organisatoren stand daher nicht die Jagd nach etwaigen Rekorden, sondern die Besorgnis über die politische Entwicklung im Mittelpunkt.
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„Brandmauer“ und AfD
Veranstaltungsleiter Burkard Wiesmann erinnerte gleich bei seiner Begrüßung an die Vorjahres-Demonstration auf dem Haidplatz, zu der auch schon 13.000 Menschen gekommen waren. Bereits damals sei ausgiebig von der „Brandmauer“ gegen Rechts die Rede gewesen, die in der Zwischenzeit allerdings – man denke nur an die nahezu selbstverständlich gewordene Verwendung von Begriffen wie „Remigration“ – deutlich löchriger geworden sei. „Ich bin geschockt darüber, wie schnell die einreißt“, sagte er und schob kämpferisch hinterher: „Wir sind die Brandmauer!“
Auch Rico Irmischer von der IG Metall ging in seiner Rede zunächst auf die „rechte Normalisierung“ ein, die als Untertitel der Veranstaltung diente. „Erschrocken, besorgt, wütend, machtlos“ habe er sich am Mittwoch gefühlt, als ein Entschließungsantrag der Unionsfraktion zur Migrationspolitik dank der Stimmen der AfD eine Mehrheit erreichte. Der Anblick von „tausenden Demokraten“ auf dem Domplatz verschaffe ihm wieder ein besseres Gefühl. „Das gibt enorm Kraft zurück.“
Die AfD bezeichnete Irmischer als „abscheuliche“ und „menschenverachtende“ Partei, zugleich kritisierte er aber auch Arbeitgeber, die sich zu oft „wegducken, wenn es gegen Rechts geht“. Der Gewerkschaftsfunktionär forderte die Anwesenden auf, es in ihrem Alltag genau anders zu machen: „Man muss mit AfD-Sympathisanten reden und ihnen zeigen, welchem hetzerischen Unsinn sie da auf den Leim gehen.“
Der prominenteste Redner des Nachmittags war Christian Springer. Der Kabarettist ging zunächst ebenfalls auf die „Brandmauer“ ein: „Schlimm, dass wir in diesem Land 2025 überhaupt eine brauchen. Was für eine Frechheit!“
Anschließend widmete auch er sich ausführlich der AfD, respektive ihren Wählern. Er regte sich über „Bankberater, Fußball-Coaches, Bauern, Ärzte“ auf, die ihr Kreuz hier machen, und rief ihnen zu: „Hört auf, diese AfD zu wählen!“ Diese Partei sei stets nur auf der Suche nach Sündenböcken, so Springer weiter. „Das hatten wir schon mal, das brauchen wir nicht wieder.“
Als Beispiel für Menschen in der Rolle des Sündenbocks nannte der Kabarettist Bürgergeld-Empfänger. Zwei Prozent von ihnen seien tatsächlich Betrüger und fügten der Allgemeinheit einen Schaden in Höge von 60 Millionen Euro zu, räumte er ein. Dem gegenüber stellte Springer jedoch zahllose Fälle von Steuerbetrug, die den Staat jedes Jahr 100 Milliarden Euro kosten würden. „Darüber redet niemand.“ Ausgehend von diesem Beispiel stellte er fest: „Es ist noch nie ein Staat untergegangen, weil der sich um die Bedürftigen gekümmert hat.“
Mit dem Aufruf „Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Demokratie stark bleibt“ beschloss der bekannte Gast seinen emotionalen Vortrag. Als wichtigen Beitrag dazu sieht er ein Verbot der AfD.
„Keinerlei Zwischenfälle“
Dieser Forderung schlossen sich noch weitere Redner an, bevor die Demonstration nach rund 100 Minuten ihr Ende fand. Das erste Fazit der Polizei um kurz vor 15 Uhr lautete: „Keinerlei Zwischenfälle.“
Zahlreiche Teilnehmer zogen anschließend direkt zum Haidplatz weiter. Dort stand in den folgenden Stunden ein „Fest für Demokratie und Vielfalt“ auf dem Programm.







