Interview mit Tubist Andreas Martin Hofmeir vor seinen Gastspielen in der Oberpfalz

Andreas Martin Hofmeir ist zuerst ein wunderbarer Tubist, vielleicht sogar der einzige, den man landläufig mit vollem Namen kennt. Der Tuba-Professor ist außerdem ein Mensch mit Humor und vermutlich ein guter Küsser, weil er übt, die Lippen maximal zu entspannen. Vor den Gastspielen in Postbauer-Heng (Lk. Neumarkt) und Lappersdorf (Lk. Regensburg) erzählt er unter anderem, was seine Auftritte mit Erotik zu tun haben.
Herr Hofmeir, haben Sie die Fanny in Ihrer Nähe? Und die Fr. Griesmeier?
Andreas Martin Hofmeir: Moment... Ja, die Fanny steht da. Allerdings ein bisserl wie bestellt und nicht abgeholt. Heut hat sie frei. Wobei eine Tuba immer was hermacht, auch wenn sie nicht gespielt wird. Aber die Frau Griesmeier, die wird zu Hause nicht ausgepackt. So eine Posaune wird immer nur direkt beim Auftritt ausgepackt. Das hab ich von mehreren Posaunisten gelernt.
Sie wollten ja alles Mögliche werden, auch Fußballer. Am Ende sind Sie bei der Tuba hängen geblieben. Warum?
Hofmeir: Ja mei, das Leben ist halt kein Wunschkonzert. Für den Fußball hat mir leider das Talent gefehlt. Ich hab’s nur bis zum linken Ersatzpfosten beim FC Geisenfeld gebracht. Aber mit der Tuba haben sich schnell ganz viele Türen geöffnet. Und wenn man mit so einem Jugendauswahlorchester unterwegs ist, dann fühlt sich das ganze zukünftige Leben an wie ein Schulausflug. Diesem Bann kann man sich nur schwer entziehen. Und die Musik an sich ist ja auch nichts Verkehrtes.
Im Aurelium in Lappersdorf sind Sie mit einem musikalisch-kabarettistischen Abend zu erleben. Sie erzählen vom Untergang einer Legion durch einen wehrpflichtigen Pianisten. Was stellt man sich da vor?
Hofmeir: Ja, das wird fast wie eine Heimkehr, denn ich war ja in der Wehrdienstzeit im Heeresmusikkorps in Regensburg stationiert, und zwar oben auf dem Dreifaltigkeitsberg, quasi nur einen Steinwurf entfernt. Das Musikkorps gibt es nicht mehr, das hat meine Anwesenheit leider nicht überlebt. Aber die Geschichten aus dieser Zeit und diesem Ort und sind herrlich tragikomisch und fast nicht zu glauben. Den Legionsadler hat der Pianist allerdings in der nördlichen Oberpfalz von der Lyra aufs Kopfsteinpflaster gedroschen.
Sie werden Ihre „Hundsgemeine Instrumentenkunde“ dabei haben, also: „77 Schmähgedichte – hochdeutsch und starckdeutsch“. Was steht da drin?
Hofmeir: Ich habe das Jahr der Tuba genutzt, die Tuba über alle anderen Instrumente zu erhöhen. Das gelingt zu allererst natürlich durch den ihr eigenen Wohlklang, aber am gründlichsten doch dadurch, indem man alle anderen Instrumente erniedrigt. Das habe ich nun mit diesem Buch gewissenhaft erledigt. Es ist die längst überfällige Enzyklopädie über die Unzulänglichkeit aller rudimentär entwickelten Vorläufer der Tuba, also aller anderen Instrumente. Jedem sind zwei Gedichte gewidmet, wobei das zweite in der 1972 vom Berliner Maler Matthias Koeppel erfundenen Kunstsprache Starckdeutsch verfasst ist, die der Beleidigung noch mehr von der nötigen Wucht verleiht. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber man kommt recht schnell rein und dann ist es umso lustiger.
Es ist ja schon eine Zeitlang her, dass Sie mit LaBrassBanda und im Orchester gespielt haben. Vermissen Sie‘s?
Hofmeir: LaBrassBanda eigentlich gar nicht, da waren die sieben intensiven Jahre wirklich genug. Im klassischen Orchester aber mal statt als Solist vorne auch mal wieder hinten zu sitzen und das Fundament zu legen, das hat schon immer seinen Reiz. Ab und zu laden mich ehemalige Studenten als Einspringer ein, das ist dann eine lustige Abwechslung für mich. Da kann man dann auch wieder den ganzen Unfug machen wie früher. Das geht vorne neben dem Dirigenten schlecht.
Sie brauchen wohl Abwechslung, jedenfalls ist Ihr Programm sehr vielseitig. In Postbauer-Heng spielen Sie mit Ihrer Frau „tiefe Nachtmusik“. Was erwartet Ihre Besucher?
Hofmeir: Lieder, die der Tag nicht braucht. Wunderschöne, hochromantische Musik, die stimmungsvoll den Abend und das langsame Hineinträumen intoniert. Es wird gefühlig, aber auch sehr lustig. Das lässt sich irgendwie leider nie vermeiden.
Treten Sie wieder barfuß auf? Und: Ist das fehlende Fußkleid ein Zeichen von Freiheit oder einfach Faulheit?
Hofmeir: Es ist ein Zeichen von Erotik. Nackte Haut auf der Bühne funktioniert immer. Ich hab’s auch schon mit anderen entblößten Körperteilen probiert, aber leider nur mit den Füßen ein brauchbares Ergebnis erzielt.
Zwei Gastspiele in der Region:
Die Auftritte: Andreas Martin Hofmeir ist mit vielen Formaten unterwegs. In Postbauer-Heng gibt er am 19. Januar (17 Uhr) mit Barbara Schmelz ein Konzert für Tuba und Klavier. In der Reihe „Seriöse Soireen“ sind „Lieder, die der Tag nicht braucht“ zu hören. Im Aurelium Lappersdorf, wo Hofmeir bereits Teil 1 seiner skurrilen Geschichten erzählt hat, ist er am 1. Februar (20 Uhr ) „Kein Aufwand! Teil 2 – Die letzten Jahre“ erleben, ein Musikkabarett mit Benedikt Streicher (Jazzpiano).
Der Tubist: Andreas Martin Hofmeir, 1978 in München geboren und in der Holledau aufgewachsen, gewann 2013 als erster Tubist überhaupt den Echo-Klassik als „Instrumentalist des Jahres“. Er ist Professor am Mozarteum in Salzburg und war Gründungsmitglied von LaBrassBanda. 2014 verließ er die Kultband, um sich auf seine Solo-Karriere als Musiker und Kabarettist zu konzentrieren. Seit 2015 moderiert er die Kleinkunst-Mixshow „Wer dablosts’s?“ in Ingolstadt.