Mögliches Umspannwerk in Hungersacker: Entscheidung fällt im Januar

Auf dem Höhenrücken über Hungersacker gab es auf Einladung des Wörther Bürgermeister Josef Schütz am Dienstag ein „Gipfeltreffen“ zum möglichen Umspannwerk. Tennet will auch Alternativstandorte prüfen.
Verantwortliche von Tennet und Bayernwerk hatten zusammen mit den CSU-Bundestagsabgeordneten Martina Englhardt-Kopf und Peter Aumer von der Kreisstraße aus einen guten Blick auf die Wiesen und Ackerflächen, auf denen aller Voraussicht nach ein rund 30 Hektar großes Umspannwerk entstehen soll. Allerdings gibt es im Umkreis von einigen Kilometern noch Alternativstandorte. Dass das Umspannwerk lieber dort entstehen soll, hoffen die Hungersackerer.
„Verträgliche Lösung“ gefordert
„Jeder Meter weiter weg vom Ort zählt“, sagten die Anwohnerin Lena Schöberl und Bürgermeister Josef Schütz. Sollte das Werk an der Kreisstraße bei Hungersacker gebaut werden, wären es nur rund 250 Meter Entfernung zu den ersten Häusern. „Wir brauchen eine verträgliche Lösung, bitte denken Sie auch an das Schutzgut Mensch und das Schutzgut Landwirtschaft“, appellierte die Abgeordnete Martina Englhardt-Kopf an die Planer von Tennet und Bayernwerk und forderte zudem, Leitungen wo immer möglich zu bündeln. Sie räumte aber auch ein: „Wir wollen die erneuerbaren Energien verdreifachen und brauchen dazu den Netzausbau.“ „Die Bürger müssen im Boot sein“, forderte auch Kollege Peter Aumer.
„Wir werden uns die Alternativstandorte noch sehr genau anschauen“, versicherte Gunnar Heinitz, Projektleiter der 110 Kilometer langen Ostbayern-Achse, auf der Tennet Strom von Schwandorf nach Pleinting transportiert. Die Kapazität soll auf der bereits bestehenden Leitung nach ihrem Ausbau bis zu 380 KV Höchstspannung deutlich gesteigert werden. Um vor allem grünen Strom aus PV-Anlagen und Windkraftwerken einspeisen zu können, brauche es drei Umspannwerke. Zwei davon müssen neu gebaut werden, eines im Bereich Hungersacker, eines im Bereich Straubing/Plankstetten. Dr. Andreas Schieder vom Netzbetreiber Tennet sprach von einer der wichtigsten Achsen von PV-Strom in Bayern.
„Wir nehmen ihre Vorschläge ernst“, versprach der Tennet-Planer Heinitz und hatte noch eine gute Nachricht: Möglicherweise könne das bisher geplante 28 bis 30 Hektar große Werk mit einem um zehn bis 30 Prozent geringeren Flächenverbrauch gebaut werden. Interessant für die Planer scheint auch noch ein im Wald gelegener möglicher Standort zwischen Hungersacker und Wörth zu sein. Beide Aspekte wären von Bedeutung, „denn es gibt bei uns 60 Prozent Wald, aber wenig Ackerflächen und Wiesen“, wie Josef Schütz sagte. Und der Verlust von Ackerflächen gefährde bäuerliche Existenzen.
Dem Gespräch in Eiseskälte an der Kreisstraße folgte Teil 2 im geheizten Hungersackerer Feuerwehrhaus. An die 50 Anwohner hatten sich dort eingefunden, um mit den Fachleuten und Politikern zu diskutieren. Dem Bürger Franz Wittmann schwante dabei Übles. Es bleibe ja nicht nur bei der einen Hochspannungsleitung und dem Umspannwerk. Zu dem Werk müsse ja ein ganzes Spinnennetz von Leitungen entstehen, die den Strom von PV-Anlagen und Windkraftwerken zum Einspeisen liefern. „Da kommt noch viel dazu“, befürchtete der Anwohner, empfahl, das Werk doch bei Industriestandorten zu bauen und grantelte: „Mir Deppen derfen uns dann dauernd das ganze Klump oschaun.“
Man werde in der Tat zwei zusätzliche Hochspannungsleitungen brauchen, die nach Nordosten Richtung Falkenstein verlaufen werden, räumte Sebastian Kick von der Bayernwerk Netz GmbH ein. Normalerweise brauche es bei solch einem Umspannwerk vier bis sechs Leitungen, „aber wir kommen mit zwei aus“.
Viele Bedenken geäußert
Angesichts vieler im Feuerwehrhaus geäußerter Bedenken sagte Bürgermeister Schütz abschließend: „Wir werden Euch beim Wort nehmen, die Alternativstandorte ernsthaft zu prüfen“ und überreichte 884 Unterschriften von Bürgern, die genau dies fordern.
