Nachruf auf den „Wirt vo Macham“: Landwirtschaft und Gaststätte prägten Alfred Paulus‘ Leben

Von Jochen Dannenberg · 28. Januar 2025 um 17:00

Dorf, Kirche, Wirtshaus. Im Neustädter Ortsteil Marching (Landkreis Kelheim) funktioniert der „ländliche Dreiklang“ noch. Seit Jahrzehnten trägt die Familie Paulus mit ihrem berühmten Gasthof dazu bei, dass das 255 Einwohner zählende Dorf nicht zum Schlafort wird. Jetzt ist der Senior der Familie, „da Wirt vo Macham“, verstorben.

Alfred Paulus senior, wie er im Unterschied zu seinem gleichnamigen Sohn auch genannt wurde, gehörte zum Dorf dazu. So wie der Feiglturm als Relikt einer mittelalterlichen Burg oder die Kirche „Unsere Liebe Frau“. Wobei Paulus senior immer mehr war als ein Gastwirt, er war auch Landwirt, Mitglied in mehreren Vereinen und er war vor allem eines: immer da. „Urlaub“, sagt Heimatpfleger Edi Albrecht, der ebenfalls aus Marching stammt, „kannte er nicht.“

Alfred Paulus gehörte einer anderen Generation an. „Das waren Menschen, für die die Arbeit im Vordergrund stand“, erklärt der Heimatpfleger. „Die kamen höchstens mal bis auf Neustadt oder Pförring. Ingolstadt oder Regensburg waren schon fast eine Reise.“

Immer zwei Betriebe

Paulus senior war damit groß geworden. Von klein auf gab es in der Familie Paulus beides – die Landwirtschaft und die Gaststätte mitten im Dorf. Und damit Arbeit genug. Wobei es das Wirtshaus in Marching schon länger gibt. Schon seit 1866 gab es in Marching den Bauernhof mit Ausschank. Die Arbeiter aus dem nahen Steinbruch kamen nach getaner Arbeit vorbei und genossen ihr Feierabendbier. 1933 kaufte die Familie Paulus den Hof, wobei es dann zunächst für lange Zeit beim Ausschank und beim gelegentlichen „Auskochen“ blieb.

Das hat sich inzwischen deutlich geändert. Bekannt ist das traditionsreiche Gasthaus inzwischen auch für seine Küche mit vielseitigen bayerischen Schmankerln, Wildspezialitäten, Spargelgerichten und vielem mehr. Schwiegertochter Martina, die ursprünglich einen ganz anderen Beruf erlernt hatte, ist die Chefin am Herd. Mit ihrem Mann Alfred junior hat sie die Schankwirtschaft zum Gasthaus erweitert, später kamen sogar noch Gästezimmer dazu. Die Leidenschaft zum Kochen hat sie vererbt. Heute steht Martina Paulus gemeinsam mit ihrer Tochter Katharina am Herd.

Inzwischen ist die Familie Paulus also in der dritten Generation angekommen. Paulus Senior war der Patriarch. Er stand in der Wirtsstube hinterm Tresen, schenkte aus, unterhielt die Gäste. Oder man sah ihn, wenn er mit dem Bulldog im Dorf umherfuhr oder in den Hopfengärten unterwegs war. Zuletzt, sagt Edi Albrecht, habe er viel Freude an der Arbeit mit Frontlader und Kanzel gehabt.

81 Jahre ist Alfred Paulus geworden. Er war weit mehr als Landwirt und Gastwirt. Er gehörte unter anderem auch der Bauernbruderschaft und der Feuerwehr seines Heimatdorfes an. Ein Leben lang war Alfred Paulus bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Erstes Bronze-Abzeichen

1961 gehörte er einer Gruppe an, die in Marching fast schon legendär ist. Damals legten die Marchinger Einsatzkräfte nämlich das erste Bronze-Abzeichen im Landkreis Kelheim ab. Natürlich war Alfred Paulus auch der Vereinswirt der Feuerwehr und er ist bis heute das einzige Ehrenmitglied der Marchinger wehr gewesen.

Letztlich war das Leben von Alfred Paulus von den immer gleichen Abläufen und Bräuchen, wie beispielsweise dem Vatertagsfest im Hof der Gaststätte, bestimmt – der Arbeit, den Vereinen und der Familie. Damit war Alfred Paulus zufrieden, hier war er dahoam.

1961 errang die Marchinger Feuerwehr das erste Bronze-Abzeichen im Landkreis Kelheim, Alfred Paulus (zweiter von rechts) gehörte zur Mannschaft. Foto: Sammlung Edi Albrecht
Alfred Paulus an der Theke: So kannten ihn die Gäste. Foto: Sammlung Edi Albrecht