Hallertauer Thai-Wurst aus Volkenschwand schmeckt in Europa

Von Lucia Pirkl · 26. Dezember 2024 um 06:41

Currypaste statt Leberkäs: In einer alten Metzgerei bei Volkenschwand haben sich die Schopfs einen Thai-Vertrieb aufgebaut.

„Habt‘s ihr aa an Leberkas?“ Die Frage ist vielleicht gar nicht so unberechtigt, denn bis vor Kurzem hing noch das alte Metzger-Schild über dem Eingang an der Hauptstraße im kleinen Ortsteil Obergolzaberg. Jetzt hängt da ein Yak, der in Thailand Tempel bewacht. Wer nun über die Türschwelle tritt, findet sich mitten in „Thailand“ wieder. Statt Leberkäse gibt es hier unter anderem thailändische Wurst, gewürzt mit Zitronengras oder Koriander.

Mit dem „Yak Thai“ haben sich Alex Schopf und seine Frau Chonticha den Traum vom eigenen Geschäft erfüllt, und das mitten in der alten Heimat in der Hallertau. Wo andere vom Auswandern träumen, hat Schopf die Rolle rückwärts gemacht. Zumindest erst einmal. Damit ihr Sohn Deutsch lernt, zog das deutsch-thailändische Paar 2017 aus dem tropischen Thailand ins trübe Deutschland. „Die Sonne, die geht mir schon ab, hier ist Schmuddel und Baatz“, sagt Schopf, selbst gewohnt an „zwei Jahrzehnte Sommer“. Ansonsten sei Deutschland aber ein „Schlaraffenland“, wenn man sich selbstständig machen möchte.

Kulinarisches Heimweh

Schopf weiß, wovon er spricht. Jahrzehntelang war der gelernte Kfz-Meister als freiberuflicher Qualitätsprüfer in der Autoindustrie auf allen Kontinenten unterwegs, kennt viele Länder und schlug dann in Thailand, nachdem er seine Frau dort bei einem längeren Urlaub kennengelernt hatte, Wurzeln. Viel zuhause war er dort dennoch nicht, arbeitstechnisch war Pendeln, vornehmlich nach China, angesagt.

Dass sie dann in Deutschland ihr eigenes Geschäft eröffnen, mit einem Versand von selbst gemachten Currys, Saucen und der einen oder anderen Thai-Wurst vor allem Exil-Thailänder und freilich Fans von authentischem Thai-Essen in ganz Europa beglücken, war eigentlich gar nicht geplant, sondern hat sich so ergeben. „Eigentlich suchte meine Frau nur eine Beschäftigung“, sagt Schopf. Und so half sie samstags bei einem Hofmetzger in der Nähe von Wolnzach aus, wo Schopf das elterliche Wohnhaus zum Mehrgenerationenhaus ausgebaut hat. Zumindest rein kulinarisch konnte sie ihr Heimweh nicht mehr länger stillen, „sie meinte, das ganze Thailändische, was man hier kriegt, das kannst ja nicht essen“, erzählt Schopf, während seine Frau im Hintergrund schon wieder an neuen Rezepten tüftelt.

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Also fingen sie an, Pasten und Saucen selbst zu machen. Bald vermisste sie auch den Geschmack von thailändischen Würsten, denn „Thailand ist eine riesen ,Wurstnation‘“. Sie fragten den Metzger, ob er sich vorstellen könne, eine thailändische Wurst herzustellen. Er konnte. „Und das ist dann über private Kanäle so gut angekommen, dass wir dachten, entweder wir machen es gescheit oder gar nicht.“ Schopf suchte über E-Bay-Kleinanzeigen einen Bäcker, einen alten Metzgerladen oder etwas Ähnliches, wo man gesetzeskonform Lebensmittel herstellen konnte. Metzger Johann Stock meldete sich bei ihm, und bald wurden sie sich einig. Anfang 2023 zogen sie ein. So hatten ihnen letztendlich zwei bayerische Metzger den Weg in die Selbstständigkeit geebnet.

Ohne Fleißarbeit ging das freilich alles nicht: Schopf machte sich schlau über Auflagen, lernte Aspekte, wie etwa welche Pflichtangaben auf Etiketten müssen, kaufte neue Maschinen, um die Pasten und Currys herstellen zu können. Die Wurst, die kommt im Übrigen nach wie vor vom lokalen Metzger.

Auch für seine Frau war das Ganze Neuland. Die gelernte Krankenschwester hatte immerhin eine Konditorei in Thailand, aber mit dem Herstellen von Pasten hatte sie bisher nichts zu tun, mit dem Vertrieb von Wurst auch nicht. Nun entstehen hier unterschiedlichste Pasten und Currys, die nach Heimat schmecken.

Viel Liebe steckten die Beiden auch ins Interieur. Hinter der ehemaligen Metzgereitür öffnet sich ein fremder Kosmos, nicht nur in eine andere Welt, sondern auch in eine andere Zeit. Die Wände zieren Werbeposter und Stars vornehmlich aus dem Thailand der 1960er und 1970er Jahre, eine Erinnerung an die Kindheit seiner Frau. „Da habe ich echt lange gebraucht, daran zu tüfteln, dass das passt und stimmig ist“, so Schopf.

Über der Theke dann hat Schopf Automodelle angebracht und alte Handschuhe, die ihn an sein früheres Hobby, an den Motorsport erinnern. Dort, wo früher der Verkaufstresen stand, ist jetzt eine Theke, an der man auf bunten Eisenstühlen Platz nehmen kann.

So schmeckt Thailand

„Hier wollen wir ab Januar auch Essen anbieten“, sagt Schopf. Hier könnten sich die Gäste dann ohne Zeitdruck verwöhnen lassen, auch als Gruppe nach Vorabbuchung. Natürlich steht dann Thaiküche auf dem Plan und so, wie es auch „daheim“ bei Chonticha schmeckt. Vornehmlich freitags will das Paar dann einen Versuchsballon starten. „Vor hatten wir das ja schon länger, aber es war nie die Zeit. Wir haben einen Zwölf-Stunden-Tag.“

Neben den eigenen Produkten vertreiben die Schopfs noch andere Produkte: Etwa auch Pasten oder Curry-Saucen von Freunden aus ganz Deutschland, die sie unter anderem auf Messen kennengelernt haben. Denn es gebe eine „Chili-Community“, jede Chili schmecke anders und die Currys oder Pasten seien ja ohnehin regional höchst unterschiedlich. Auch essbare Parfums, die man etwa für Cocktails verwendet und die etwa an Basmatireis erinnern, gibt es hier. Und auch Süßigkeiten, die Chontichas Familie herstellt, zum Beispiel Bananenbonbons mit Kokosmilch oder vegane Tamarinden-Chili-Bonbons kann man kaufen.

Langweilig wird es den Schopfs in den nächsten Jahren sicher nicht. „Wir haben noch einige Ideen“, sagt Schopf. Vielleicht auch noch eine weitere Wurst? Die Wurst nach nordthailändischem Rezept mit einer gewissen Schärfe komme super an, nicht nur bei Thailändern. Und wie schmeckt sie Metzger Johann Stock, der noch oberhalb des Yak Thai wohnt? „Das ist mal was anderes. Die Leute wollen halt auch nicht immer nur Leberkäse.“

Mitten auf dem Land haben sich die Beiden ihr Thai-Refugium geschaffen.
Die Thai-Pasten von Chonticha Schopf werden europaweit vertrieben. Foto: Schopf
Thailändischer Tempelwächter: Bis vor Kurzem hing noch das Metzgerschild über der Tür.