Kniffliger Denksport nach Festschmaus: Wie die Starter beim Kelheimer Schach-Open ins Ziehen kommen

Von Martin Rutrecht · 27. Dezember 2024 um 14:00

Wenn die Festtage verklungen sind, setzt Kelheim mit dem Wittelsbacher Weihnachtsopen ein freudiges Ereignis für Schachspieler drauf. „Mama und Oma haben gut aufgekocht – jetzt bin ich bereit“, sagt Lokalmatador Benedikt Huber. Wie er haben auch andere Teilnehmer ihre Kniffe, wie sie die Konzentration hochfahren.

Als käme das Christkind ein zweites Mal. Alisa Holzmann aus Regensburg, die in Erlangen studiert, betritt freudestrahlend das Hotel Dormero. „Ich freu’ mich und will einfach Spaß haben“, sagt die 21-Jährige. Erst seit einem Jahr spielt sie Schach und hat das Kelheimer Turnier zu ihrer ersten großen Herausforderung auserkoren. „Die Platzierung ist nicht so wichtig für mich.“

Stark besetzt wie noch nie

Ganz anders sieht es bei den Top-Akteuren des 150 Teilnehmer zählenden Hauptfeldes aus. Sie wollen den Sieg bei der mit insgesamt 4000 Euro dotierten Konkurrenz. Heuer geben sich die Spitzenleute die Klinke in die Hand. Großmeister Petr Neuman oder der Deutsche U25-Meister Yevhenii Yelisieiev sind nur zwei Namen aus dem Reigen an Schachgrößen. „So stark besetzt waren wir noch nie“, erklärt Turnierleiter Simon Pernpeintner von Ausrichter Schachklub Kelheim. Wobei: Auf den an eins gesetzten Vorjahressieger Yevgeniy Roshka wartete man am Donnerstag, 27. Dezember 2024, zum Start vergeblich.

„Ich hoffe, ich kann mich wie im Vorjahr in die Top Ten schieben“, sagt der erst 15-jährige Benedikt Huber. Mit Rang acht bewies er vor Jahresfrist seine Strategiequalitäten. „Die Pause über Weihnachten ist durchaus von Vorteil. Man geht aufgeräumt ins Turnier.“ Als Ausgleich zu den sieben Runden bis Montag bevorzugt er kurze Spaziergänge. Eine mehrtägige Konkurrenz ist für ihn keine Seltenheit. „Ab 1. Januar spiele ich ein Turnier, das neun Runden zählt.“

„Man hat uns die Bude eingerannt“

Die 11. Auflage der Open bringt einen Rekord an Teilnehmern. „Man hat uns die Bude eingerannt“, sagt Schachklub-Pressewart Roland Neumeier. Bei 150 Startern zogen die Organisatoren einen Strich. „Danach haben sich die Wartelisten gefüllt.“ Das Nebenturnier zählt 30 Akteure. „Das Kelheimer Open hat sich herum gesprochen“, erklären Neumeier und Pernpeintner.

Sogar bis nach Tschechien. Die Familie Zrust reiste aus Karlsbad an. Während die Eltern Petr und Monika die Betreuerrolle einnehmen, ziehen ihre Söhne, 12 und 14, am Brett. „Es stand auch ein anderes Turnier zur Wahl, aber das wären 600 Kilometer Fahrtstrecke gewesen“, berichtet der Familienvater. Nach Kelheim sind es knapp 200 Kilometer. „Die Stadt ist schön“, sagt Zrust.

Vorfreude seit dem Sommer

„Schon seit dem Sommer“ freut sich Luca Haake aus Straubing auf das Turnier – das einzige, das er heuer spielt. „Drei Tage war ich an Weihnachten bei der Familie, jetzt ist es cool, hier in Kelheim anzutreten“, so der 22-jährige Student. „Viel trinken, viel schlafen, gut Mittagessen“ lautet sein Masterplan für die vier Tage bis zum 30. Dezember.

Das Open zählt Schachspieler jeden Alters. Pushpendra Kuma Gupta aus München blickt auf 87 Lenze, Noa Chanishvili vom SC Noris-Tarrasch Nürnberg ist gerade mal acht Jahre. Die Aufregung zum Start ist beiden anzusehen. Wie die anderen Teilnehmer suchen sie nach Festlegung der ersten Paarungen fieberhaft nach ihren Plätzen im großen Saal. Über 80 Schachbretter stellt der Veranstalter sowie acht digitale, über die Partien ins Netz übertragen werden.

Kränkelnder Turnierleiter und strenge Regeln

Ähnlich der Denksportler will auch Turnierleiter Pernpeintner durchhalten. „Ich bin gesundheitlich etwas angeschlagen. Aber ich sollte tunlichst nicht krank werden.“ Schließlich gilt es auch über mögliche Regelverstöße zu wachen. So sind elektronische Geräte strengstens verboten und müssen ausgeschaltet sein. Wer das missachtet, ist aus dem Turnier vorzeitig raus.

Aber das hat wohl niemand vor. Die Freude am Wittelsbacher Open in Kelheim ist unübersehbar – als wär ein zweites Mal Weihnachten.

Der Ablauf

Turniertage: Am Samstag und am Sonntag beginnen die Runden um 9 und 15 Uhr.

Finaltag: Der letzte Durchgang ist am Montag um 9 Uhr aufgerufen. Gegen 14.30 Uhr folgt die Siegerehrung.

Lokalmatador Benedikt Huber will unter die Top Ten.
Familie Zrust aus Karlsbad reiste mit verteilten Rollen an: Die Söhne spielen, die Eltern sorgen für die Betreuung.