Steinplatten komplett schwarz: Unbekannte verschandeln Steinerne Brücke in Regensburg

Von Heike Haala · 22. Januar 2025 um 13:42

In den vergangenen Tagen hinterließen Unbekannte mit Spraydosen an mehreren Stellen in der Regensburger Altstadt Botschaften: Neben den Schaufestenstern sowie Autos im Bereich der Rote-Hahnen-Gasse und dem Sorat-Hotel traf es auch die Steinerne Brücke.

Mehrere große Steinplatten des Geländers sind schwarz besprüht. Damit machten sich die Unbekannten an einem der beiden Wahrzeichen der Stadt zu schaffen. Nicht nur Touristen überqueren die Brücke täglich. Auch die Regensburger schätzen das Bauwerk als schnellen Fußweg mit Charme oder als Treffpunkt mit imposanter Kulisse. Ob Uni, Albertus Magnus Gymnasium oder Betreuungsverein – die Bögen der Brücke sind zudem in vielen Logos zu sehen.

Zu den Schmierereien kam es, nachdem die AfD-Landtagsfraktion in der vergangenen Woche im Sorat-Hotel tagte. Zunächst waren am Geländer der Steinernen Brücke orangefarbene Botschaften zu lesen, die sich gegen die AfD richteten. Diese wurden nun schwarz übersprüht – und das sehr gründlich. Die Steinplatten sind komplett schwarz, am Boden finden sich Kleckse.

Zwei Anzeigen laufen

Laut Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, tauchten am 14. Januar politische Parolen an drei Brüstungselementen auf. Die schwarze Übermalung habe die Stadt am Montag entdeckt. In beiden Fällen habe die Stadt Anzeige erstattet.

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„Sobald es die Witterung zulässt und die Firma, die bereits kontaktiert wurde, Zeit hat, werden die Steine gereinigt“, kündigt von Roenne-Styra an. Momentan geht die Stadt davon aus, dass die Steine vollständig gereinigt werden können. Das wird laut einer Schätzung der Pressesprecherin etwa 2000 Euro kosten. Zudem spricht sie von einem gewissen Aufwand, da es sich um Natursteine handelt. Etwa das Niederdruck-Wirbelstrahlverfahren oder das Wasserstrahlverfahren kommen dafür in Frage. Eugen Trapp, Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde sagt, dass es sich bei den Granitsteinen auf der Steinernen Brücke um Steine handelt, die zwischen 2010 und 2018 verbaut wurden. „Bei alten Baumaterialen und Oberflächen geht aufgrund der Reinigungen historische Substanz bedauerlicherweise verloren“, erklärt er.

Schmierereien an der Steinernen Brücke: Ermittlungen laufen

Die Regensburger Polizeiinspektion (PI) Nord ermittelt derzeit in dieser Angelegenheit wegen einer Sachbeschädigung an den betroffenen Brückensteinen. Das Ermittlungsverfahren läuft seit Dienstag. Hinweise auf den Verursacher seien momentan nicht vorhanden. Bei Ermittlung des Täters droht diesem laut Auskunft der Polizei eine Geldstrafe.

„Solche Vorfälle sind nicht nur optisch problematisch, sondern auch emotional belastend für unser Team“, sagt Nicolas Meißner, Chef im Sorat-Hotel, über den Vandalismus an der Fassade dieses Betriebs. Der Schriftzug soll Anfang kommender Woche von einem Malerfachbetrieb übertüncht werden. Der Termin sei jedoch abhängig von den Außentemperaturen. „Bei Minustemperaturen deckt die Farbe nicht“, erklärt Meißner. Dafür sei eine Spezialgrundierung nötig. „Anschließend wird ein Großteil der Fassade im unteren Bereich neu gestrichen“, kündigt der Hotel-Chef an. Die Kosten müsse das Hotel selbst tragen. Meißner spricht von etwa 1500 Euro. Die PI Nord bittet in beiden Fällen um Hinweise aus der Bevölkerung unter der Telefonnummer (09 41) 5 06 22 21.

Derweil ist der Schriftzug mit Tüchern verhangen. Zu erkennen war am Dienstag lediglich der untere Teil des Graffiti: „ist nicht unpolitisch“. Damit beziehen sich die Täter wohl auf eine Stellungnahme des Hotels: Nachdem die von zahlreichen Protesten begleitete AfD-Tagung publik geworden war, bezeichnete sich das Hotel als unpolitisch. Auch jetzt nutzt Meißner die Gelegenheit, das Hotel als „neutralen Gastgeber für Veranstaltungen unterschiedlichster Art“ zu bezeichnen, der Extremismus entschieden ablehne. „Als Hotel ist und bleibt unser Fokus auf einem respektvollen Miteinander und Gastfreundschaft – unabhängig von Herkunft, Religion oder Weltanschauung“, sagt er.

Auch in den Wochen zuvor wurden der Polizei mehrere große Schriftzüge im Stadtgebiet gemeldet: Anfang Januar wandte sich ein Zeuge an die PI Süd, weil er ein frisches Graffiti in der Wöhrdstraße entdeckt hatte – eine riesige Sprayerei mit Ausmaßen von fünf mal zwei Metern und politischer Zielrichtung. Hinweise dazu gehen an die Kriminalpolizei unter der Telefonnummer (0941) 5 06 28 88.

Mehrere große Sprayereien

Noch größer und so frisch, dass die Farbe noch nicht einmal getrocknet war, war ein Schriftzug, den der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma Anfang Dezember an einem abgestellten Zug auf Gleis 309 auf Höhe Lilienthal- und Yorckstraße entdeckt hatte. Laut der Bundespolizei betrugen seine Aumaße 15 Quadratmeter. Es entstand ein Sachschaden von etwa 750 Euro.