Zehntausende Menschen protestieren in Bayern gegen Rechts – Viele Demos auch im Rest Deutschlands

Von Passauer Neue Presse · 2. Februar 2025 um 18:03

Zehntausende Menschen haben am Wochenende in Bayern und ganz Deutschland gegen den wachsenden Einfluss rechtsextremer oder rechtspopulistischer Parteien demonstriert. Die größte bayerische Demonstration fand am Sonntag in Regensburg statt. In Berlin waren gar 160.000 Menschen auf den Straßen.

In Regensburg kamen nach Angaben der Polizei rund 20.000 Menschen unter dem Motto „Die Brandmauer sind wir“ zusammen. Alle Infos zur Demo in Regensburg lesen Sie in unserem Liveblog.

Tausende Menschen auch bei Demos in Augsburg und Würzburg

In Augsburg waren tags zuvor nach Angaben der Polizei 4500 Menschen auf die Straße gegangen. Sie hielten Transparente in die Höhe, auf denen Botschaften wie „Nie wieder ist jetzt!“ zu lesen waren. In Würzburg waren bis zu 5.000 Menschen bei einer „Demo für Demokratie“ in der Innenstadt unterwegs. Am Bahnhof war ein Infostand der AfD aufgebaut, gegen den sich ein Gegenprotest bildete. Es sei zu mehreren Eierwürfen in Richtung des AfD-Standes gekommen, teilte die Polizei mit.

Eierwurf trifft Polizisten

Ein Ei traf einen Polizisten, der unverletzt blieb. Gegen den bekannten Täter werde wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Durch einen weiteren Eierwurf wurden Flyer des Infostandes verschmutzt. In diesem Fall ermittelt die Polizei wegen Sachbeschädigung.

Weitere Kundgebungen in ganz Bayern und Deutschland – Wenige Zwischenfälle

Auch in mehreren anderen Städten, darunter Kempten, Erlangen, München, Nürnberg, Dachau und Passau, gab es Demonstrationen und Kundgebungen mit Hunderten Teilnehmern.

In Berlin beteiligten sich am Sonntag nach Schätzungen der Polizei rund 160.000 Menschen an einer Kundgebung, die Veranstalter sprachen sogar von bis zu 250.000 Teilnehmern. In Bonn versammelten sich nach laut Polizei am Sonntag in der Spitze mehr als 10.000 Menschen. Bereits am Samstag protestierten in Hamburg rund 65.000 Menschen unter dem Motto. In Essen zählte die Polizei am Samstag etwa 14.000 Teilnehmer bei einer Kundgebung.

Sitzblockaden und Pyrotechnik

Im niedersächsischen Göttingen kam es nach Polizeiangaben am Samstag bei Gegenprotesten gegen eine Demonstration so genannter Querdenker zu Sitzblockaden und Wurfattacken. Demonstranten warfen demnach mit Pyrotechnik, Eiern und Flaschen. Drei Polizisten wurden leicht verletzt, es gab eine Festnahme. An den Protesten beteiligten sich laut Polizei 5000 Menschen, an der Querdenkerdemo etwa 140.

Am Samstag protestierten im hessischen Neu-Isenburg laut Polizei außerdem tausende Menschen gegen eine Wahlkampfkundgebung der AfD mit Parteichefin Alice Weidel. „Einige wenige Gruppen“ von Gegendemonstranten versuchten nach Angaben der Beamten, Zufahrtswege zu blockieren. In einem Fall wurde demnach auch versucht, eine Absperrung zu durchbrechen. Die Gesamtzahl der Demonstranten in der Stadt schätzte die Polizei später auf etwa 9000.

Friedrich Merz gab mit seiner Politik den Anlass für die Demos

Unmittelbarer Anlass war die Politik von Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz, der Anträge und einen Gesetzesentwurf im Bundestag zur Abstimmung gestellt hatte, obwohl er wusste, dass eine reale Chance auf Zustimmung nur mit den Stimmen der AfD-Abgeordneten gegeben war. Ein Entschließungsantrag wurde mit den Stimmen unter anderem der AfD angenommen.

Ein Gesetzentwurf mit verschärften Regelungen zur Migration war am Freitag dagegen gescheitert, nachdem mehrere CDU-Abgeordnete nicht an der Abstimmung teilgenommen und so eine Mehrheit verhindert hatten. Die Abgeordneten der bayerischen CSU hatten sich dagegen geschlossen hinter den Entwurf gestellt. Auch die AfD stimmte dafür.

Nach der ersten Abstimmung am Mittwoch waren bereits am Donnerstag Tausende Menschen in Bayern auf die Straße gegangen. Unter anderem zogen mindestens 7000 Menschen in München vor die CSU-Zentrale.