Alte Bierkeller im Pyrbaumer Wald erinnern an die große Bedeutung der Brauereien

Von Heike Regnet · 3. Januar 2025 um 05:00

Bei einer Bierwanderung rund um Pyrbaum erkundeten Markträte und Bürgermeister Michael Langner einen Bierkeller. Fotos: Heike Regnet

Wer sich bei Pyrbaum nahe des Sportgeländes auf den Weg macht, stößt ziemlich sicher auf einen der vielen Bierkeller, die hier im Wald vor Jahrhunderten angelegt wurden. Es sind Relikte aus einer Zeit, in der Bier für Pyrbaum eine wichtige Rolle spielte.

Eine „Bierwanderung“ unternahmen vor kurzem auch die Markträte mit Bürgermeister Michael Langner. Dabei begaben sie sich auf eine Spurensuche zur Historie von Pyrbaums Brauereien.

Wie Archivpfleger Stefan Ferstl informierte, wurden die Bierkeller vor allem zur Kühlung der Bierfässer genutzt. Neben der Wolfsteiner Brauerei und der Brauerei Hoffmann in Pyrbaum auch von der Klosterbrauerei Seligenporten.

Zu den größten noch begehbaren Bierkellern gehört der Feihlkeller. Nachdem auch dieser Felsenkeller viele Jahrzehnte leergestanden hatte, erwachte hier 1988 auf Initiative des ersten Yachtclubs Pyrbaum neues Leben.

Heimlicher Treffpunkt während der Corona-Pandemie

Sogar eine Heizung und ein Klo wurden eingebaut. Der ehemalige Bierkeller wurde bis 1998 zum beliebten Partytreffpunkt. Viele Pyrbaumer erinnern sich noch gut an die Feiern in diesem besonderen Ambiente. Auch nach der Kerwa ging es viele Jahre so manches Mal noch gemeinsam in den Bierkeller. Viele Jahre wurde er danach nicht mehr genutzt und erst während der Corona-Pandemie von einigen wiederentdeckt. Hier konnte man zusammenkommen, ohne aufzufallen, doch inzwischen ist der Zugang versperrt.

In Pyrbaum wurde einst Hopfen angebaut

Den Brauereien, dem Bier und den Gaststätten des Marktes Pyrbaum hat der ehemalige Archivpfleger Horst Schrödel einen seiner Bände in der Reihe „Marktarchiv Pyrbaum“ gewidmet. Hier erfährt der Leser unter anderem, dass in der Marktgemeinde seit 1851 Hopfen angebaut wurde, so in Pyrbaum, Pruppach und Oberhembach.

Relikte aus der Hopfenzeit sind heute noch vorhanden. So gibt es zum Beispiel in Pruppach drei Häuser mit sogenannten Hopfenläden – waagrechte Öffnungen im Dach, die man zum Trocknen der Hopfendolden öffnete. Viele alteingesessene Familien sind auch noch in Besitz eines Hopfenstempels, einer Eisenspitze, mit der die Löcher für die Rankhilfen in den Boden gestampft wurden. Ende der 1930er Jahre ging es aber mit dem Hopfenanbau in Pyrbaum zu Ende, da zu dieser Zeit der Staat die Landwirtschaft lenkte und der Flachsanbau favorisiert wurde, da dieser für die Stoffherstellung benötigt wurde.

Der Feihlkeller belieferte zwölf Gaststätten

Gut dokumentiert ist die Geschichte des Feihlkellers. So belieferte Josef Feihl zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwölf Gaststätten in Pyrbaum, Möning, Schwarzach, Lampersdorf, Kemnath und Rengersricht. Als Josef und Margarethe Feihl im Jahr 1903 ihre Brauerei und Gaststätte an ihren Sohn übergaben, war in der Urkunde auch die Kellerbühelwiese in Pyrbaum vermerkt. Hier befindet sich der „Feihlkeller“.

Die Keller der Brauerei Hofmann

Unterlagen gibt es auch zur ehemaligen Brauerei Hofmann am Wolfsteiner Platz 7. Diese bestand um 1900. Zur Brauerei gehörten die Felsenkeller an der Süd-West-Ecke des alten Sportplatzes in Pyrbaum, die schon 1769 erbaut wurden. Die Keller hatten ursprünglich zwei Eingänge. Es wird angenommen, dass die Kapuziner diese Keller anlegen ließen, weil ihr ursprünglicher Keller östlich neben der katholischen Kirche nicht mehr ausreichte. Die weiterführenden Gänge wurden wohl um 1946 zugemauert.

Nutzung als Sommerkeller für rauschende Feste

Oberhalb der Felsenkeller befand sich der Bruckweiher. Es war der Eisweiher für die Brauerei. Das Eis wurde über eine Öffnung von oben in den Keller eingeworfen. Die Keller wurden im Sommer aber auch zum direkten Bierausschank genutzt. Darüber war eine überdachte Tanzbühne, am Hang waren die Holzbänke aufgestellt. Auch eine feste Kegelbahn war damals angelegt, zudem eine Schießbahn.

Pferderennen als Attraktion

Sogar Pferderennen wurden in Pyrbaum in den Jahren 1875 und 1877 von Oberhembach aus mit dem Zielpunkt Felsenkeller durchgeführt, um den Gaststättenbetrieb zu beleben. Für weitere Unterhaltung beim Pferderennen 1877 sorgte der Liederkranz Pyrbaum. So ist es nicht verwunderlich, dass auch Sängerfeste an den Felsenkellern stattfanden, wie zum Beispiel in den Jahren 1925 und 1929. Über den Kellern fanden drei Bühnen Platz, der ganze Berg war mit Stühlen und Bänken versehen. In Erinnerung an die vergangenen Tage führt die Sportgäststätte im TSV-Sportheim noch heute den Zusatz „Zu den Felsenkellern“.

Nahe des Waldkindergartens liegt einer der Bierkeller Pyrbaums.