Regensburg ist bunt –und das ist auch gut so

Von Christian Eckl · 20. Januar 2025 um 19:00

Nach und nach stellt sich heraus, dass auch die kleinen Parteien im Regensburger Stadtrat eigene Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters aufstellen. Wieso das gut ist, kommentiert MZ-Autor Christian Eckl.

Wahlen sind Sternstunden der Demokratie. Leider scheint das nicht mehr selbst verständlich zu sein. Gerade Kommunalwahlen kämpfen immer um Aufmerksamkeit und mit niedriger Beteiligung. Es ist geradezu so, als wäre es vielen Menschen, die hier leben, die Infrastruktur nutzen und sich gerne auch mal darüber beklagen, wenn die Buspreise zu teuer sind, einfach egal, wer hier regiert. Die Wahrheit ist: Auf keiner Ebene können wir, die Wähler, der Souverän, unmittelbarer entscheiden, wohin die Reise geht. Kommunalwahlen sind die Sternstunden auch des Bürgers.

Dass derzeit allerdings die meisten Menschen in Richtung Berlin blicken, liegt auch auf der Hand. Denn dort entscheidet sich am 23. Februar, ob dieses Land aus der Lethargie herausfindet. Ob die neue Regierung alles besser macht? Das bleibt abzuwarten.

Die Herausforderungen in Regensburg sind andere. Jahrelang lebte die Stadt auch deshalb wie die Made im Speck, weil der Wirtschaftsmotor lief. Doch es gibt auch viele Schattenseiten des Erfolgs: Kürzlich fragte eine MZ-Reporterin in einem Artikel zu recht, wie es sich anfühlt, mit 1500 Euro netto in einer Stadt wie Regensburg zu leben. Der Erfolg Regensburgs bringt uns zwar demnächst ein drittes Hallenbad, doch immer mehr Menschen wissen nicht, wie sie ihre Miete bezahlen sollen.

Dass es in Regensburg seit vielen Jahren gerade kleine Parteien sind, die immer wieder ihren Finger in die Wunde legen, macht die Stadt nicht unbedingt regierbarer. Aber es ist gut so, dass unterschiedliche Perspektiven eingebracht werden. Es ist gut so, dass es sogar zwei umweltbewusste Parteien gibt, eine eher konservative (ÖDP), eine eher progressiv (Grüne). Und ja, dass sogar Einzelstadträte immer wieder heiße Eisen ins Gespräch bringen, wer hätte das gedacht?

Insofern ist Regensburg bunt. Und das ist wirklich auch gut so. Wenn der Wähler wirklich die Wahl hat, wird Demokratie auch wieder spannend.