Begleitumstände der AfD-Klausur in Regensburg: Leere Läden, Kritik am Hotel und eine Abfuhr

Von Rainer Wendl · 15. Januar 2025 um 05:00

Die Klausur der AfD-Landtagsfraktion zog nicht nur Protestaktionen nach sich, sondern hatte weitere kontroverse Begleiterscheinungen.

Als es an einem Samstag im Advent demonstrationsbedingt zu Absperrungen in der Altstadt kam, war der Aufschrei unter den Geschäftsleuten groß. „Vor Weihnachten ist das tödlich“, sagt Peter Götz, Inhaber von Tabak Götz in der Residenzstraße, über die dadurch entstehenden Frequenz- und Umsatzverluste. „Aber an einem Dienstag im Januar ist das auch nicht lustig.“ Wegen der Stippvisite der AfD-Landtagsfraktion war am Nachmittag nämlich für längere Zeit die Residenzstraße gesperrt.

„Eine Stunde lang ist kein Kunde gekommen“, klagt Götz. „Während dieser Zeit habe ich aber auch keinen Menschen von der AfD gesehen und nur 20, 30 Demonstranten.“ Obwohl er große Stücke auf die bayerische Polizei halte, frage er sich, ob man gleich die ganze Straße sperren habe müssen. Eine Mitarbeiterin der gegenüber liegenden Pro Optik-Niederlassung stößt ins gleiche Horn: „Es konnte niemand zu uns in den Laden, für den Umsatz ist das natürlich ganz schlecht.“

Hotel gibt keine Auskunft und erntet Kritik

Zusätzlichen Umsatz beschert hat der AfD-Besuch hingegen dem Sorat-Hotel am Oberen Wöhrd. Dafür mangelte es hier an Auskunftsfreude. Eine bereits am Montag gestellte telefonische Anfrage zur Bestätigung der Fraktionsklausur im Haus führte zur Bitte, eine Mail zu schicken, die dann jedoch nicht beantwortet wurde. Das am Dienstag erneuerte Ansinnen eines Gesprächs mit der Direktion wurde so quittiert: „Wir geben keine Auskünfte. Danke, auf Wiederhören.“

Im Netz war der Veranstaltungsort der AfD-Klausur aber längst ein Thema. Ludwig Simek vom Bündnis „Keine Bedienung für Nazis“ etwa wies darauf hin, dass sich das Hotel vor mehr als zehn Jahren dieser Initiative angeschlossen habe: „Eine solch klare Erklärung unterschreiben und dann die AfD willkommen heißen, geht gar nicht.“ Der MZ gegenüber machte Simek deutlich, eine Stellungnahme von dem Haus einzufordern. Andere Diskussionsteilnehmer wie beispielsweise Silvia Gross, Vorstandsmitglied der SPD-Frauen Regensburg, kündigten an, das Sorat von ihren Empfehlungslisten zu streichen.

Gross ging sogar noch einen Schritt weiter und schrieb das Hotel an. Bisher sei das Haus für sie eine gute Adresse gewesen, begann sie ihre Nachricht, um dann fortzufahren: „Damit wird es nun vorbei sein, nachdem Sie der AfD gestatten, in Ihrem Hotel zu tagen und dort ihre rechtsextremen Gedanken auszubrüten.“

Bereits am Dienstagvormittag, so berichtete sie, seien etliche Gleichgesinnte ihrem Beispiel gefolgt und hätten ebenfalls ihren Unmut gegenüber dem Hotel geäußert. Die Möglichkeit, dass die Buchung anonym erfolgt sein könnte, lässt Gross nicht gelten: „Es ist auch in der Arberhütte mal passiert, dass sich die AfD zunächst unerkannt eingeschleust hat. Die Wirtin hat sie anschließend aber dennoch vor die Tür gesetzt.“

Chauffeur-Service lehnt Beförderung ab

Ein anderes Regensburger Unternehmen hat der AfD derweil eine Abfuhr erteilt: „Bei uns wurde ein kurzfristiger Transfer von einem Hotel in Regensburg zur Walhalla für 30 Personen gebucht“, berichtet Kerstin Gietl von der Geschäftsführung des Chauffeurservice Airportliner. Drei Transporter wurden folglich am Dienstagvormittag zum Oberen Wöhrd entsandt, rückten aber unverrichteter Dinge wieder ab.

Gietls Erklärung dafür: „Es war uns jedoch nicht bekannt, dass es sich um eine politische Veranstaltung der AfD handelte. Sobald wir von der Natur der Veranstaltung erfuhren, haben wir den Transfer aus Gründen der Neutralität und unserer Unternehmenswerte vor Ort abgebrochen.“