„Grenzüberschreitender“ Verkehr steht in Neustadt vorm Aus

Von Jochen Dannenberg · 19. Januar 2025 um 11:40

Einst kämpfte Günter Schweiger für Bahntickets, die nicht nur bis zur Grenze des Landkreises, sondern auch darüber hinaus gültig waren. Dann kam das Deutschlandticket und dann das Landratsamt Kelheim. So zerplatzte der Traum des früheren Stadtrats und jetzigen 2. Bürgermeisters. Richtig traurig ist der deshalb aber nicht.

Die Angelegenheit ist auch ein Paradebeispiel für Bürokratie, wozu man wissen muss: Es gab eine Zeit, da gab es für die Eisenbahn kein Deutschlandticket. Da endete die Gültigkeit beispielsweise einer Eisenbahnfahrkarte an der Grenze eines Landkreises oder einer Stadt. Das wollte einst ein damaliger Stadtrat aus Neustadt a.d. Donau nicht akzeptieren und kämpfte für die Gültigkeit von Fahrkarten über Landkreis- und Stadtgrenzen hinaus.

Sechs Jahre setzte sich Günter Schweiger, heute 2. Bürgermeister von Neustadt a.d. Donau, für die Nutzung eines Tickets im Bereich des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV) über den Landkreis Kelheim hinaus bis nach Münchsmünster (Landkreis Pfaffenhofen) ein. Der wurde bis dahin vom Ingolstädter Verkehrsverbund bedient, weshalb ein RVV-Ticket zum Beispiel bis nach Neustadt, aber nicht bis nach Münchsmünster galt.

Schweiger setzte sich durch

Am Ende hatte Schweiger gewonnen, nachdem der Mobilitätsausschuss des Landkreises Kelheim im Herbst 2020 grünes Licht für die Ausweitung des RVV nach Münchsmünster gegeben. Umgekehrt galt, dass künftig in entgegengesetzter Richtung die Verkehrsgemeinschaft Region Ingolstadt (VGI) bis nach Neustadt a.d. Donau galt.

Die Neuregelung kam einer kleinen Sensation gleich, wurden doch damit die Grenzen der beiden Tarifgebiete, die sich zwischen den beiden Orten befand, aufgehoben. Zuvor hatte sich der Landkreis Kelheim immer wieder dagegen verwehrt, dass er Schweigers Vorhaben unterstützen werde. Als Hauptgrund wurden immer wieder die Kosten für das Projekt genannt.

Nach sechs Jahren änderte der Landkreis schließlich seine Meinung und der Mobilitätsausschuss des Landkreises genehmigte 37 500 Euro für die Ausweitung des Tarifgebietes. Allerdings geschah dies auch unter der Voraussetzung, dass sich die Stadt Neustadt mit demselben Betrag an dem Vorhaben beteiligte und der Landkreis Pfaffenhofen seinerseits 75.000 Euro aufbrachte. So kam es denn auch.

Damit galt: zwei Tarifgebiete, aber nur ein Fahrschein. „Das ist absolut erfreulich“, freute sich Günter Schweiger. „Das bringt den Menschen an der Landkreisgrenze und der Grenze zwischen Oberbayern und Niederbayern, die bisher die Tarifgebiete trennte, Vorteile.“

Jetzt ist das Ende dieser Regelung abzusehen. Der Landkreis will „Zwei Landkreise, ein Ticket“ nicht mehr unterstützen. Der Grund: Der „Vertrag über die Grundlagen der Zusammenarbeit und etwaige Defizitabdeckung zur Integration des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) aus Teilen des Landkreises Kelheim in das Verkehrs- und Tarifsystem des Regensburger Verkehrsverbundes" zwischen dem Regensburger Verkehrsverbund (RVV) und dem Landkreis Kelheim sollen zum „nächstmöglichen Zeitpunkt“ gekündigt werden. Wobei nächstmöglicher Zeitpunkt, so die Beschlussvorlage des Mobilitätsausschusses, „voraussichtlich“ der 31. Dezember 2025 ist.

Landkreis will sparen

Die Beschlussvorlage sagt auch, warum der Vertrag gekündigt werden soll. Es gehe um eine Kosteneinsparung „vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltslage“. Zugleich wird festgestellt: „Seit Einführung des Deutschlandtickets im Mai 2023 spielt der RVV-Tarif bei regelmäßigen Pendlem so gut wie keine Rolle mehr, da das RVV-Monatsticket weit über dem aktuellen D-Ticket Preis liegt.“

Für Neustadts 2. Bürgermeister Günter Schweiger kam die Entscheidung dennoch überraschend. Im ersten Moment, sagt er, habe ihm die Entscheidung „in der Seele weh getan“. Jahrelang habe er für die Vereinfachung des Ticketsystem gekämpft. „Aber hat das Deutschlandticket das RVV-Ticket überholt.“

Der Bahnhof Neustadt ist Teil des Regensburger Verkehrsverbunds (RVV). Foto: Dannenberg
Der Bahnhof Münchsmünster liegt im Zuständigkeitsbereich des Ingolstädter Verkehrverbunds. Foto: Dannenberg