Das Herzensprojekt des Roland Schmuderer: Das Gruseln auf Burg Runding

„Das da“, sagt Roland Schmuderer, „das da ist ein Herzensprojekt, das ich seit 20 Jahren schon machen will.“ Dabei grinst der 57-jährige Vollblutmusiker wie ein Christkindl. Und wenn er es wäre, dann würde er wohl am liebsten überall vorbeifliegen und die Karten für seine Musical „Jockels boarische Grusel Gschicht“ ganz persönlich unter die Weihnachtsbäume legen. Im August soll das Gruseln auf Burg Runding einziehen.
Premiere wird am Donnerstag, 7. August, sein. Dann folgen an jedem Augustwochenende weitere Aufführungen von Donnerstag bis Sonntag. Und der ansonsten so gechillte Musiker, der mit seiner Band auf ungezählten Bühnen unterwegs war, sich als DJ in den Discos die Nächte um die Ohren schlug und Kultur-Events organisierte – dieser gechillte Musiker ist plötzlich nervös.
„Mach es einfach!“
„Mach es einfach endlich“, hatte seine Lebensgefährtin gefordert. Zu lange hatte Schmuderer von dem Musical geredet. Und das war der letzte Anstoß, den er brauchte. Boarisch abseits von dem Original-Musical, an das sich viele Kenner schon beim Anblick des Plakats erinnert fühlen werden, hat er nun zugeschlagen. Gemeinsam mit seiner langjährigen Bühnenfreundin Sandrina Sedana – sie hat als Autorin die Texte zur Musik geschrieben – bringt er das Musical nun auf die Bühne. Ähnlichkeiten mit existierenden Musicals sind durchaus beabsichtigt. „Ich war aber trotzdem überrascht, wie das Bayerische am Ende zur Musik gepasst hat“, sagt Schmuderer.
Kombiniert wird das Bühnengeschehen multimedial auf einer riesigen Leinwand mit 32 Quadratmetern. Dort wird auch der Erzähler immer wieder erscheinen, den die Rundinger als einen der ihren erkennen werden: der Binser!
Alles Denkmalschutz
Einfach war es nicht. Denn rundum steht jeder Stein unter Denkmalschutz. 350 Zuhörer hat das Landratsamt pro Aufführung genehmigt und nichts darf irgendwo befestigt werden. „Das haben wir alles hingekriegt. Aber es ist schon besonders, wenn Du für alles plötzlich selbst verantwortlich bist“, sagt Schmuderer. So war er bei der Bürgerversammlung, als der Rundinger Bürgermeister Franz Kopp das Vorhaben mitgeteilt hatte. Schmuderer ist heute noch begeistert: „Alle haben es gut gefunden und die erste Frage war: Wo gibt’s Karten? Mit den Rundingern kann man einfach was machen.“
Und dann wären da nur noch Cocktailbar, Security, Catering, Toilettenlagen, die Barrierefreiheit der Burg garantieren und natürlich Termine bei der Zeitung... Hinzu kommt noch die Tatsache, dass Schmuderer selbst die Hauptrolle in dem Musical spielen wird. Darin verirrt sich ein Paar auf der Hochzeitsreise in ein Schloss, in dem allerlei seltsame Gestalten gerade ein Fest feiern und es kommt zu turbulenten Verwicklungen samt Todesfällen...
Schmuderers Rückkehr
Wer jetzt schon wieder Ähnlichkeiten mit bestehenden Handlungen von anderen Musicals aus den 70ern bemerkt hat, in denen aber nie boarisch gesungen wurde, der hat vielleicht auch mitgekriegt, das in Jockel einige Buchstaben versteckt sind, die einen Hinweis auf den Ursprung dieser Ähnlichkeiten geben könnten...
Die Rückkehr auf die Bühne gehört ebenfalls zu den Besonderheiten. Denn Schmuderer hat dem unsteten Leben eigentlich seit etwa acht Jahren den Rücken gekehrt, um in der Werbebranche seinen Lebensunterhalt zu verdienen. „Es war einfach an der Zeit, dem Nachtleben den Rücken zu kehren. Irgendwann wird man auch zu alt dafür“, sagt er. Er erinnert sich daran, dass er damals glühend beneidet wurde, wenn er irgendwann gegen Mittag aus den Federn gekrochen ist. „Was niemand gesehen hat, war, dass ich ab und zu mal morgens um Fünf auf einem Parkplatz hinter München gepennt habe...“
...und ein Boandlkramer
Doch seine guten Kontakte in die Musikszene haben Schmuderer natürlich in die Hände gespielt und es ist ihm gelungen, Musiker für seine Live-Begleitung zu gewinnen, die schon für namhafte Stars und Band gespielt haben: Christian Benke (Gitarre), Hans Traurig jun. (Keyboard), Jan Zelinka (Schlagzeug) und Piotr Cichewicz (Bass). So manchen Darsteller hat er auch aus dem Bayerwald geholt. Zum Beispiel Ernst Martin, den viele als Boandlkramer beim Lichtenegger Bund kennen.
Karten für das Musical können bereits bei okticket bestellt werden. Die Karte kostet bei freier Platzwahl 43,50 Euro.