Ein Stück Porsche in Roding: Auf dem Weg zur Autobatterie der Zukunft

Auch wenn nicht Porsche draufsteht, ist doch Porsche drin: die Firma Cellforce, die sich in Roding (Landkreis Cham) angesiedelt hat, ist eine 100-prozentige Tochter der Zuffenhausener Bolidenschmiede. So leise wie sie gekommen ist, so leise soll es auch um sie bleiben: Außer, dass sie da ist, will Porsche nichts dazu sagen.
„Da sich die Cellforce Group aktuell noch im Aufbau befindet, bitte ich um Nachsicht, dass wir uns dazu im Moment im Detail nicht weiter äußern können“, so ein Porsche-Sprecher auf Nachfrage. Zumindest in einem weiteren Zitat findet sich der Ansatz dafür, was das Unternehmen Cellforce hier macht.
„Die Factory (1,3 GWh) der Cellforce Group befindet sich zur Zeit im Bau, der Fertigstellungstermin ist für Mitte 2025 in Kirchentellinsfurt avisiert. Parallel wird aktuell an weiteren Standorten Forschung und Entwicklung betrieben“, so der Sprecher vom Porscheplatz 1 in Stuttgart.
Forschung und Entwicklung
Es geht in Roding um Forschung und Entwicklung für den Aufbau einer Autobatteriefabrik für Porsche in Kirchentellinsfurt. Und in dem Zusammenhang geht es um die Nähe zu hiesigen Firmen, die Unternehmenssparten wie die E-Mobilität unterhalten oder hierzu Forschen. Gleich zwei Standorte bieten sich da in Roding für die Cellforce Group an – an beiden ist sie vertreten: am Conti-Standort am Eisenhart, wo etwa AVL zuhause ist oder auch noch Vitesco Technologies, wie im Schatten der Mühlbauer AG an der Wernher-von-Braun-Straße 8 im Industriegebiet am Bahnhof in Roding.
Hier hat die Cellforce Group ein „Assembly Innovation Center“ (AIC) eingerichtet, also ein Montage-Innovationszentrum, das vom Namen her schon sagt, wo es hingehen soll. Hierfür sucht Cellforce immer wieder neue Mitarbeiter, aktuell etwa einen Musterbaukoordinator oder auch Produktionsmitarbeiter.
Flexibel für Arbeitsort
Solche sollen als Anlagenbediener eingesetzt werden, Erfahrungen im Bereich Elektromobilität oder Automobil seien wünschenswert, heißt es in der Ausschreibung.
Interessant ist der Zusatz, dass von dem Mitarbeiter Reisebereitschaft und Flexibilität hinsichtlich Einsatz- und Arbeitsort, „welcher zunächst an unserem Standort in Roding sein wird“, gefordert wird. Demnach scheint Roding nur ein Übungsort für die Produktion zu sein, um dann nach Fertigstellung der Fabrik in Kirchentellinsfurt dort eingesetzt zu werden. Neben Kirchentellinsfurt und Roding sind noch Tübingen, Bietigheim-Bissingen und Mindelheim als Standorte von Cellforce genannt.
Lesen Sie dazu auch: Die Politik zu Gast in der Rodinger Zukunftsschmiede für das autonome Fahren
Das Unternehmen bietet laut eigener Darstellung „ein dynamisches Arbeitsfeld mit hoch spannenden und zukunftsweisenden Projekten.“ Ergänzt wird die Stellenausschreibung mit einem Zitat von Porsche-Chef Oliver Blume. „Die Batteriezelle eines Autos ist der Brennraum der Zukunft.
Als Porsche-Tochterunternehmen gestaltet die Cellforce Group mit Leidenschaft die Mobilität von morgen: Die Cellforce Group erforscht, entwickelt und produziert leistungsfähige Batteriezellen für automobile Spezialanwendungen – made in Germany. Damit will sich die Cellforce Group an die Spitze des globalen Wettbewerbs setzen und die Verbindung von effizienten Mobilitätsnutzen und Nachhaltigkeit neugestalten“, heißt es da.
Mühlbauer AG baut bei Porsche-Batteriefabrik mit
Die beiden Cellforce-Standorte in der Stadt sind die einzigen Sitze von Cellforce außerhalb von Baden-Württemberg. Und das hat einen bestimmten Grund, der in der Nachbarschaft liegt. Die Mühlbauer AG zählt zu den Firmen, die von Porsche ausgewählt wurden, um beim Aufbau der eigenen Porsche-Batteriefabrik mitzuhelfen – etwa die Produktionsmaschinen dafür zu bauen.
Laut eines Berichts des Handelsblatts aus dem Jahr 2022 gehört Mühlbauer neben BASF, Dürr und Manz zu den ausgewählten Unternehmen, die hier Aufträge für die Umsetzung bester Lösungen des Fertigungsverfahrens erhalten. Bereits ab diesem Jahr sollen jährlich 10 000 Hochleistungsbatterien in Reutlingen gebaut werden – samt modernster Technologie in den Akkus. Für die Entwicklung und Herstellung künftiger Hochleistungsbatteriezellen brauche es starke Partnerschaften, hatte Porsches Entwicklungschef Michael Steiner dem Handelsblatt gesagt.
Mühlbauer hat seit etwa 2022 einen eigenen Unternehmensbereich, der sich mit E-Mobilität und vor allem mit Batteriebau beschäftigt. Gebaut werden vollautomatische, komplette Zellmontageanlagen, die laut Homepage des Unternehmens schnell und kostengünstig sein sollen – kombiniert mit niedrigem Energieverbrauch und dazu CO2-neutral. Dazu bietet die Firma ein Batteriemanagementsystem, das den gesamten Betriebszyklus von Elektrofahrzeugen verwaltet und für die Sicherheit des Batteriesystems sorgt.
Eine gewisse Nähe zu Porsche gab es vor allem von Unternehmensgründer Josef Mühlbauer immer. Der Firmengründer sammelt selbst die Porsche-Boliden und lud in den vergangenen Jahren immer wieder zu großen Porsche-Events nach Roding ein.
Porsche Batterie
Cellforce: 2021 hatte Porsche laut wikipedia mit der Fraunhofer Ausgründung Customcells das Joint Venture Cellforce zur Batterieherstellung gebildet, das heute ganz zu Porsche gehört. Im Oktober 2022 wurde der Grundstein für eine Fabrik bei Reutlingen gelegt. Dabei setzt Porsche auf einen hohen Anteil an Silizium in der Anode, wodurch die Speicherfähigkeit verzehnfacht werden soll.
