Das Herz von Karin Stelzer schlägt für die Kultur in Furth im Wald und für Europa

Von Alexander Frimberger · 30. Januar 2025 um 11:00

Karin Stelzer ist seit mehr als 25 Jahren Ansprechpartnerin für Kulturschaffende und für viele von diesem Posten gar nicht mehr wegzudenken. Außerdem leitet sie seit 20 Jahren das Europe Direct Büro der Drachenstadt.

Was sie bewegt, antreibt und was ihr besonders im Gedächtnis geblieben ist, erzählt sie im Gespräch.

Im Jahr 2005 plante die EU ein europäische Netzwerk zu gründen. „Der damalige Further Bürgermeister Reinhold Macho brachte die Ausschreibung aus Berlin mit“, erinnert sich Stelzer und ergänzt: „Weil wir als Grenzstadt schon immer den europäischen Gedanken gepflegt haben, haben wir die Unterlagen ausgefüllt und abgeschickt.“

Kultur reißt Grenzen ein

Die Leitung zu übernehmen, stand für die überzeugte Europäerin nie infrage, wenn sie sagt: „Es macht mich wahnsinnig, wenn die Leute behaupten, Europa sei ein Schmarrn.“

Ein häufig politischer Posten und Kultur, wie geht das zusammen? „Ganz hervorragend“, sagt die gelernte Verwaltungsfachangestellte und Wirtschaftsfachwirtin und ergänzt: „In meinem Bereich existieren keine Grenzen, wir haben sie eingerissen.“ So kommen tschechische Künstler nach Furth im Wald, um hier ihre Werke auszustellen. „Wir fahren in der kommenden Woche nach Domažlice und sehen uns ein Konzert an.“ Kultur brauche da auch keine Sprache.

Begonnen hat Stelzers Laufbahn in den Jahren 1999/2000. Da hat sie die Aufgabe übertragen bekommen, Events im Tagungszentrum zu organisieren. An ihre erste Veranstaltung erinnert sie sich noch genau. „Das war der legendäre Opernball. Da bin ich gleich mal ins kalte Wasser der hohen Kultur geworfen worden.“ Aber Stelzer hat schnell schwimmen gelernt und zunächst mit den großen Konzertveranstaltern zusammengearbeitet. Leute wie die Kabarettistin Monika Gruber hat sie ins ATT gelockt.

Eine Person ist ihr in all den Jahren besonders in Erinnerung geblieben. Als Uwe Neumann, mit dem sie schon damals zusammengearbeitet hat, die Idee zu den Bergwochen hatte, sollte es Reinhold Messner sein, der für einen Vortrag in die Drachenstadt kommt. Sie erinnert sich, dass es eine Herkulesaufgabe war, ihn zu bekommen. Aber es ist gelungen. Das Charisma, das die Südtiroler Bergsteigerlegende verströmte, ist ihr bis heute in Erinnerung geblieben.

Als Leiterin des Further Kulturamtes stellte sich die Aufgabenstellung von Anfang anders dar. Es sollten nicht mehr die bekannten Künstler sein. Mehr und mehr ging es darum, etwas für die lokale Kulturszene zu tun. Und das tut es bis heute. Wer mit einer Idee an ihre Tür klopft, für den hat sie auch ein offenes Ohr.

„Die örtliche Kultur fördern, das ist unsere Aufgabe. Das Kulturamt muss Nischen bedienen, das gehört auch zur kulturellen Bildung.“ Egal ob bildende oder darstellende Kunst, Literatur und Brauchtumspflege, Museum oder Konzert, ausgeschlossen wird niemand.

Kino am See, Weiße Nacht, Gemma Furth, Kultur am Turm und viele weitere liebgewonnenen Veranstaltungen hat sie ins Leben gerufen. Ihre Kreativität zieht sie aus der Liebe zur Sache: „Das ist nicht nur Beruf, das ist Berufung.“ Für sie ist auch wichtig zu erwähnen, dass ihr Bürgermeister Sandro Bauer stets freie Hand lässt und ihr zu 100 Prozent vertraut. „Sonst ginge es nicht.“

Die Further nehmen teil

In die Karten spielen ihr dabei aber darüber hinaus zwei Further Eigenheiten. Zum einen gibt es hier eine sehr große Anzahl kreativer Menschen, die in vielen Bereichen tätig sind. Häufig werden die Talente von den Großeltern über die Eltern an die Kinder und andere Verwandte übertragen. Viele Vereine und aktive Einzelpersonenstärken das kulturelle Leben. Zum anderen: Die Further honorieren das Engagement und besuchen die Veranstaltungen in großer Zahl.

Bleibt bei so viel Kulturarbeit noch Platz, selbst kreativ zu werden? Karin Stelzer lacht: „Ich spiele an Weihnachten schon mal „O Tannenbaum“ auf dem Akkordeon oder zupfe ein wenig auf der Gitarre rum.“ Auch mit der Malerei habe sie es schon probiert. „Aber es würde niemals für einen öffentlichen Auftritt reichen.“

Einen Schub erwartet sich Stelzer noch einmal vom Umzug ins Amtsgericht. Kultur, Tourismus, Drachenstichbüro, Bücherei, alles befindet sich unter einem Dach. Kurze Wege, das werde den Austausch und die Kreativität noch einmal steigern, ist sie überzeugt.

Europe Direct Büro

Die Europaberatung Furth im Wald ist Teil eines europaweiten Netzes von rund 400 regionalen Informationsstellen, das im Auftrag der EU-Kommission aufgebaut wurde. Ziel dieses Netzes ist es, insbesondere in ländlichen EU-Regionen Anlaufstellen für die Bevölkerung zu schaffen. Das Europe Direkt Büro soll umfassend zu allen relevanten Themen, wie Fördermöglichkeiten, politische Maßnahmen und Programmen informieren. Gleichzeitig können die Europäischen Organe wichtige Informationen in die Regionen tragen.

Fördermöglichkeiten

Zusammen mit Uwe Neumann organisiert Karin Stelzer die Further Bergwoche. Zuletzt im Jahr 2023. Foto: Frimberger