Warum Stadtbäume in Nittenau es schwer haben: Experte hat die Ursachen im Blick

Von Cornelia Lorenz · 7. Januar 2025 um 15:00

Wenn große alte Bäume weichen müssen, ist die Aufregung bei manchen Bürgern oft groß – auch in Nittenau, als kürzlich sechs Pappeln am Jahnweg gefällt wurden. Doch es gibt noch mehr Bäume mit schlechter Prognose, sagt Experte Markus Auburger.

Im Frühjahr 2024 hatte der Baumsachverständige aus dem Nittenauer Ortsteil Brunn im Auftrag der Stadt ein Baumkataster erstellt und darin 1436 Bäume erfasst – vorrangig Exemplare, die entlang von Gehwegen oder im Bereich von Sportanlagen, Schulen, Kindergärten, Freibad und öffentlichen Gehwegen stehen. Überwiegend handelt es sich um Linden, Eichen, Ahorne, Feldahorne und Eschen.

Für jeden Baum dokumentierte Auburger Informationen über dessen genauen Standort, seine Größe und seinen Zustand. Außerdem hielt der Sachverständige dort auch fest, welche Pflegemaßnahmen an den Bäumen innerhalb welches Zeitfensters nötig sein werden. Für rund 600 der erfassten Bäume hatte Auburger Maßnahmen innerhalb von sechs Monaten für nötig erachtet – zum Beispiel das Entfernen von Totholz oder eingehende Untersuchungen, um die Verkehrssicherheit des Baums korrekt einschätzen zu können.

Abbrechende Äste als Gefahr

Bei einer Sitzung im Frühjahr 2024 hatte Auburger die Stadträte bereits auf die Pappeln am Volksfestplatz aufmerksam gemacht, bei denen die Gefahr bestehe, dass große Äste abbrechen könnten. „Es war brisant, besonders weil hier viele Kinder unterwegs sind“, sagt Auburger.

Sechs der Pappeln sind deshalb mittlerweile Geschichte. Sie seien rund 60 bis 80 Jahre alt gewesen, schätzt Auburger. Die Bäume hätten unter Kernfäule gelitten, was mit Hilfe einer Bohrwiderstandsmessung nachweisbar gewesen sei. Konkret heißt das, dass ein Pilz über die Wurzeln oder Verletzungen an der Rinde ins Innere des Baumes eindringen konnte und das Holz mittels Enzymen zersetzte. „Dem Baum fehlt dann die Stabilität“, sagt Auburger. Bei starkem Wind oder Schnee könne es für Passanten gefährlich werden.

Ein gesunder Baum ist laut Auburger in der Lage, sich gegen den Pilz zu wehren. Doch an vielen Standorten innerhalb von Städten hätten Bäume kein leichtes Leben. „Es werden Rohre verlegt, es wird Salz gestreut, der Boden wird verdichtet – wir muten unseren Bäumen sehr viel zu“, sagt Auburger.

Auch Fußgänger richten Schaden an

Wer denkt, der Untergrund werde nur durch größere Belastungen wie etwa schwere Fahrzeuge verdichtet, liegt weit daneben. Auch Fußgänger oder Radfahrer, die regelmäßig an den Bäumen vorbeilaufen und -fahren – und dabei vielleicht sogar eine Art Trampelpfad schaffen – können Schaden anrichten. Bis zu einen Meter tief verändere sich dadurch der Boden und störe dadurch den Gasaustausch. „Wurzeln brauchen Sauerstoff, sonst ersticken sie“, sagt Auburger.

Im Lauf des Januars wird der Experte die im Kataster bereits erfassten Bäume in Nittenau erneut unter die Lupe nehmen, um herauszufinden, ob demnächst weitere Maßnahmen erforderlich sein werden. Schlecht ist seine Prognose bereits für einige Birken am Jahnweg. Sie haben mit Wassermangel und möglicherweise bereits ebenfalls mit einem Pilz zu kämpfen. Hier müsse man in den kommenden Jahren wohl Neupflanzungen vornehmen, sagt Auburger.

Klimawandel stört Wachstum

Doch das ist seinen Worten zufolge mittlerweile auch infolge des Klimawandels schwieriger geworden. „Man bringt die Bäume heute nicht mehr so leicht in die Höhe wie früher“, sagt Auburger.

Der 54-Jährige ist studierter Forstwirt, war beruflich viele Jahre lang im Rhein-Main-Gebiet unterwegs, hat dort bis zu 30 000 Bäume pro Jahr begutachtet und dabei eine Menge Erfahrungen gesammelt. Mittlerweile ist der Brunner als selbstständiger Baumsachverständiger überwiegend in der Oberpfalz im Einsatz, zum Beispiel im Städtedreieck oder nun auch im Auftrag der Stadt Nittenau. „Ich sehe mich als Berater“, betont er.

Sinnvoll ist es aus seiner Sicht für eine Stadt, ein langfristiges Konzept für den vorhandenen Baumbestand zu erarbeiten, aus dem hervorgeht, an welchen Standort welche Baumart passt. Birken so wie am Jahnweg etwa seien aufgrund des Klimawandels für die Zukunft nicht mehr empfehlenswert. Sie stammen ursprünglich eher aus nördlichen Gefilden und kommen laut Auburger beispielsweise mit sich aufheizendem Asphalt im näheren Umfeld nur schlecht zurecht.