PI-Leiter Stephan Gürster: „Die Sicherheit in Cham ist weiter gewährleistet“

Von Ferdinand Schönberger · 27. Dezember 2024 um 11:00

„Das Wertvollste, das wir anderen schenken, ist Zeit. Die schönste Freude ist die im Lächeln der Dankbarkeit.“ Diese beiden Lebensweisheiten prägten kurz vor Heiligabend die Besuche von Delegationen der SPD und der CSU in der Polizeiinspektion (PI). Einerseits wollten diese sich hierbei Zeit nehmen, sich zu informieren und mögliche Probleme anzusprechen, andererseits sich für die geleistete Arbeit aller Mitarbeiter das ganze Jahr über zu bedanken. Zudem sprachen sie ihre Weihnachts- und Neujahrswünsche aus.

Die Mandatsträger wurden von Erstem Polizeihauptkommissar (EPHK) Stephan Gürster willkommen geheißen. Dies sei immer ein schöner Termin, der das Jahr abschließe, und er freue sich darüber, sich in einem ungezwungenen Gespräch auszutauschen. Dabei stand das Thema Sicherheit weitgehend im Mittelpunkt.

Unglaubliche Leistung

SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder war mit den Stadträten Claudia Zimmermann und Oliver Schulz sowie dem Ortsvorsitzenden Martin Schoplocher und ihrem Mitarbeiter Karl Bley, Altbürgermeister von Nittenau, erschienen. „Wir vertrauen auf unsere Polizei, die eine unglaubliche Arbeit leistet“, sagte sie. Das Zusammenspiel mit den Blaulicht-Organisationen und den Kommunen funktioniere im Landkreis einwandfrei.

EPHK Gürster bekannte, er glaube, die Zeiten seien zum Teil schwieriger geworden: „Der Wertewandel schlägt auch bei uns komplett durch.“ Statt einer Streife seien heute oft bis zu vier bei Einsätzen notwendig. Die jungen Kollegen seien aber dementsprechend in der Ausbildung im Kommunikationstraining geschult worden, um deeskalierend eingreifen zu können. Insgesamt sei die Sicherheitsstruktur im Landkreis intakt. Es gebe bei den Straftaten keine überbordenden Steigerungen, sondern ein gleichbleibendes, in manchen Bereichen gar sinkendes Niveau, und keine Brennpunkte, auch nicht im Migrationsbereich. Natürlich könne da etwas passieren, aber nichts Außergewöhnliches.

Nach wie vor hoch und zunehmend sei die Internetkriminalität, die illegal und strafrechtlich zu verfolgen sei. Die Leute sollten jedoch einen gewissen Menschenverstand einsetzen, denn nicht jedes Schnäppchen sei eines, und keinesfalls dürfe die TAN (Transaktionsnummer) des Online-Bankings genannt werden. Außerdem habe sich nicht bewahrheitet, dass es bei Einbrüchen im grenznahen Bereich ein Überschwappen vom Nachbarland gebe. Zur Kooperation bemerkte er: „Noch nirgends habe ich eine so gute und enge Zusammenarbeit von Polizei mit Bundespolizei, Feuerwehr, BRK, Malteser und THW erlebt wie im Landkreis Cham.“

Auch Claudia Zimmermann sprach von einem harmonischen Zusammenwirken zwischen Stadt und Polizei. Die PI, so Gürster, sei extrem verjüngt worden und die Frauenquote liege nach wie vor bei etwa 35 Prozent. Ein Problem sei, dass manche jungen Leute oft nach den ersten Monaten wieder kündigen, auch ausgebildete oder schon in der Arbeit stehende Menschen nach zwei bis drei Jahren. Schieder drückte dazu ihre Hoffnung aus, dass junge Beamte zügig wieder in ihre Heimat zurückkehren können. Mit „Die Polizei ist einfach Teil der Gesellschaft geworden“, fasste sie den Gedankenaustausch zusammen und überreichte ein kleines Geschenk mit „Nervennahrung“.

Im Anschluss machte eine Abordnung der CSU-Politiker mit MdB Martina Englhardt-Kopf, MdL Dr. Gerhard Hopp, Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler und erstem Bürgermeister Martin Stoiber ihre Aufwartung. Hinter diesem schönen Brauch stünden, so Löffler, auch Respekt und Dank. Die Menschen hätten ein feines Gespür dafür, wie es mit der Sicherheit bestellt sei.

Freiheit und Sicherheit

„Man muss immer wieder mit den Menschen darüber reden, dass die Tätigkeit der Sicherheitsbehörden letztendlich immer nur der Freiheit und Sicherheit des Einzelnen dient.“ Die Kontrollfunktionen des Staates, etwa die Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen, würde manches erleichtern, und der Datenschutz dürfe diese Aufklärungsarbeiten nicht nachweislich verhindern, was er im Moment an manchen Stellen tue.

MdB Englhardt-Kopf berichtete davon, dass immer öfter Bürger wegen Enkeltricks und Betrügereien im Netz an sie herantreten würden: „Wir erleben andere Zeiten und externe Einflüsse.“ Ihr Dank gelte der Polizei für ihre wertvoll Arbeit. Das Zusammenspiel der Behörden aller Ebenen sei beim Thema Sicherheit sehr wichtig.

Bürgermeister Stoiber dankte ebenfalls der Polizei, mit der es oft auch in banaleren Sachen wie Unterstützung bei Festen Kontakt gebe. Es gehe bei den Sicherheitskräften darum, neue Techniken mit abzudecken, um Kriminellen immer einen Schritt voraus zu sein. Ein Nachjustieren in bestimmten Situationen löse bei vielen Menschen Angstgefühle aus, dass ihre Rechte eingeschränkt würden. Doch es müsse das Grundbedürfnis Sicherheit gewährleistet und die Bevölkerung davon überzeugt werden.

Für MdL Hopp wurde die Sicherheitslage durch immer neue Aufgaben und besondere Ereignisse in der Gesellschaft nicht leichter: „Unsere Aufgabe ist es, die rechtlichen Bedingungen zu schaffen und für die Ausstattung zu sorgen und dafür, dass in der Bevölkerung die Akzeptanz und Wertschätzung der Rettungskräfte bleibt.“ Jeder könne dazu beitragen, die Demokratie zu verteidigen. Darauf ging auch Landrat Löffler ein. Nach einer Zeit des großen Wohlstandes liege es an jedem Einzelnen, davon etwas zu konservieren. Man müsse die Menschen mitnehmen in einen neuen Wohlstand mit ihn auszeichnenden Werten.

EPHK Stephan Gürster mit der SPD-Delation MdB Marianne Schieder, den Stadträten Claudia Zimmermann und Oliver Schulz sowie dem Ortsvorsitzenden Martin Schoplocher (v. links)