Musical über die „Kaiserin der Herzen“

Szenen-Applaus, Jubel und Standing Ovations: „Elisabeth“ am Deutschen Theater München ist ein Knüller
„Elisabeth ist in!“ heißt es im Text des gleichnamigen Musicals, und das gilt mehr denn je. Ob auf Netflix oder im Bücherregal, die Kaiserin erklimmt posthum gerade eine neue Reinkarnationsstufe: als anorexische Sportsüchtige, als Vertreterin der „regretting motherhood“, also der bedauerten Mutterschaft.
Manche Aspekte deckte das Musical von Michael Kunze und Sylvester Levay, 1992 im Theater an der Wien uraufgeführt, bereits ab. In der „Schönbrunner Fassung“, die seit 2019 „am Originalschauplatz“ in Wien gegeben wird, gastiert das Stück nun am Deutschen Theater in München.
Kurz bedrückend aktuell
Das Musical wurde halbszenisch inszeniert von Gil Mehmert. Die Bühne wird vom Orchesteraufbau und einer mittigen Treppe mit überdimensionalem Bilderrahmen dominiert. Irgendwo davor findet der Dirigent Platz, dahinter Projektionsfläche. Dass innerhalb minimaler räumlicher Möglichkeiten mittels Kostüm, Maske, Licht und Schauspielkunst maximaler Effekt erzeugt wird, muss auch jeder zugeben, der die Uraufführungsregie des Opernregisseurs Harry Kupfer kannte und liebte.
Das Münchner Premierenpublikum jedenfalls war begeistert und beklatschte intensiv die Songs von Tod, Elisabeth und dem Kaiser, der sich zwischen Macht und Liebe, Mutter und Ehefrau wund reibt. Wird im österreichischen Kaffeehaus die politische Apokalypse erwartet, ist das Stück sogar kurz bedrückend aktuell.
Details belegen, wie genau der Parforce-Ritt durch das Leben der Reiterin recherchiert wurde: etwa wenn Papa Maxl mit dem Zitherkasten auftritt oder wenn Elisabeth nach dem Selbstmord des Erbprinzen nur noch schwarz trägt. Anderes, wie der ursprüngliche Plan der Kaiserinmutter, in Bad Ischl die ältere Tochter Nene und nicht Sisi zu verloben, ist zwar hübsch erzählt, muss aber nicht stimmen. Bei einem Biopic-Musical aber geht theatrale Wirkung über Authentizität: Die Story muss zünden!
Androgyner Prinz der Nacht
Musikalisch bleibt in München unter dem Dirigat von Bernd Steixner leider mancher Wunsch offen. Die Kaisermutter ist krass fehlbesetzt, dem Mörder-Revoluzzer (Riccardo Greco) mangelt es stellenweise an Textverständlichkeit und Durchschlagskraft. Aber der heikle Part des Kindersolisten (Marlon) gelingt, das Ensemble ist hochmotiviert auch in kleinen Rollen und auch das zentrale Bühnenbild entpuppt sich als überraschend vielseitig. Es dient als Schaukel, Tür, Puppenbühne. Vor allem: Das zentrale Trio aber – Elisabeth (Bettina Mönch), Kaiser (Dennis Henschel) und Tod – ist überzeugend. Lukas Mayer als androgyner Prinz der Nacht erinnert an einen kühlen Riemenschneider-Engel. Mimisch scheint er in Schönheit eingefroren zu sein, kaum ein Funke springt zwischen ihm und Elisabeth, der großartigen Bettina Mönch, über. Macht nichts! Als Komponist Sylvester Levay für den bekanntesten Song des Abends „Ich gehör‘ nur mir“ den Dirigentenstab übernimmt, ist das Publikum nicht mehr zu halten.
„Elisabeth“ ist am Deutschen Theater München bis 2. Februar zu sehen, Karten-Telefon (089) 55 23 44 44.