Viele Menschen wohnen in Regensburg nah an den Gleisen: Was tun, wenn der Bahnlärm nervt?

Von Jürgen Scharf · 30. Dezember 2024 um 09:00

Martin Kollmeder besitzt eine Wohnung in der Hofmeisterstraße im neuen Kunstpark-Viertel im Regensburger Osten. Seit zwei Jahren wohnt er dort. Die Bahngleise sind nur einen Steinwurf weit entfernt.

Er wundere sich schon die ganze Zeit, erzählt er, dass es zwischen den Gleisen und den Häusern keine Lärmschutzmaßnahme gibt. Seine Hoffnung ist, dass Bahn oder Stadt hier irgendwann noch einmal etwas unternehmen.

Lärm kann sehr belastend sein und Erkrankungen auslösen. Menschen reagieren allerdings teils völlig unterschiedlich auf Geräuschkulissen. Die einen machen bei Zuglärm nachts kein Auge zu, anderen fällt er gar nicht auf. Martin Kollmeder erzählt, dass es bei ihm in der Wohnung „einigermaßen gedämmt“ ist. Die Grenzwerte werden seinen Informationen nach hier „auch gerade so eingehalten“. Aber sobald er vor die Tür geht oder sich auf dem Balkon aufhält, treffe ihn „mehr oder weniger die volle Lautstärke der vorbeifahrenden Züge“.

Wurde Planung umgesetzt?

Kollmeder hat sich bereits an die Stadt Regensburg gewandt. Er fragt sich: „Warum ist die gegenüber gebaute Siedlung durch eine hohe Wand geschützt und bei uns ist gar nichts?“ Und das, obwohl seiner Meinung nach die Lärmbelastung in dem Haus mit seiner Wohnung am größten sein müsste, weil dieses hier den geringsten Abstand zu den Gleisen hat. Und er frage sich auch, ob die Lärmbelastung nun nicht doch großer sei, als wie es bei bei der Planung der Siedlung einst angenommen wurde.

Die Stadt teilt auf Anfrage mit, dass bereits im Bebauungsplan des Viertels festgestellt wurde, dass hier einzelne Immissionsgrenzwerte überschritten werden. Eine Bebauung sei dann grundsätzlich dennoch möglich, es müssten allerdings bestimmte Schallschutzmaßnahmen ergriffen werden. Im Bebauungsplan sei deswegen enthalten gewesen, dass in die Gebäude im nördlichen Bereich des Viertels hin zu den Bahnanlagen Lärmschutz integriert werden muss. Ein eigenständiger Schallschutz wie etwa ein Wall oder eine Wand sei darüber hinaus nicht mehr nötig gewesen und auch nicht umgesetzt worden. Der Bauträger habe letztlich zu gewährleisten, dass die Festsetzungen im Bebauungsplan eingehalten wurden. Eine separate Kontrolle durch die Stadt sei nicht nötig.

Investor sagt, dass Vorgaben eingehalten wurden

Der Investor, das Regensburger Immobilien-Zentrum, teilt auf Anfrage mit, dass die im Bebauungsplan festgesetzten Schallschutz-Vorgaben im Rahmen der Erstellung des Kunstpark-Quartiers eingehalten worden seien. Mit der Errichtung des letzten Gebäudes im Nord-Westen des Viertels ab dem kommenden Frühjahr werde der Schallschutzriegel dann auch abgeschlossen sein.

In Regensburg leben tausende Menschen in der Nähe der Bahngleise. In großen Bereichen des Südwesten etwa sind die Geräusche des Zugverkehrs quasi rund um die Uhr präsent. Die Menschen gehen unterschiedlich damit um. In Kumpfmühl erzählt ein junger Mann, dass er in seiner Wohnung im Königswiesenweg immer mal wieder was hört: „Insbesondere so ein Pfeifen. Das müsste vom Rangieren kommen, denke ich.“ Es störe ihn aber nicht wirklich. Ihm wurde auch angeboten, den Schallschutz der Fenster der Wohnung auf eigene Rechnung verstärken zu lassen: „Aber warum sollte ich etwas beheben lassen, dass mich gar nicht richtig stört.“

Die Schallschutzmaßnahmen, die bei Wohngebieten in der Nähe von Bahngleisen vorgeschrieben werden, sind unterschiedlichster Art. Im Candis- und Dörnberg-Viertel etwa sah das städtebauliche Konzept keinen Schallschutz durch Gebäude entlang der Bahn vor. Hier wurde von der Stadt eine Kombination aus Schallschutzwand und -wall festgesetzt, um die dahinterliegenden öffentlichen Grünflächen und die Gebäude zu schützen.

Verschlossene Fenster

Im Dörnberg-Viertel gibt es allerdings offenbar darüber hinaus auch zusätzliche Schallschutzmaßnahmen in den Gebäuden. Für Schlagzeilen sorgten einst die Fenster einer Sozialwohnung in der Friedrich-Niedermayer-Straße. Weil die Bewohner vor Lärm geschützt werden sollen, wurden hier die Fenster teils so verbaut, dass man sie nicht mehr öffnen kann. Dies erschwerte allerdings das Lüften der Wohnung. Der Investor, ein Unternehmer aus München, sagte damals der Mittelbayerischen, dass die Stadt eben strengste Vorgaben gemacht habe.

Im Kunstpark-Viertel, in dem Martin Kollmeder wohnt, könnte sich in Sachen Schallschutz grundsätzlich vielleicht doch noch etwas tun. Schließlich liegen die angrenzenden Gleise auf dem Bahnabschnitt Regebsurg-Obertraubling – und der soll in naher zukunft ausgebaut werden. Ob hier dann zusätzliche Schallschutzmaßnahmen nötig seien, kann die Stadt nach eigenen Angaben derzeit aber nicht sagen. Dies müsse die Bahn beantworten. Hier teilt ein Sprecher wiederum mit, dass sich das Projekt erst in der Vorplanung befinde. Die Anordnung der Lärmschutzanlagen werde noch überprüft und im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens dann auch rechtlich festgelegt.