Mahnwache für Scholz: Kommt CO2-Pipeline durch Regensburg?

Von Juliana Ried · 29. Januar 2025 um 19:00

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) wünscht sich eine Infrastruktur, um das klimaschädliche Treibhausgas CO2 abscheiden und transportieren zu können. Das hat auch Regensburger Umweltaktivisten aufgeschreckt.

Denn die in einer VBW-Studie skizzierte Pipeline soll auch durch die Domstadt führen. Im Bundestagswahlkampf hat der Protest Fahrt aufgenommen. Vorläufiger Höhepunkt soll am Freitag, 31. Januar, eine Greenpeace-Mahnwache beim Regensburg-Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz sein.

VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt ist überzeugt: Ohne Abscheidung, Nutzung und Speicherung von CO2 – etwa unter der Nordsee – könne ein Industrieland wie Bayern seine Klimaziele nicht erreichen. Selbst bei vollständiger Umstellung auf eine klimaneutrale Energieversorgung werde es zum Beispiel in der Zement- und Kalkindustrie prozessbedingte CO2-Emissionen geben, schreibt er im Vorwort der im November aktualisierten VBW-Analyse der Forschungsstelle für Energiewirtschaft zum Bedarf an Infrastruktur in Bayern.

Vom Zement- zum Kalkwerk

Das Regensburger Kalkwerk ist auch im Zielbild der VBW für eine CO2-Infrastruktur in Bayern für 2040 eingezeichnet, wenn auch als im Vergleich kleiner Punkt neben den Standorten der sehr CO2-intensiven Zementproduktion. Ein solcher ist etwa in Burglengenfeld. Die skizzierte Pipeline soll von Nordbayern über Regensburg ins oberbayerische Chemiedreieck führen, wo der VBW zufolge CO2 als Grundstoff gebraucht werden könnte. Auch in einer Ideenskizze des Fernleitungsnetzbetreibers Open Grid Europe (OGE) für ein bundesweites Transportnetz taucht Regensburg auf. Laut einer Sprecherin des Unternehmens gilt allerdings: „Aktuell konzentrieren wir uns auf die Planungen von Projekten in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Projekte in Bayern und die Anbindung an Regensburg sind aktuell nicht Gegenstand von konkreten Projekten der OGE.“

Die regionale Wirtschaft bekundet durchaus Interesse. Thomas Genosko, Abteilungsleiter Standort der Industrie- und Handelskammer Regensburg, sagt: „Unsere Region ist ein starker Industriestandort und daher sind Abscheidung, Transport, Speicherung und Nutzung von CO2 auch bei uns von großer Bedeutung.“ Von Lhoist, dem Mutterunternehmen von Walhalla Kalk in Regensburg, heißt es, es werde das Einfangen von CO2 zunächst am Stammsitz in Nordrhein-Westfalen in einem Leuchtturmprojekt erproben. Prinzipiell gelte, dass bei der Produktion von Branntkalk das Treibhausgas immer aus dem Stein freigesetzt werde. Deshalb gebe es aktuell keine Alternativen zur Abscheidung, der anschließenden Speicherung und zukünftigen Nutzung.

Aus Sicht von Umweltverbänden ist das ein Schreckensszenario. In einem offenen Brief warnten im November mehr als 70 Organisationen und Initiativen vor der auch als CCS (Carbon Capture and Storage) bekannten Abscheidung und Speicherung von CO2. Die Regensburger ÖDP nennt es ein „ineffizientes und riskantes Vorhaben“, das im Rahmen des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit im Bundestag beschlossen werden könnte. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger plane, Bayern mit einem Netz von CO2-Pipelines zu durchziehen. ÖDP-Kreischef Robert Fischer sagt über CCS: „Das ist ein völlig überteuertes und unnötiges Instrument, das die Klimaschutzpolitik zu einem Feigenblatt macht.“

Greenpeace: Große Risiken

Greenpeace Regensburg fordert die Stadt auf, eine klare Position zum Thema einzunehmen und sich einem Netzwerk CCS-freier Kommunen anzuschließen, wie es bereits in Schleswig-Holstein existiert. Frank Gesche von Greenpeace Regensburg sagt: „Die Stadt darf in dieser Frage nicht blauäugig agieren.“ Die Risiken von CO2-Pipelines und CCS seien erheblich.

Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra sagt, die Stadt könne derzeit noch nicht Stellung zu einer möglichen Pipeline durch Regensburg beziehen, schließlich seien die Überlegungen noch „ziemlich am Anfang“. „Eine Realisierung ist noch weit entfernt.“

So engagieren sich ÖDP und Greenpeace

Informationsveranstaltung: Die ÖDP Regensburg hat Reinhard Knof aus Schleswig-Holstein eingeladen, der als promovierter Chemiker und Vorsitzender der „Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager" die Initiative „CCS-freie-Gemeinden" ins Leben gerufen hat. Knof wird am Freitag, 31. Januar, um 18.30 Uhr in der Gaststätte des SC Regensburg in der Alfons-Auer-Straße über die Risiken und Herausforderungen der Verpressung von CO2 sprechen. Die ÖDP im Stadtrat hat die Anfrage „Was weiß die Stadt über geplante Pipelines zur CO2-Verpressung?“ eingebracht.

Mahnwache: Da die Vorbereitungen für das Kohlendioxidspeicherungsgesetz während der Amtszeit von Bundeskanzler Olaf Scholz anliefen, nimmt Greenpeace Regensburg seinen Besuch am Freitag, 31. Januar, zum Anlass für eine Mahnwache. Diese beginnt um 17.30 Uhr am Marina-Forum.