Pfarrei gelingt Befreiungsschlag: Kreis Schwandorf übernimmt VAZ-Gelände in Burglengenfeld

In einer Zeit, die geprägt ist von Krisen und schlechter Laune, gibt es plötzlich eine positive Nachricht: Die Stadtkirche Burglengenfeld hat für das Gelände, auf dem sich das Pfarrheim St. Michael (VAZ) befindet, eine Lösung gefunden. Sie kommt einem Befreiungsschlag gleich. Es gibt nur Gewinner. Dem entsprechend gut war die Stimmung beim Pressetermin am Montag.
Eine Schlüsselrolle spielt der Landreis. Er wird, wie Landrat Thomas Ebeling (CSU) erklärte, das VAZ-Areal übernehmen, und zwar auf Erbpachtbasis für 99 Jahre und zu einem „üblichen Zins“. Der Pachtvertrag tritt zum 1. Januar 2025 in Kraft, der Besitzübergang erfolgt aber erst zum 1. Januar 2027.
Ein Satz und seine Folgen
Der Landrat erklärte auch, weshalb der Kreis diesen Schritt tut – und wie es zu dem Deal gekommen war: Pfarrer Michael Hirmer habe sich bei ihm vor rund einem Dreivierteljahr per Mail gemeldet und sich in nur einem Satz erkundigt, ob sich der Kreis nicht für das Grundstück an der Kallmünzer Straße interessieren würde. Ähnliche Fragen gebe es auch aus anderen Kommunen immer wieder, berichtete Ebeling – und meist müssten sie abgelehnt werden. Der Burglengenfelder Fall sei aber ein besonderer. Hier habe sich für den Landkreis eine Chance aufgetan.
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Denn für die Realschule am Kreuzberg, in deren Sanierung der Kreis seit Jahren kräftig investiert, zeichne sich laut Ebeling weiterer Raumbedarf ab. Am bisherigen Gelände dürften die Möglichkeiten in absehbarer Zeit ausgereizt sein, und deshalb könnte das benachbarte Grundstück, auf dem sich neben dem VAZ auch der Don-Bosco-Kindergarten befindet, bald von besonderem Wert sein. Die Schule am Kreuzberg könnte weiter wachsen. Der Landkreis wäre nicht gezwungen, über eine zweite Realschule für das Städtedreieck nachzudenken.
Beide Seiten dachten in dieselbe Richtung
Die Verhandlungen seien dann, so Ebeling weiter, zügig vorangeschritten. Beide Seiten hätten „in die gleiche Richtung gedacht“, und auch der Kreistag habe die Idee unterstützt.
Zwei Punkte spielten laut Ebeling eine entscheidende Rolle: Pfarrer Hirmer habe darauf gepocht, dass die Blaskapelle St. Vitus in ihren gewohnten Räumen im Keller des Kindergartens bleiben darf. Außerdem sei es ein Anliegen gewesen, für Power-Concerts-Geschäftsführer und VAZ-Nutzer Arthur Theisinger Planungssicherheit herzustellen. Auf beides habe man sich verständigen können, sagte Ebeling.
Kindergartengebäude könnte für Schule umgebaut werden
Das Don-Bosco-Gebäude soll auch nach dem Umzug des Kindergartens in das noch zu errichtende neue Haus am Kreuzberg bestehen bleiben. Das Landratsamt geht laut Ebeling davon aus, dass es sich für schulische Zwecke umbauen lässt. Für das Pfarrheim St. Michael laufe es indes auf einen Abbruch hinaus, bestätigte Ebeling. Um diesbezüglich Verlässliches zu sagen, sei es jedoch viel zu früh. Zuerst werde im VAZ weiter Theisinger tonangebend bleiben. Seine Interessen und die des Landkreises ließen sich synchronisieren.
Fest steht laut Ebeling allerdings bereits, dass der Vorplatz des VAZ umgebaut werden soll, und zwar in einen Busbahnhof für die Realschule. Damit werde die Schulwegsicherheit signifikant verbessert. Bisher müssen die Realschüler an drei verschiedenen Haltestellen aus- und zusteigen.
Jahrzehntelanger Prozess geht zu Ende
Pfarrer Hirmer lobte die Kreisverwaltung und ihren Chef für die Zusammenarbeit. Nur eine Woche nach der erwähnten Anfrage, habe es bereits einen Ortstermin gegeben. „Total gefreut“ hat sich der Pfarrer, dass sich die Verantwortlichen des Landkreises von Anfang an große Mühe gegeben hätten, sich in die Rolle der Stadtkirche hineinzuversetzen.
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Für St. Vitus gehe ein jahrzehntelanger Prozess zu Ende, brachte es Hirmer auf den Punkt. Als Katalysator habe sich der negative Trend, unter dem die Kirche im Allgemeinen leidet, erwiesen. Die sinkende Zahl an Pfarrangehörigen habe dazu geführt, dass nur noch ein gemeinsames Pfarrzentrum benötigt werde, und zwar das von St. Josef.
Starke Kostenentlastung für die Pfarrei
Mit dem Rückzug aus der Kallmünzer Straße könne die Pfarrei ihre Betriebskosten deutlich senken, sagte Hirmer. Gleichzeitig würden durch die Einnahmen aus der Erbpacht auf lange Sicht Mittel gewonnen, die für die Bewirtschaftung und Bewahrung des verbliebenen Pfarrheims benötigt würden.
Arthur Theisinger erklärte, er freue sich, das VAZ weiter nutzen zu dürfen. Durch den Auszug der kirchlichen Vereine habe er wertvolle Lagerräume gewonnen. Natürlich werde es auch weiter Konzerte geben.
„Gut, dass der Landkreis an uns gedacht hat“, sagte Konrektorin Sonja Baulig. Die Realschule sei über die Pläne für einen Busbahnhof „froh und glücklich“. Denn die bisherige Situation der Fahrschüler sei schon immer mit einem gewissen Risiko verbunden.
Keinen Kommentar gab es seitens der Stadt. Weder der Bürgermeister noch einer seiner Stellvertreter waren zu dem Termin erschienen.
