Der beste Schachspieler des SK Kelheim verhilft dem Nachwuchs zum Schritt auf die nächste Entwicklungsstufe

Beruflich ist Constantin Blodig als technischer Experte bei Airbus tätig. Abseits seiner Profession widmet sich der Kelheimer dem Schachspiel. Mit der DWZ-Marke von 2230 ist der 30-Jährige nomineller Topspieler beim SK Kelheim.
Seine eigenen Ambitionen rückt Blodig aber in den Hintergrund: Als lizensierter Trainer widmet er sich in erster Linie der Talentförderung. Das Durchdenken komplexer Zusammenhänge zählt zur täglichen Arbeit des Diplom-Ingenieurs. Den Spaß am strategischen Denken hat der Kelheimer in die Wiege gelegt bekommen: Seine Eltern haben sich bei bayerischen Schachmeisterschaften kennengelernt – als fünftes Kind der schachbegeisterten Familie habe sich für ihn folglich die Frage nach dem Hobby gar nicht erst gestellt.
In der Jugend ein Sport-Tausendsassa
„Ich bin ganz einfach in das Schachspielen hineingewachsen“, sagt Constantin Blodig. Mit zwei bis drei Monaten sei er erstmals ins Training „gegangen“ – die Eltern waren als Trainer tätig. In den Kinder- und Jugendjahren sei er als Schachspieler aber „unauffällig“ gewesen und habe sich im Bezirk auf den Positionen zwei bis vier bewegt. Neben dem Schach war er aber auch als Fußballer, Handballer, Tennisspieler und Schwimmer aktiv.
Nach dem Abitur am Donau-Gymnasium Kelheim war die Zeit für neue Impulse gekommen: „Nach der Schule musste ich raus“, erklärt Blodig. Beim Freiwilligen Sozialen Jahr kümmerte er sich in Chile um Kinder aus schwierigen Verhältnissen. „Ich habe versucht, den Kindern Familie mitzugeben“, so Blodig, der nach eigener Aussage eine „lehrreiche und prägende Zeit“ in Südamerika verbrachte.
In Chile reift ein Entschluss
Dort reifte auch der Entschluss, „dass ich mich weiter in der Kinder- und Jugendförderung engagieren möchte“. Das anschließende Ingenieurs-Studium sei ihm „zum Glück“ leichtgefallen. In der Freizeit konnte er sein Schachspiel „signifikant verbessern“ und etablierte sich in der bayerischen Elite. Zu Blodigs größten Erfolgen zählen der bayerische Mannschaftspokal mit dem SK Kelheim 2022 und im Einzel der Bayerische Schnellschachmeistertitel U25.
Vor zwei Jahren nahm er sich als persönliches Ziel vor, die DWZ-Marke von 2200 zu knacken. Mit etwa zehn Stunden intensivem Training allein plus Schachabend pro Woche und etwa 60 Turnierpartien im Jahr setzte er das Vorhaben in die Realität um. Er sehe sich durchaus dazu in der Lage, den nächsten Entwicklungsschritt zum Fidemeister zu vollziehen. Die dafür erforderliche Zeit möchte der Schachspieler aber nicht investieren – und seine Kontingente weiterhin in die Talententwicklung einbringen.
Nachwuchs zu bayerischen Titeln geführt
Seit seinem Wechsel zum SK Kelheim vor zwölf Jahren ist er als Trainer im Nachwuchsbereich tätig. „In dieser Zeit habe ich gelernt, wie man Jugendspieler fördert“, so Blodig. Neben den bayerischen Juniorentiteln für Benedikt Huber und Moritz Ramming wirkte der Schachtrainer auch an erfolgreichen Nachwuchs-Teamauftritten mit – und betreut den Bayerischen Leistungskader.
Im Vorjahr coachte er die U12 des SK Kelheim bei der Deutschen Meisterschaft der Vereine. Das junge Team führte das Klassement zwischenzeitlich an, musste sich aber in der Endabrechnung mit Rang vier begnügen. Ab dem 26. Dezember betreut er die U10 des SK Kelheim in Düsseldorf im Kampf um nationale Ehren.
Als Schachtrainer habe er durch den Umgang mit den Talenten „umfangreiche Inspiration“ erhalten und gibt diese an seine Schützlinge zurück. „Nur Schach wäre aber langweilig“, sagt Blodig, der auch für ein Jahr als Mathelehrer am DGK tätig war sowie eine Fußball-E-Jugendmannschaft der JFG Befreiungshalle Kelheim für eine Spielzeit trainierte.
Einer von nur acht A-Lizenz-Trainern in Bayern
Bei allen Interessen ist Blodig aber klar: „Beim Schach bin ich zuhause – und da werde ich auch über die nächsten Jahrzehnte zuhause sein.“ Im neuen Jahr bleibt der Fokus auf der Ausbildung. Den jungen Talenten werde Blodig weiterhin „mit Rat und Tat“ bei Meisterschaften und Coachings zur Seite stehen. Aufgrund der langjährigen Tätigkeit in der Nachwuchsförderung und als mittlerweile einer von acht Schachtrainern mit A-Lizenz in Bayern verfügt er über reichlich praktische Erfahrung und die theoretischen Hintergrundkenntnisse. Neben der Entwicklung der Schachtalente möchte er auch sein persönliches Schachniveau bestätigen.
Die Begeisterung am Strategiespiel schlägt noch immer durch: „Schach ist Spannung und Achterbahnfahrt pur“, so Blodig. Das stundenlange Gegenübersitzen am Brett und das gegeneinander Denken mache für ihn die besondere Faszination aus. „Man brütet und versucht den Gegner zu überlisten.“ Gelerntes Wissen und Taktik würden im Zweikampf – „in dem sich keiner wehtut“ – aber nicht ausreichen: „Ich höre immer auf mein Bauchgefühl. Es gibt immer wieder Situationen, die sich nicht bis zum Ende durchdenken lassen.“
Rasches Reaktionsvermögen
Auch Corona sei ein Moment gewesen, zu dem schnelles Umdenken gefragt war. „Wir haben uns zusammentelefoniert und für die Kelheimer ein Onlinetraining aufgesetzt.“ Eine Woche nach Schließung der Schulen sei der Langeweile ein Riegel vorgeschoben worden. Als weitere Stufe im Online-Schach programmierte er mit Tobias Schindler ein Tool, um auch Mannschaftskämpfe über eine Onlineplattform zu ermöglichen. „Das ging richtig viral“, sagt Blodig.
