Rund 50 Interessierte kamen zum Seminar „Angewandte Pferdepsychologie“ in Furth im Wald

Es war kalt am vergangenen Samstag, auch in der Reithalle des Reit- und Fahrvereins Furth im Wald. Trotzdem waren etwa 50 Besucher zum Seminar „Angewandte Pferdepsychologie“ gekommen. Geleitet haben das Seminar Sandra Breu und Timo Ameruoso. Die geborene Kölnerin Sandra Breu, die in Unterdörfl lebt, hat sich zur Pferdepsychologin ausbilden lassen und legte im vergangenen Sommer die Prüfung zu Rehabilitation, Aufbau und Erhalt nach Ameruoso ab.
Timo Ameruoso war im Springkader für Olympia. Mit 16 Jahren verunglückte er mit dem Roller und ist seitdem querschnittsgelähmt. Seit einem Reitunfall, der sich vier Jahre später ereignet hat, beschäftigt er sich mit Wesen und Verhalten der Pferde und ist als Pferdetrainer aktiv.
Beim Seminar „Angewandte Pferdepsychologie“ handelt es sich um eine Mischung aus Theorie und Praxis. Ameruoso erläutert die psychologischen und herdendynamischen Grundlagen, die Methode des autodynamischen Reflexionsprinzips und deren Funktionsweise. Anders als herkömmliche Trainingskonzepte orientiert sich die Methode an den natürlichen Verhaltensmustern des Pferdes sowie an den Mechanismen im Gehirn des Pferdes. Auf Konditionierung wird dabei bewusst verzichtet. Denn diese befasst sich nur mit den Symptomen und löst die Ursache nicht.
Irrtümer beim Totstellreflex
In humorvoller Art erläuterte Ameruoso die verschiedenen Probleme, die Reiter mit ihren Pferden haben, und erklärte, was psychologisch dahintersteckt. Er sprach von den wichtigen Reflexen des Pferdes, dem Flucht-, dem Kampf- und dem Totstellreflex. Gerade der Totstellreflex wird in der Regel falsch interpretiert und gerne als Sieg über das Tier gewertet. Aber das Pferd setzt ihn ein, wenn es keine Chance zur Flucht oder zum Kampf sieht. Es scheint dann ganz ruhig, aber es wirkt nur so. Damit sind aber Reiter und Pferd weit davon entfernt, das Beste aus ihrer Beziehung zu machen.
Von der Theorie zur Praxis
Wichtig ist der Bindungsaufbau. Das geschieht beim Pferd durch Beißen, Lecken und Stupsen. Beißen ist dabei die intensivste Form des Bindungsaufbaus. Bei vielen Verhaltensmustern ist Stress die Ursache. Also ist Stress-Abbau die wichtigste Maßnahme beim Aufbau einer Bindung zwischen Pferd und Reiter. Besonders interessant war der Workshop, weil der Referent alle Probleme anhand von praktischen Fällen ausführte – Fälle, die die Seminarteilnehmer aus eigener Erfahrung schilderten.
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Nach einer langen Theorieschulung ging es zur Praxis. Zwei Teilnehmerinnen durften die Rolle des Pferdes an der Longe übernehmen und so die Theorie des Referenten bestätigen. Immer wenn der Gedanke zur Vorwärtsbewegung aufkam, lockerte sich der Zug der Longe. Dann kam der wohl beeindruckendste Teil des Seminars: Ohne Zaumzeug ging, trabte und galoppierte ein Pferd durch die Reithalle. Und wie von einer Geisterhand gesteuert änderte es Tempo und Richtung. Die Anweisungen von Sandra Breu waren winzige, unauffällige Gesten. Geduldig erklärte Ameruoso die Schritte. Die Seminarteilnehmer waren begeistert, wie sich das Verhalten des Pferds während dieser Vorführung veränderte.
fvd

