Wenn in Bad Kötzting die Bahnschienen fehlen, kann der Weg zum Bus verwirrend sein

Von Stefan Weber · 27. Januar 2025 um 11:00

Noch bis Mitte Februar fahren Busse anstatt der Bahn zwischen Lam und Cham. Das kann vor allem modern eingestellte Mitfahrer vor Probleme stellen.

Es ist schon fast 200 Jahre her, als die erste Bahn in Deutschland fuhr: Am 7. Dezember 1835 fuhr sie – ganz ohne Fahrplan – auf der sechs Kilometer langen Strecke zwischen Nürnberg und Fürth. Digital war damals gar nichts. Doch auch wenn Züge heute nicht mehr mit Dampf zwischen Lam und Cham fahren, empfiehlt der Verkehrsclub Deutschland aktuell eher den Blick auf gedruckte Fahrpläne als den aufs Handy, um die Verbindungen finden zu können.

Bereits seit Ende des vergangenen Jahres wird an der Strecke umfassend saniert. Wer sich im Moment an der Strecke in Bad Kötzting umsieht, bekommt ein Bild, das in der Stadt wohl noch niemand gesehen hat: leere Gleisbetten ohne Schienen. Da bekommt der Begriff „Schienen-Ersatzverkehr“ (SEV) eine neue Bedeutung.

Wenn die Info nicht stimmt

SEV bedeutet konkret, dass die Nutzer – Einheimische wie Urlauber – auf Busse umsteigen müssen. Während Einheimische, die regelmäßig entsprechende Verbindungen nutzen, wohl sehr schnell herausgefunden haben, wie der Hase (oder eben die Busverbindung) nun läuft, könnten modern eingestellte und ortsunkundige Nutzer ihren Bus (und damit die Anschlüsse) bis zum Ende der Bauarbeiten Mitte Februar ganz leicht verpassen.

Günter Schmauder ist langjähriger und engagierter Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland im Landkreis Cham. Als Bahnfahrer aus Überzeugung beschäftigt er sich intensiv mit dem Öffentlichen Personen-Nahverkehr in der Region und nutzt selbstverständlich auch die Online-Auskünfte. Ein kurioses Beispiel, das er von der MoBy-App für die Fahrt von Chamerau nach Mitlach erhalten hat, schildert er so: „Erkundigt man sich in den elektronischen Auskunftsmedien, wird einem bei Anfrage von Chamerau-Tankstelle nach Miltach-Schule vorgeschlagen: Fußweg von 482 Metern zum Bahnhof, ab dort mit Ersatzverkehr SEV Bus nach Miltach Bahnhof (in sieben Minuten) und ab dort Fußweg von 319 Meter zur Schule.“ Für jeden Fahrgast, insbesondere ortsunkundige Urlauber, durchaus ein Problem, wenn man sich gemäß Auskunft zum Bahnhof begibt, dort feststellt, dass der Zug nicht fährt und der SEV an der Tankstelle am Ortseingang hält! Ein „besonderes Angebot“ erhält man bei Anfrage zur Rückfahrt von Miltach-Schule nach Chamerau in der Wohin-du-willst-App: „Von der Schule mit dem Rufbus zur Kirche, von dort ein Fußweg zum Bahnhof – der wiederum an der Schule vorbei führt – und ab dort mit dem SEV, der allerdings in Miltach tatsächlich nur an der Schule hält, nach Chamerau.“ Zudem würden drei Buslinien seit dem Fahrplanwechsel im Dezember gar nicht mehr in den Apps angezeigt.

Wie diese Informationen zustande kommen, das kann sich auch die Länderbahn nicht erklären. Auf Anfrage unseres Medienhauses heißt es, dass alle Daten korrekt an die Deutsche Bahn, die das Schienennetz betreibt, weitergeleitet worden seien. Die von Günter Schmauder verwendeten Apps liefen allerdings über andere Anbieter.

Eine Plattform für Online

Die Weichenstellung etwa für die MoBy-App übernimmt die 100-prozentige Tochter des Freistaates Bayern, die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG). Die betreibt das Hintergrundsystem der Fahrgastinformation des öffentlichen Verkehrs in Bayern mit der „Datendrehscheibe“ Defas (siehe Info). Laut Informationen der BEG auf Nachfrage unseres Medienhauses würden die Daten (also auch die der Länderbahn für die Strecke Lam-Cham) direkt an Defas geliefert, Veränderungen würden nicht vorgenommen. Das gelte auch für falsche, unvollständige oder nicht rechtzeitig gemeldete Daten.

„Die Eisenbahnverkehrsunternehmen sind auch für die korrekte Eingabe von Ersatzhaltestellen im Rahmen eines Schienenersatzverkehrs verantwortlich. Falls diese Angaben nicht korrekt sind oder ganz fehlen, kommen hierfür verschiedene Gründe in Frage, zum Beispiel Eingabefehler, Verwendung falsche Haltestellen-IDs, überschrittene Fristen oder fehlerhafte Einstellungen“, heißt es in der Stellungnahme der BEG. Womit immer noch nicht geklärt wäre, wo nun der Haken liegt, an dem unverständliche Wegbeschreibungen und verschwundene Buslinien liegen.

Für Günter Schmauder steht darum Anfang des Jahres jetzt schon fest, dass auch 25 Jahre nach der Jahrtausendwende wohl auch dieses Jahr die sichersten Informationen aus dem Medium zu erfahren sein könnten, die es seit der Gründung der Bahn schon gibt: aus einem gedruckten Fahrplan. Der Blick auf den Handy-Bildschirm könnte nicht nur darum trügen, weil Daten vielleicht nicht richtig übermittelt worden sind, wie die BEG auch noch mitteilt. Denn während die MoBy-App mit ihren Daten bespielt werde, gelte das beispielsweise für die von Schmauder verwendeten Wohin-Du-willst-App gar nicht.

Online-Information

Defas: Die Datendrehscheibe Defas Bayern enthält laut Information der BEG die Fahrplandaten „praktisch aller Verkehre in Bayern und zum Teil auch außerhalb Bayerns“. Bereits heute lieferten mehr als 100 Verkehrsunternehmen, Verkehrsverbünde und weitere Stellen wie kommunale Aufgabenträger ihre Fahrplandaten an Defas. Über zwei Drittel der Datenlieferanten übermitteln zusätzlich zu ihren Sollfahrplänen auch Echtzeitdaten an das Hintergrundsystem der BEG.

Nutzer: Inzwischen nutzten ungefähr 100 Abnehmer Defas. Neben MoBY, der Mobilitätsapp des Freistaats Bayern, zählten dazu unter anderem der Verkehrs- und Tarifverbund Großraum Nürnberg (VGN), der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV), die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die Stadtwerke Augsburg (swa), der Regensburger Verkehrsverbund (RVV) und die Bayerische Regiobahn (BRB). Auch die Deutsche Bahn greife auf Informationen aus Defas zurück, beispielsweise auf Echtzeitdaten diverser bayerischer Busunternehmen sowie auf Tarifdaten von Verkehrsverbünden.