Neustadt a.d. Donau wandelt sich – Kultur hat einen anderen Stellenwert bekommen

Von Jochen Dannenberg · 29. Dezember 2024 um 15:00

Die Stadt entwickelt sich zu einer Größe im Kulturleben des Landkreises Kelheim. Das liegt nicht nur an neuen Veranstaltungen im Kulturbereich.

Der Wandel zeigt sich nicht nur am Kultursommer. Kultur im Sommer war einmal – grob vereinfacht – das Stadtfest und das Pfingstvolksfest sowie Konzerte und Dorf- und Vereinsfeste. Die Zeiten haben sich geändert. Den Schwerpunkt bildeten in diesem Jahr die Open-Air-Veranstaltungen im Stadtgraben. Am ersten Wochenende standen Django Asül und die Keller Steff Big Band auf der Bühne. Als Vorband durfte die Musikschulband Bühnenerfahrung sammeln. Am 3. August sorgten dann Austria 4+ für einen ausverkauften Stadtgraben.

Neu in diesem Jahr war dabei die Sommer-Lounge mit Gerichten und Getränken, die von den Gästen gut angenommen wurde und auch im kommenden Jahr wieder Teil der Open-Air-Veranstaltungen im Stadtgraben werden soll.

Darüber hinaus waren 2024 – nach einer kurzen Pause im Jubiläumsjahr – die Formate PopArt-Haus und Picknick-Konzert wieder im Kulturprogramm vertreten, wobei das Picknick-Konzert mit „The Voice of Germany“-Teilnehmer Finton insgesamt über 400 Besucher ins Kastell Abusina lockte.

Familien im Blick

Seit einigen Jahren wird der Kultursommer um die Familienkulturwoche ergänzt. Sie erstreckt sich heuer über die letzte Ferienwoche in den Sommerferien und umfasste neben Kreativangeboten im Kunstforum, einer Kinderbuchlesung in der Bücherei auch wieder ein Kindermusical im Kulturhaus Storchenwirt. Zum Kulturprogramm gehören daneben auch die Wohnzimmerkonzerte, die in diesem Jahr fortgesetzt werden, bei denen sich junge Künstler vor kleinerem Publikum präsentieren können.

„Ich freue mich, dass wir bei vielen Dingen Akzente setzen konnten und neue Dinge schaffen konnten“, sagt Andrea Holzapfel, Abteilungsleiterin Tourismus, Kultur und Bildung im Neustädter Rathaus. Sie verweist auf weitere Änderungen im Kulturleben wie den neu organisierten Andreasmarkt oder beispielsweise die historische Vortragsreihe. Sie startete Ende Oktober mit vier Vorträgen zu den Themen: Die Donau und ihre Brücken, König Ludwig II., Geschichte Bad Göggings und Wilhelm Sander. Darüber hinaus fand eine lange Vorlesenacht mit Lesungen im Kulturhaus, der Stadtbücherei sowie dem Generationentreff statt.

Die Veränderungen im Kulturleben beruhen auch auf einer Neuorganisation des „amtlichen“ Kulturbetriebs. Der ist nicht mehr ein Anhängsel der Stadtverwaltung, sondern ein eigenes Ressort – gleichberechtigt zum Beispiel neben dem Finanzwesen oder dem Bauamt. Äußerlich sichtbar ist das an der Beschreibung der Amtstätigkeit von Andrea Holzapfel. Sie ist Abteilungsleiterin für Tourismus, Kultur und Bildung.

Die Zusammenführung der drei Bereiche, zu denen neben der Tourist-Information auch die Volkshochschule, die Sing- und Musikschule und das Museum im Storchenwirt gehören, bedeutet, dass diese Bereiche „jetzt auf einer Ebene“ sind, wie Andrea Holzapfel betont. Diese Zusammenlegung führe zu Synergieeffekten, es gebe einen Austausch zwischen den einst getrennt arbeitenden Abteilungen und das führe wiederum zu mehr Schlagkraft. Das Ergebnis ist unter anderem der größere Veranstaltungskalender.

Jubiläum in Planung

Klar ist am Ende dieses Jahres auch, dass sich Bürgerinnen und Bürger auf einen Höhepunkt des Kulturlebens im kommenden Jahr ganz besonders freuen können. Dann gibt es ein besonderes Jubiläum zu feiern: Die Ernennung des Obergermanisch-Raetischen Limes zum Unesco-Weltkulturerbe vor 20 Jahren. Neustadt a.d. Donau und vor allem Eining, Hienheim und Bad Gögging wurden auf diese Weise mit ihren vielfältigen Fundstätten gewürdigt. Voraussichtlich am Denkmaltag soll es anlässlich des Jubiläums besondere Aktionen geben.

Wichtig ist bei all den Veränderungen, dass auch die „Hardware“ stimmt. Und da ist es gut, dass der Bürgersaal renoviert wurde. Er ist immer noch das Veranstaltungszentrum der Neustädter – vor allem wenn es um große Veranstaltungen geht.

In Eining gab es ein gut besuchtes Konzert mit „Voice of Germany“-Teilnehmer Finton. Foto: LTB
Malen, basteln, gestalten: Die Kulturwoche in den Sommerferien bot viel. Foto: Weber
Das Stadtfest ist ein Klassiker des Kulturlebens. Aber die Stadt kann mehr. Foto: Pieknik
Der Andreasmarkt wurde weiterentwickelt. Die Vereine waren mit dabei. Foto: Zuruev