Fünf Flächen möglich: 20 Hektar großes Umspannwerk im Regensburger Norden geplant

Der Hunger nach Strom wächst in Regensburg. Um ihn zu stillen, bedarf es einer Verstärkung des Stromnetzes – und eines zusätzlichen, 20 Hektar großen Umspannwerks im Norden der Stadt.
Tennet fahndet aktuell nach geeigneten Gebieten. Suchräume sind im Stadtnorden sowie in den Gemeindegebieten von Wenzenbach und Zeitlarn ausgemacht.
„Als politisch denkender Mensch kann ich nachvollziehen, dass man die Leitung für die Energiewende braucht“, räumt Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch zwar ein, doch weder er noch seine Zeitlarner Amtskollegin Andrea Dobsch sind erpicht auf die Realisierung des Umspannwerks im jeweiligen Gemeindegebiet. „Es ist immer problematisch, wenn ein Umspannwerk dieser Größe in einer Gemeinde geplant wird“, sagt Koch.
Große Beeinträchtigung, wenig Gewerbesteuer
Die landschaftliche Beeinträchtigung sei enorm, die Entschädigung dafür in Form der Gewerbesteuer dagegen recht bescheiden – zumindest verglichen mit einem Gewerbegebiet in entsprechender Dimension.
Dobsch gibt zu bedenken: „Es ist natürlich was anderes, ob ich das Ding auf die grüne Wiese stelle oder ob die Umgebung schon industriell genutzt wird.“ Koch und Dobsch sind sich einig bezüglich ihrer favorisierten Fläche: der Suchraum im Norden von Haslbach auf Regensburger Gebiet. Die Stadt konnte auf MZ-Anfrage noch keine Einschätzung zu der Fläche geben.
Für sichere Versorgung
Markus Kretzler ist Referent für Bürgerbeteiligung und Projektkommunikation bei Tennet. Mit seinen Kollegen erläuterte er am Dienstagnachmittag im Aurelium in Lappersdorf interessierten Bürgern Hintergrund und Planungsstand des benötigten Umspannwerks. Um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten, wird die bestehende 220kV-Stichleitung von Schwandorf bis Regensburg modernisiert und um einen zweiten Stromkreis erweitert. Beide sollen dann auf 380 Kilovolt umgestellt werden. Dafür sei jedoch zunächst der Bau eines zusätzlichen Umspannwerks im Regensburger Norden vonnöten, da in der bestehenden Anlage im Hafen keine Fläche für eine Nachrüstung zur Verfügung stehe.
Verkaufen Grundstückseigentümer ihre Flächen?
Nur wo soll dieses neue Umspannwerk entstehen? Dobsch argumentiert vehement gegen die potenzielle Fläche im Osten Zeitlarns. Zum einen sei die Erweiterung eines Wohngebietes in diese Richtung möglich und im Flächennutzungsplan bereits eingetragen. Zum anderen seien die unversiegelten Flächen wichtig für das Sturzflutmanagement bei Starkregen. Und das angrenzende Waldgebiet sei ein beliebter Naherholungsort. „Wir selbst haben uns in dem Gebiet immer beschnitten, etwa bei Überlegungen zu einer Umfahrung von Zeitlarn“, sagt Dobsch. Umso bitterer wäre es, wenn dort nun ein Umspannwerk entstünde. Von Grundstückseigentümern habe sie aber die Rückmeldung, dass sie ihre Flächen nicht dafür hergeben wollen.
Der Bau soll in drei Jahren beginnen
Kretzler informiert, dass man demnächst in die vertiefte Analyse der Suchräume gehe und Bemühungen aufnehme, sich geeignete Flächen zu sichern. Die Atmosphäre beim Infomarkt in Lappersdorf, bei dem auch Grundstückseigentümer zugegen waren, empfand er als „aufgeschlossen“. Auf Befürchtungen von Bürgern, etwa hinsichtlich elektromagnetischer Felder – „Wenn man am Zaun der Anlage steht, ist der Grenzwert schon unterschritten“ – oder Lärmbelästigung, konnte Kretzler eingehen: „Die Trafos brummen. Aber sollten wir nahe an der Wohnbebauung sein, haben wir Mittel, sie einzuhausen.“
Der Tennet-Zeitplan sieht die Baugenehmigung bis Ende 2027 vor. Der Baubeginn des Umspannwerks soll im Frühjahr 2028 erfolgen, in Betrieb gehen soll es drei Jahre später, im zweiten Quartal 2031.
Alternativen sind rar
Aber hoffentlich nicht in Wenzenbach, wenn es nach Sebastian Koch geht. Die potenzielle Fläche bei Grünthal sei zu hügelig und zu nah am Dorf. Das Areal zwischen Fußenberg, Wasserwerk und Hesperidengarten grenzt an ein Wasserschutzgebiet und ein Überschwemmungsgebiet des Wenzenbachs. Außerdem hat die Verwaltung eine angrenzende Fläche Richtung Sandstraße als Wohngebiet im Blick. „Wie attraktiv kann man ein Baugebiet bei einem Umspannwerk gestalten?“, stellt Koch eine Frage in den Raum. Gleich die Schotten dicht zu machen, bringe nichts, er wolle im Gespräch mit Tennet bleiben. Bloß: „Mir fällt auch keine Alternativfläche ein, die wir anbieten könnten.“ Zumindest in Wenzenbach nicht. Zum Suchraum bei Haslbach sagt Koch übereinstimmend mit Kollegin Dobsch: „Die Fläche finde ich am attraktivsten. Da würde das Umspannwerk am wenigsten stören.“

