Ein Dorf wächst um ein Drittel – Und die Einwohner haben keine Sorgen

Von Jochen Dannenberg · 22. Januar 2025 um 15:00

Die Stadt wächst. Immer mehr Menschen ziehen nach Neustadt a.d Donau und wollen hier ihren Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen. Das hat auch Auswirkungen auf die Ortsteile. Ein kleines Dorf wird deshalb um rund ein Drittel wachsen. Weckt das Angst vor „Überfremdung“?

Es war einer der Tagesordnungspunkte der jüngsten Stadtratssitzung im Neustädter Rathaus, der deutlich machte, was die Bevölkerungsentwicklung für Neustadt a.d. Donau bedeutet. Es geht längst nicht mehr nur um Wohnungen und Appartements in der Kernstadt und Bad Gögging. Es geht vor allem auch um Einfamilienhäuser und Doppelhäuser. Zuletzt war deshalb der Ortsteil Irnsing um das Baugebiet Oberfeld II erweitert worden. Auch hier ging es vor allem um Häuser für Familien.

Doch das reicht nicht. „Im Stadtgebiet von Neustadt a.d. Donau ist aktuell noch immer ein großer Bedarf an Bauplätzen, vor allem für Einfamilienhäuser festzustellen“, stellte Bürgermeister Thomas Memmel in der Stadtratssitzung am Montagabend fest. „Aus diesem Grund beabsichtigt die Stadt die Entwicklung weiteren Baulands im Ortsteil Heiligenstadt, um so dem Siedlungsdruck entsprechend zu begegnen.“

„Lückenschluss“ erwartet

Geplant ist die Bebauung einer bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche westlich der Hauptstraße nach Bad Gögging. Sie befindet sich zwischen dem Dorfkern im Süden sowie der Schreinerei im Norden. Der Standort würde durch seine Lage einen „Lückenschluss“ in der bestehenden Bebauung bedeuten, erklärte Memmel.

Das neue Baugebiet würde freilich auch bedeuten, dass Heiligenstadt und Bad Gögging dichter zusammenwachsen. Im Kurort schließen sich an der Ortsgrenze Hotels, Seniorenwohnanlagen und die Limes-Therme an. Außerdem ist auch hier für eine letzte Baulücke am Ortseingang eine Bebauung vorgesehen.

Für Heiligenstadt geht es um eine erhebliche Ausweitung der Bebauung. So wie der Flächennutzungsplan am Montag einstimmig geändert und der neue Bebauungsplan „Heiligenstadt“ einstimmig vom Stadtrat beschlossen wurden, wächst der Ort um ein Drittel. Neun Bauplätze werden geschaffen, rund 30 Anwesen gibt es bisher.

Gibt es deshalb Sorgen vor Überfremdung bei den 114 Einwohnern von Heiligenstadt? Kaum. „Das Projekt wurde durch die Anfragen von bauwilligen Anwohnern angestoßen“, sagte der Bürgermeister. Anders formuliert: Hier wollen Kinder der Einwohner bauen. Auch deshalb werden die Bauplätze in dem 6000 Quadratmeter großen Areal nicht aktiv über die kommunale Wohnungsbau- und Stadtentwicklungsgesellschaft WBE vermarktet.

Es bleibt ein Dorf

So klar damit der Weg ist, der für Heiligenstadt beschritten wird, so ist damit noch nicht alles erledigt. Die Mitarbeiter des Büros KomPlan aus Landshut, das mit den Planungen beauftragt ist, haben in der Stadtratssitzung darauf hingewiesen, dass mittels größerer Baugrenzen auch eine Erweiterungsmöglichkeit für den Bestand geschaffen werden soll. Zudem werde durch die Einbeziehung des Bestands eine Nutzungsmischung von Landwirtschaft, Gewerbe und Wohnen erreicht. Das betone wiederum den dörflichen Charakter.

Damit verbunden ist jedoch auch, dass von den benachbarten Betrieben – zum Beispiel der Schreinerei und der Landwirtschaft – Immissionen ausgehen können. Hierfür wurde ein Schall- und Geruchsgutachten erstellt.

Die Sachverständigen kommen in ihrem Gutachten zu dem Schluss, dass die Immissionsrichtwerte für ein „Mischgebiet Dorf“ eingehalten werden, sofern eine vier Meter hohe und 18 Meter lange Schallschutzwand im Süden des künftigen Baugebiets errichtet werde. Eine Überschreitung der zulässigen Geruchsbelästigung liege im übrigen nicht vor, sagen die Gutachter.

Westlich der Hauptstraße könnte das neue Baugebiet auf der jetzt landwirtschaftlich genutzten Fläche entstehen. Foto: Dannenberg
Das Baugebiet wäre ein „Lückenschluss“ und würde den Übergang nach Bad Gögging dichter gestalten. Foto: Dannenberg