Sallerner Regenbrücke: Die Befürworter vermissen in der Debatte wichtige Argumente

Von Marion Koller · 6. Januar 2025 um 05:00

Ist die Sallerner Regenbrücke ein verkehrspolitischer Dinosaurier oder wird sie die Stausituation in Regensburg entspannen? Darüber streiten Gegner und Befürworter auch nach der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom Oktober. Seitdem liegt das Baurecht für Brücke und Nordgaustraße vor. Nach Meinung der Befürworter fehlen in der öffentlichen Diskussion wichtige Argumente.

„Man sagt, das ist eine Monstergeschichte, und die Chancen sieht man überhaupt nicht“, kritisiert etwa der frühere Baudirektor Alfons Swaczyna. Die Maßnahme sei „für viele durch den Verkehr belästigte Anwohner letztlich ein Segen“.

Nicht nur die Amberger Straße, sondern auch die Lappersdorfer und Frankenstraße würden künftig entlastet. Nach Einschätzung von Swaczyna, der lange das Tiefbauaumt leitete, eröffne das die Möglichkeit, die Stadtteile Sallern und Steinweg aufzuwerten. Die Sallerner Regenbrücke reduziere die heutige Trennwirkung. Auf den entlasteten Straßen wären Radfahrer – und Fußgänger beim Queren – sicherer unterwegs. Der Busverkehr verliere nicht mehr so viel Zeit, weil es seltener zum Stau komme.

Der Verkehr verlagert sich

Im Erläuterungsbericht der behördlichen Planfeststellung heißt es, der Verkehr werde in der Amberger Straße um rund 40 Prozent abnehmen, in der Frankenstraße (Regenbrücke) um 23 und in der Lappersdorfer Straße um zehn Prozent.

Doch insgesamt werden sich die motorisierten Ströme nur verlagern. Nach der Verkehrsprognose, auf die sich das Staatliche Bauamt stützt, wird die Nordgaustraße im dann ausgebauten Abschnitt künftig mit 33 000 Fahrzeugen belastet. Das bedeutet eine Zunahme um rund 13 000 Autos und Lastwagen am Tag. Auf der Sallerner Regenbrücke rechnet man mit 25 700 Fahrzeugen.

Auf der Amberger Straße bewegen sich derzeit täglich 14 000 bis 15 000 Pkw und Lkw, künftig werden es bis zu 9000 weniger sein.

Alfons Swaczyna räumt ein, die Brücke verlagere natürlich Verkehre, doch diese rollten dann künftig ohne Umwege und über eine leistungsfähige Achse ans Ziel. Die Brücke biete zudem einen Rad- und Gehweg.

In der Nordgaustraße kommt Schallschutz. Unter anderem sind eine 400 Meter lange Einhausung und Lärmschutzwände vorgesehen. Die Anwohner am Fuße des Sallerner Bergs und in Reinhausen soll der Lärm nicht erreichen. „Das ist in gewisser Weise Menschenschutz“, betont der frühere Baudirektor.

Ein Regensburger (Name der Redaktion bekannt), der seit Jahrzehnten in seinem Elternhaus am Hang, parallel zur Nordgaustraße, wohnt, freut sich, dass endlich Bewegung in das in seinen Augen dringend notwendige Bauvorhaben kommt. „Der permanente Lärm und die Abgase sind furchtbar“, sagt er. Vor allem der Krach der Lastwagen sei unerträglich. Die Fenster könnten deswegen kaum geöffnet werden. „In dem Fall ist nicht der Umweltschutz primär, sondern das sind die Leute, die da wohnen.“ In der Amberger Straße sei es noch schlimmer. Der Anwohner hofft auf die Einhausung. „Dann hören wir gar nichts mehr vom Lärm.“

Die Gegner geben nicht auf. 15 Initiativen, Verbände und Parteien, aber auch Anwohner haben sich unter dem Motto „Mobilität neu denken – ohne Sallerner Regenbrücke“ zusammengeschlossen. Ihrer Meinung nach ist das Projekt aus der Zeit gefallen.

Eine Entlastung der Frankenstraße um 23 und der Lappersdorfer Straße um zehn Prozent des Verkehrs spürten die Anwohner kaum, Sagt Wolfgang Bogie vom alternativen Verkehrsclub Deutschland (VCD). Zunächst würden sich die Blechkarawanen verteilen. „Aber wer mehr Straßen baut, erntet mehr Autoverkehr und Stau.“ Die Sallerner Regenbrücke sei auf 30 000 Fahrzeuge ausgelegt.

Für die Radfahrer brauche man die Regenquerung sicherlich nicht. Denn eine Radverbindung könne unterhalb der B16-Brücke geschaffen werden – am besten aufklappbar wegen der Hochwassergefahr, schwebt Bogie vor.

Gegner bleiben dran

Alfons Swaczyna appelliert, der Menschenschutz müsse in der Abwägung der Eingriffe absolute Priorität haben, wie es die Gerichte abschließend bestätigt hätten. „In einem demokratischen Rechtsstaat sollten die Gegner diese Entscheidung anerkennen und nicht versuchen, sie zu unterlaufen.“

Das sieht Wolfgang Bogie von den Gegnern völlig anders. Das Bündnis will erreichen, dass der Regensburger Stadtrat ein Ratsbegehren gegen den Ausbau der Nordgaustraße in die Wege leitet. Andernfalls sollen Unterschriften für ein Bürgerbegehren im März 2026 gesammelt werden.

Kein Geld eingeplant

Nordgaustraße: Für den Ausbau ist hauptsächlich die Stadt verantwortlich. Im Regensburger Investitionsprogramm 2024 bis 2028 sind keine Mittel für den Ausbau der Nordgaustraße als Zufahrt zur Sallerner Brücke vorgesehen.

Sallerner Regenbrücke: Für die 300 Meter lange , vierspurige Verbindung und den Umbau des Lappersdorfer Kreisels ist der Bund zuständig.

Der frühere Tiefbauamtschef Alfons Swaczyna sagt: „Die Stadt braucht die Sallerner Regenbrücke auch, weil die Frankenbrücke neu gebaut werden soll.“