Modellbahnausstellung in den Schaufenstern von Neustadt lockt große und kleine Eisenbahnfans

Es ist viele Jahre her, da gehörte der Schaufensterbummel in der Vorweihnachtszeit zum „Pflichtprogramm“ vieler Familien. Die Buben waren dabei von den Eisenbahnen begeistert, die in vielen Fenstern zu sehen waren. In Neustadt a.d. Donau (Landkreis Kelheim) lässt der Modelleisenbahner-Stammtisch diese Tradition in der Innenstadt aufleben. Mit Erfolg.
Wo Licht in den Schaufenstern war und sich was bewegte, bildeten sich Menschentrauben. Kinder drückten sich wie einst ihre Väter regelrecht die Nase platt an den Glasscheiben. Den größten Erfolg hatte Alois Ferstl mit seiner Anlage im Maßstab 1:160, die im früheren Geschäft von Betten Hauser aufgestellt war. Hier konnten Kinder sogar selbst die Züge steuern – mittels einer Fernsteuerung vom Fußweg. Der Satz, den man deshalb oft an diesem Schaufenster hörte, lautete: „Ich will nochmal.“ Das Spiel mit der Fernsteuerung begeisterte.
Der alte Zauber, der von Modellbahnen in Schaufenstern zur Vorweihnachtszeit ausgeht, funktioniert noch immer. Die Leute bleiben stehen, schauen, reden und freuen sich über die Welten im Lilliput-Format.
Analog und digital
Ganz anders im Büro der Mittelbayerischen. Hier war nichts digital, hier fuhren die Züge wie vor einem halben Jahrhundert noch analog. Über einen Trafo wurde die Lokomotiven gesteuert. Auch sonst konnte der Unterschied kaum größer zwischen den beiden Anlagen sein. Bei Alois Ferstl waren die Landschaft, die Waggons und Lokomotiven detailgetreu nachgebildet. Im Zeitungsbüro war dagegen eine Spielbahn im Maßstab 1:64 aufgebaut. Die Waggons des Herstellers Stadtilm, die um 1960 gebaut wurden, waren aus Blech, die Häuser aus Holz und Pappe und die Bäume und andere Ausstattungselemente zum Teil in Heimarbeit selbst hergestellt.
Neustadts einstiger zweiter Bürgermeister Gottfried Beck, der auch ein Modellbahner ist, meinte anerkennend: „Das ist hier wie früher eben, als man noch aus ein paar Packungen Streichhölzern ein Sägewerk gebaut hat.“ Und Henry Nehm, Inhaber des Modellbahngeschäftes an der Herzog-Ludwig-Straße, stellte fest: „Die Anlage hat was.“ Die Marke des Herstellers kannte er, obwohl sonst bestens informiert, nicht.
Die Vorführungen der Anlagen zogen die Besucher in ihren Bann. Immer wieder wurden Fragen gestellt, mussten Alois Ferstl und der Reporter dieser Zeitung erklären, was sie aufgebaut hatten. Und Alois Ferstl gestand, dass er schon in den Tagen vor dem offiziellen Start der Ausstellung, die von Bernhard Rieger organisiert wurde, seine Anlage vorgeführt hatte.
Zu sehen gab es noch mehr. So waren die Schaufenster der früheren Stadtapotheke liebevoll mit Lokomotiven und mit Kalendern, die Fotos von Modellbahnanlagen zeigten, dekoriert worden. Bei Foto Mayer lief eine winzige Märklin im Schaufenster und weitere Bahnen waren bei Hosen Hans, der ehemaligen Bäckerei Bauer, im Kulturforum und beim Friseur Artinger zu sehen. Der, ebenfalls Mitglied des Stammtischs, war bei der Ausstellung übrigens mit Schaffnermütze, Signalkelle und passendem Blazer unterwegs.
Und so erlebte die Modelleisenbahn am Wochenende ein Comeback in Neustadt a.d. Donau. Ob das der Start zu einer Rückkehr in die großen Zeiten der Modellbahn ist, die die noch in den siebziger Jahren hatte, wurde immer wieder bei der Ausstellung diskutiert. Die Modellbahn ist aus dem öffentlichen Bild verschwunden, stellte Henry Nehm fest. Es gibt kaum noch entsprechende Geschäfte.
Gemeinsam statt einsam
Dennoch könnte das Hobby eine Chance haben, waren sich die Mitglieder des Stammtischs sicher und verwiesen auf sich selbst. Es sei wichtig, nicht allein an seiner Anlage zu bauen, sondern sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Das sei ja schließlich auch bei anderen Hobbys so.
Und früher, erinnerte Bernhard Rieger, sei man als Kinder und Jugendliche gemeinsam unterwegs gewesen, um sich Modellbahnen anzuschauen – entweder stand man deshalb vor den Schaufenstern der Spielzeuggeschäfte oder man besuchte die Freunde, die auch eine Modellbahn hatten. Und so ähnlich war es bei der Ausstellung, die am Samstag eröffnet wurde und bis zum Feiertag Hl. Drei Könige bestehen bleiben soll. Den nächsten Vorführtag gibt es am 29. Dezember. Abfahrt ist 16 Uhr, die letzte Zugfahrt endet um 17 Uhr.



