Dobrindt stellte sich in Mainburg den Demonstranten

Eigentlich kam der Spitzenkandidat der CSU im Bundestagswahlkampf Alexander Dobrindt nach Mainburg, um beim Neujahrsempfang der Christsozialen am Samstag aufzutreten. Doch er war auch als Ansprechpartner für die Demonstranten gefordert, die sich für den Erhalt des Krankenhauses mitsamt Notaufnahme einsetzten.
2500 Menschen beteiligten sich laut Polizeiangaben an einer Demonstration in der Stadt. Rund ein Zehntel davon kamen danach vor das Autohaus Köhler, in dem der Empfang stattfand. Dort skandierten sie lautstark ihre Forderungen, während der Empfang lief. Laut Organisatoren der Demonstration wollte man so ein Gespräch mit Dobrindt einfordern.
„Wir wollen Sie auf unsere Seite ziehen“, sagte der Organisator der Demonstration Werner Hampel, als Dobrindt das Autohaus verlies. Der hatte bewusst den Empfang, bei dem gerade ein Podiumsgespräch zum Thema regionale Wirtschaft mit ihm als Teilnehmer lief, vorzeitig verlassen, um mit den Demonstranten zu sprechen.
Angst um die Liebsten
Hampel betonte, dass viele Menschen in der Region Ängste hätten. „50.000 Menschen befürchten, dass sie ihre Liebsten nicht mehr in eine Notaufnahme bringen können.“ Dobrindt erwiderte, dass auch in seiner Heimatregion Kliniken von Schließungen betroffen sind. Zugegebenerweise kenne er die Situation in Mainburg nicht – letztendlich müsse man die Probleme vor Ort lösen.
Das gefiel Hampel nicht: Die Kreispolitiker ihrerseits würden die Schuld doch beim Bund suchen. Dobrindt erklärte, dass in seinen Augen die derzeitige, von der Ampelregierung hervorgerufene Situation, Grund allen Übels ist.
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Die Gesetzeslage müsse geändert werden, damit die Landkreise wieder handeln könnten. Konkret sei eine Brückenfinanzierung notwendig, damit die Defizite nicht an den Kreisen hängenbleiben würden. Diese Forderung hatte er schon bei seiner Rede beim Empfang aufgestellt.
Auch Wahlkreisabgeordneter Florian Oßner stellte beim Empfang fest: „Die Krankenhausreform der Ampel war nicht gut.“ Darauf, bei der Hauptforderung der Demonstranten, die Notaufnahme zu erhalten, eine Zusage zu machen, ließen sich weder Dobrindt noch Landrat Martin Neumeyer ein. Der Spitzenkandidat hatte dazu beim Empfang gesagt, auch ohne Notaufnahme sei eine medizinische Versorgung möglich. Immerhin sagte der Landrat Gespräche mit der Initiative zum Erhalt des Krankenhauses zu. „Lassen Sie uns gemeinsam eine Lösung finden“, rief Hampel alle auf, bevor Dobrindt zum nächsten Termin entschwand.
Gespräch als gutes Zeichen
Auch wenn es keine konkreten Zusagen gab, zeigte sich Hampel mit dem Verlauf des Tages nicht unzufrieden: „Das Gespräch war ein gutes Zeichen.“ Während des Tages hatte er auch einen Bürgerentscheid ins Spiel gebracht.
Mit einem Segen für die Demonstranten, bevor diese durch die Stadt zogen, begann der Protesttag. Den gaben Stadtpfarrer Josef Paulus und Pater Lukas vom Paulinerkloster. Beide hatten einen Grund: Paulus ist für einen Erhalt aller kleinen Krankenhäuser. Er selbst habe schon mehrfach in Mainburg und anderswo Hilfe erhalten. Und vor allem für die alten Menschen wäre doch eine wohnortnahe Versorgung gut.
Pater Lukas nennt das Mainburger Krankenhaus seinen Lebensretter, nachdem er vor einigen Jahren eine akute Blinddarmentzündung hatte. Demonstrationsteilnehmer Hermann Freitag berichtete dieser Zeitung eine ähnliche Geschichte: „Ich hatte 2022 einen Herzinfarkt, da wurde ich noch an einem Sonntagabend notoperiert.“ Er sie sich nicht sicher, ob so etwas in Zukunft noch möglich wäre. Als der Demonstrationszug am Krankenhaus vorbeikam, gab es dorthin Applaus. Einige Angestellte an den Fenstern winkten zurück.


