Kelheimer Bürger fühlten sich als „störendes Beiwerk“

Von Beate Weigert · 28. Januar 2025 um 19:00

An die 100 Kelheimer kamen zur Stadtratssitzung am Montag und gingen „ernüchtert und frustriert“ nach Hause.

„Wissen die, was die tun?“ Diese Frage lag nach der Stadtratssitzung am Montag in Kelheim vielen der an die 100 Besucherinnen und Besucher auf den Lippen. Stellvertretend für viele Menschen aus den Kelheimer Ortsteilen Kapfelberg, Gundelshausen, Lohstadt und Herrnsaal äußert sich Florian Karl „in Vertretung der Intitiative Heimat retten“, die vor eineinhalb Wochen in Lohstadt zum Info-Abend gegen Windräder und große Solarparks geladen hatte.

Das Interesse war enorm, so Karl. „Die Bürger unserer Ortsteile hatten und haben großes Interesse daran, wie unser Stadtrat mit unseren Belangen umgeht und wie ernst die Sorgen der Bürger genommen werden“. Alle wollten hören, wie die Leute zu Windkraft und Freiflächen-PV im Kelheimer Nordosten stehen. „Die Erwartungshaltung der Bürger war, dass im Stadtrat die Sorgen und Argumente tatsächlich ernst genommen werden und in unserem Sinne entschieden wird.“ Doch dazu kam es nicht.

„Was die anwesende Menge miterleben musste, war ein Schauspiel, das für einen Kelheimer Stadtrat sehr beschämend war“, zieht Karl Fazit.

Der Verlauf der Stadtratssitzung und das Vorgehen der Stadträte sei als „äußerst chaotisch wahrgenommen“ worden. In „keinster Weise“ sei konkret auf Bedenken, Forderungen oder Sorgen der Bürger zu den einzelnen Vorhaben eingegangen worden“. Vielmehr habe man sich „eher mit sich selbst und der eigenen Darstellung in der Öffentlichkeit beschäftigt“.

Es wurde eher allgemein über die Themen gesprochen, die „offenbar inhaltlich selbst bei vielen Stadträten noch nicht vollends angekommen waren“, so Florian Karl weiter.

Den Zuhörern drängte sich der Eindruck auf, „dass es für die einzelnen Stadtratsfraktionen wichtiger war und ist selbst nicht im Fokus der Entscheidung zu sein, als klar Stellung zu beziehen und im Sinne der Bürger zu handeln“. Genau dies sei aber im Vorfeld in Gesprächen von vielen Stadtratsfraktionen „oft versichert worden“. Die Diskussion war nach Karls Eindruck „geprägt von gegenseitigen Schuldzuweisungen und Darstellungen wie doch alles gewesen sei und wie Entscheidungen herbeigeführt wurden und wer was wusste und wer nicht. Dies führt bei uns nur zu Kopfschütteln“.

Der Eindruck der Besucher laut Karl: „Die Herausrederei und das politische Taktieren, welches hier gezeigt wird und was mit der Sache nichts zu tun hat, führt zu enormem Verdruss“.

Entsprechend ernüchtert und frustriert, seien die Besucher der Sitzung nach Hause gegangen, so Karl im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei wünsche man sich, einen „klaren und ehrlichen Umgang und klare Information, bevor gehandelt“ werde.

Nach der Sitzung habe man „als Bürger durchaus das Gefühl, nur störendes Beiwerk zu sein. Es ist äußerst bedauerlich, dass nicht die Chance genutzt wurde, ein nicht optimales Vorgehen zu korrigieren“. Das Vorgehen, das die Besucher im Stadtrat am Montagabend dagegen erlebten, wurde „eher als bevormundend, arrogant und über die Köpfe der Bürger hinweg agierend empfunden“.

Nach dem Abend im Deutschen Hof bleibe „ein äußerst fader Beigeschmack und das Gefühl nicht gut von unseren gewählten Stadträten vertreten zu werden – zumindest ein ordentlicher Verlauf der Sitzung und ordentliche Antragstellungen hätten etwas Vertrauen schaffen können, dass man weiß, was man tut – leider war nicht einmal das der Fall“.

Florian Karls Ausblick: „Die Bürger von Kapfelberg und Umgebung bleiben bei ihrer Haltung und bei ihren Argumenten und Forderungen, welche gegen die Standorte der geplanten Windkraftanlagen und die Potenzialflächen für PV-Freiflächenanlagen sprechen“.